BVB-Anschlag

Gutachten wirft offenbar viele Fragen auf

Dortmund - Im BVB-Prozess kommt das Fraunhofer-Institut in seinem ballistischen Gutachten zu ganz anderen Werten als das Bundeskriminalamt. Waren die Bomben möglicherweise gar keine tödlichen Waffen?

Viele Wochen hat das Schwurgericht auf die Fertigstellung der Expertise gewartet. Jetzt liegt das Gutachten in schriftlicher Form vor. Und am Donnerstag zeigten sich alle Prozessbeteiligten einigermaßen überrascht. "Ziemlich krasse Abweichungen zu den Ergebnissen des BKA" stellte die Staatsanwaltschaft fest. Und Verteidiger Carl Heydenreich meinte vielsagend: "Wenn man die beiden Arbeiten nebeneinander legt, stellt man fest, dass das Fraunhofer-Institut gar nicht zu letalen Werten kommt."

Ab 79 Joule können Verletzungen tödlich sein

Das Gutachten sollte klären, mit welcher Energie die von Sergej W. gebauten Bomben die darin versteckten Metallstifte durch die Luft schleuderten. Ein Physiker des BKA hatte im Prozess erläutert, ab einer kinetischen Energie von 79 Joule sei mit tödlichen Verletzungen zu rechnen. Einzelnen Splittern aus den Bomben, die am 11. April vor dem Mannschaftshotel "l'Arrivée" explodierten, schrieb der Experte Energiewerte von deutlich über 100 Joule zu. Nun scheint das Fraunhofer-Institut jedoch zu anderen Ergebnissen zu kommen.

Sergej W. betont keinen Mord geplant zu haben

Klarheit wird wohl erst die Befragung des Sachverständigen bringen, die für Ende September geplant ist. "Vorher will ich das Gutachten nicht bewerten", sagte Verteidiger Heydenreich. Klar ist aber auch, dass die Expertise der Verteidigung durchaus in die Hände spielen könnte. Sergej W. behauptet ja, er habe die Bomben absichtlich so konzipiert, dass so gut wie keine Schäden zu erwarten waren.

Urteil erfolgt erst im November

Die Wartezeit bis Ende September ist erforderlich, weil nun nacheinander viele Prozessbeteiligte in Urlaub gehen. Ein Urteil soll nach derzeitiger Planung am 5. November gesprochen werden, weil auch der Oktober durch Urlaube weitgehend blockiert ist.

Der Vorsitzende Richter Peter Windgätter erklärte am Donnerstag aber mehrfach, dass inhaltlich aus Sicht der Kammer keine weiteren Entwicklungen mehr zu erwarten seien. Sobald das Gutachten erstattet sei, "sind wir mit der Beweisaufnahme durch".

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