BVB-Saisonanalyse: Der Kapitän

Marcel Schmelzer erreicht nie das Niveau früherer Jahre

DORTMUND - Symbolisch für das schwierige BVB-Jahr steht auch die Saison des Kapitäns: Drei längere verletzungsbedingte Zwangspausen prägen das Spieljahr von Marcel Schmelzer. Der 30-Jährige erreicht nie das Niveau früherer Jahre - und zieht eine bemerkenswerte Konsequenz.

Als alles vorbei war, gab Schmelzer mit einer mutigen Entscheidung auch einiges aus seiner inneren Gefühlswelt preis. Schmelzer gab sein Kapitänsamt zurück, "nach zwei anstrengenden und intensiven Jahren, die sehr kräftezehrend waren", wie er kurz vor Ende der USA-Reise mitteilte. "Vom Verein wird ein Neustart in diesem Sommer ausgerufen, da passt es gut, dass auch dieses Amt neu vergeben wird."

Heftige Kritik

Als Kapitän dieser Mannschaft war es sehr oft Schmelzer, der sich der Kritik stellen musste. Dieser Verantwortung verweigerte er sich nie. Weil auch seine Leistungen nicht an die der Vorjahre heranreichten, wurde Schmelzer schnell zum Symbol für den Wankelmut, der die Mannschaft befallen hatte. Und er wurde heftiger kritisiert als so mancher Teamkollege.

Es gab Erklärungsansätze: In der Sommervorbereitung zog sich Schmelzer einen Außenbandriss im Sprunggelenk zu, gleich im zweiten Spiel nach seiner Rückkehr erlitt er am vierten Spieltag nach einem üblen Foul des Freiburger Ravet dieselbe Verletzung. Als er im Winter die kurze Vorbereitung nutzen wollte, um Versäumtes aufzuholen, zwickte gleich in der ersten Einheit im spanischen Marbella die Wade - Muskelfaserriss, wieder sechs Wochen Pause. Schmelzer kam nie so richtig in Tritt, dabei ist eine absolute Fitness die Grundlage seines Spiels.

Notenschnitt sackt dramatisch ab

Schmelzers Notenschnitt sackte entsprechend dramatisch ab. Von 3,24 in der Saison zuvor, als er 26 Bundesliga-Spiele machte, auf 3,91 - bei nur noch 18 Einsätzen in der Liga. Ein magerer Assist ist der Beleg, dass ihm Power und Offensivdrang lange abgingen. Schmelzer ist nach Ende der USA-Reise in Übersee geblieben, hat sich neben Los Angeles auch San Francisco angesehen. Weit weg von allem Bekannten ging es vor allem wohl darum, den Kopf freizubekommen.

Ausblick: Mit der Rückgabe des Kapitänsamts ist Marcel Schmelzer möglicherweise einer Entmachtung durch den neuen Cheftrainer Lucien Favre zuvorgekommen. Sie zeigt aber vor allem eins: Schmelzer will zeigen, dass die vergangene Saison ein Ausreißer nach unten war.

Und er will sich ohne zusätzliche Verantwortung wieder allein darauf konzentrieren, sein Leistungsvermögen auszuschöpfen. Unumstritten ist er auf der linken Seite längst nicht mehr. Nicht umsonst hat sich der BVB lange um Kölns Jonas Hector bemüht. Ohne den kleinen Bonus des Kapitänsamts wird sich Schmelzer dem Konkurrenzkampf stellen müssen.

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