Champions League

Traum vom Viertelfinale platzt in Überzahl

Gelsenkirchen - 2:3 gegen Manchester City – lange starke Schalker kassieren zwei Tore, als sie ein Mann mehr sind. Schock durch Leroy Sanés späten Ausgleich.

Wer vor dem Spiel noch einen Hinweis auf die unterschiedlichen Größenordnungen beider Vereine haben wollte, bekam ihn von City-Trainer Pep Guardiola geliefert: Leroy Sané, Schalkes teuerster Verkauf aller Zeiten (50 Millionen Euro), saß bei Manchester City zunächst nur auf der Ersatzbank. Wer es sich leisten kann...

Trotzdem spielte in der Anfangs-Viertelstunde nur eine Mannchaft, und die kam aus England. De Bruyne und Co. schnürten die mit einer Fünfer-Abwehrkette angetretenen Schalker förmlich ein, schienen die Gastgeber überrollen zu wollen. Als die Mannschaft von S04-Trainer Domenico Tedesco die brenzlige Anfangsphase gerade überstanden hatte, patzte ausgerechnet Ralf Fährmann, dem Tedesco das Spiel quasi „geschenkt“ hatte: Schalkes Torhüter passte einen Ball auf den von David Silva bedrängten Salif Sané, der City-Profi gewann das Duell, passte zu Serio Aguero, der zum 0:1 vollendete (18.).

Schalkes Fans stimmten Euro-Hymne „Wir schlugen Roda “ an

Ein recht früher Rückstand gegen eine als überlegen geltende Mannschaft – der Spielfilm sprach nun nicht unbedingt für ein Schalker Happy End. Aber die „Königsblauen“ kamen zurück, während Manchester City nach der Führung in eine Art „Uns-kann-hier-nichts-passieren„-Modus umschaltete. Konnte aber doch, denn Schalke wehrte sich, vor allem in Person von Weston McKennie. Nach dessen bemerkenswerter Balleroberung kam Daniel Caligiuri zu einem Torschuss, den Nicolas Otamendi zur Ecke lenkte. Allerdings mit der Hand – das entschied der spanische Schiedsrichter Carlos Del Cerro nach einer ca. vierminütigen Diskussionsrunde unter Einbeziehung des im Champions-League-Achtelfinales eingesetzten Video-Assistenten und kurioserweise auch beider Mannschaftskapitäne. Nabil Bentaleb hielt sich aus allem raus, konzentrierte sich stattdessen auf seine Parade-Disziplin – und verwandelte den Elfmeter zum 1:1 (38.).

Schalkes Fans stimmten nun die Euro-Hymne „Wir schlugen Roda an... “ und konnten sechs Minuten später die nächsten Silben singen. Denn nach einem Foul von Fernandinho an Salif Sané gab es den nächsten berechtigten Elfmeter. Ein Fall für Bentaleb: 2:1 (44.). Nun war die Arena ein „Tollhaus“. Während Pep Guardiol sich unter das Dach der Trainer-Bank zurückzog, reiften auf Schalke erste konkrete Träume von einer Sensation.

Ex-Schalkespieler Sané erzielte mit einem Freistoß das 2:2

Tatsächlich hielten die S04-Profis ihr Versprechen, gegen Manchester City „alles rauszuhauen“, auch in der zweiten Spielhälfte. Der graue Bundesliga-Alltag konnte gegen den englischen Meister ausgeblendet werden, was Manchester City zu einer neuen Staffel an Offensiv-Aktionen verleitete. Die kamen nun allerdings eher wütend als konstruktiv daher, so dass das Schalker Bollwerk die wichtige Anfangs-Viertelstunde des zweiten Durchgangs überstand.

Doch nur darauf wollte sich Tedesco nicht verlassen – Schalkes Trainer wechselte mit Guido Burstaller einen Stürmer ein. Der war gerade auf dem Platz, da wurde er von Otamendi übel gefoult – der bereits verwarnte City-Verteidiger sah die Gelb-Rote Karte (68.).

Schalke in Überzahl, Manchester mit dem Mute der Verzweiflung – und ab der 78. Minute auch mit Leroy Sané. Ausgerechnet der Ex-Schalker spuckte den starken „Königsblauen“ dann doch noch in die Suppe: Mit einem traumhaften Freistoß erzielte er das 2:2 – offenbar aus Respekt vor seinem Ex-Klub ersparte er sich eine ausufernde Jubel-Szene. Schalke jetzt sichtlich geschockt: In der 90. Minute gelang Sterling dann sogar noch das 2:3 – ausgerechnet in Überzahl kassierte das Tedesco-Team zwei Tore und darf seinen Traum von der großen Champions-League-Sensation nun wohl begraben. Obwohl: Unverwundbar ist auch Manchester City nicht, das hat das Hinspiel gezeigt. Rückspiel-Termin: 12. März.

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