Am Bundesgerichtshof

Freisprüche nach der Misshandlung eines Säuglings werden überprüft

HERTEN - Die Freisprüche im Misshandlungs-Prozess gegen die inzwischen getrennt lebenden Eltern aus Herten sind noch nicht das letzte Wort. Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil vom 9. Januar eingelegt. Die Akten gehen nun zum Bundesgerichtshof (BGH).

Wie berichtet, hatte das Bochumer Landgericht sowohl die Mutter als auch den Vater vom Vorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen freigesprochen. Obwohl zweifelsfrei festzustellen gewesen sei, dass der kleine Junge „grausame Verletzungen“ durch Gewalteinwirkungen aus seinem familiären Umfeld erlitten hat, hatten sich die Bochumer Richter außerstande gesehen, mit der für eine Verurteilung nötigen Sicherheit zuordnen zu können, wer konkret den Säugling so schwer misshandelt hat. In der Urteilsbegründung hatte Richter Michael Janßen daher wörtlich von einem „sehr unbefriedigenden Ergebnis“ gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen zumindest für die Mutter eine Gefängnisstrafe (zwei Jahre Haft) gefordert. Der 25-Jährigen müsse „aufgefallen sein, dass sich das Baby auffällig verhalten hat“, hatte es im Plädoyer des Anklägers geheißen. Die Mutter habe permanent so engen Kontakt mit dem Jungen gehabt, dass ihr die Verletzungen einfach nicht verborgen geblieben sein können.

Wie das Bochumer Landgericht jetzt auf Anfrage bestätigte, hat die Staatsanwaltschaft Revision gegen die Freisprüche eingelegt. Die Urteile sind somit noch nicht rechtskräftig. Sollte der BGH bei der Prüfung Rechtsfehler an dem Freispruch-Urteil finden, könnte angeordnet werden, dass noch einmal ganz von vorne verhandelt werden muss. Mit einem Ergebnis in der Revisionsfrage ist voraussichtlich frühestens im Herbst 2019 zu rechnen.

Der kleine Hertener Junge war am 1. November 2016 mit zahlreichen Knochenbrüchen an Armen, Beinen und Rippen in eine Kinderklinik eingeliefert worden. Im Prozess hatten beide Angeklagte die Misshandlungsvorwürfe bestritten.

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