BVB-Attentat

Neues Gutachten schickt BVB-Prozess um Sergej W. in die Verlängerung

Der BVB-Prozess am Dortmunder Schwurgericht geht noch einmal in die Verlängerung. Auf Antrag der Verteidigung soll ein weiteres Gutachten eingeholt werden. Ein Urteil fällt wohl erst 2019.

Zuletzt hatten die Richter eingehend einen Ballistik-Experten des Fraunhofer-Instituts befragt. Der Sachverständige hatte die Abschuss- und Aufprallenergie der in den Sprengsätzen verborgenen Metallstifte berechnet. In seinem Gutachten war der Physiker zu dem Schluss gekommen, dass die Sprengkraft der drei Bomben als eher gering einzustufen sei. Seiner Ansicht nach sei bei der Detonation auch nicht der gesamte Sprengstoff umgesetzt worden.

Allerdings betonte der Experte mehrmals, dass Angaben zur Sprengkraft nicht in sein Spezialgebiet fielen. Dazu gebe es am Fraunhofer-Institut andere Fachleute. Auf Antrag der Verteidigung soll einer von diesen nun auch noch befragt werden. Und natürlich soll der noch zu findende Experte seine Erkenntnisse auch im Rahmen eines Sachverständigen-Gutachtens zusammenfassen.

Der bisherige Prozess-Fahrplan ist hinfällig

Das bedeutet, dass der bisherige Prozessfahrplan seit Donnerstag völlig hinfällig ist. Bislang hatten die Richter gehofft, Ende Oktober die Plädoyers hören und Anfang November ein Urteil sprechen zu können.

Wie lange die nun zu erwartende Verlängerung ausfällt, ist völlig unklar. Auf das erste Gutachten des Fraunhofer-Institus hatte das Schwurgericht fast drei Monate warten müssen. Sollte die neue Expertise annähernd so lange in Anspruch nehmen, wäre eine Urteilsverkündung in diesem Jahr nicht mehr möglich.

Der Angeklagte Sergej W. gibt zwar zu, die drei Bomben am 11. April 2017 bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses am Teamhotel gezündet zu haben. Der Vorwurf des Mordversuchs könne ihm jedoch nicht gemacht werden, weil er bei der Konstruktion der Bomben darauf geachtet habe, dass keine nennenswerten Schäden auftreten konnten. Ob das glaubhaft ist, wird unter anderem Thema des neuen Gutachtens werden.

Verteidiger Christos Psaltiras beantragte am Donnerstag außerdem, ein Handyvideo in der Verhandlung zu zeigen, auf dem der Vorplatz des Hotels unmittelbar nach der Detonation der Bomben zu sehen ist. Ein Gast soll die Aufnahme aus seinem Zimmer im Obergeschoss gefertigt haben.

Angeblich ist auf dem Video zu sehen, dass sich der Motorradpolizist, der bei dem Anschlag ein Hörtrauma erlitten hat, zum Zeitpunkt des Attentats nicht mehr unmittelbar vor dem Bus, sondern schon rund 30 Meter weiter vorne aufgehalten hat. Damit habe sich der Beamte in keiner unmittelbaren Gefahr mehr befunden, glaubt Psaltiras. "Der Vorwurf des Mordversuchs greift also in diesem Fall auch aus diesem Grund nicht."

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