Christian Heidel

Manager-Rücktritt und Fan-Wut bei Schalke

Gelsenkirchen - Das Wetter am Sonntag passte so gar nicht zur Krisen-Stimmung beim FC Schalke 04. 200 Zuschauer verfolgten bei königsblauem Himmel das Training nach einem denkwürdigen Tag.

Der Rücktritt von Sportvorstand Christian Heidel ausgerechnet in seiner Geburtsstadt und das sportliche Trauerspiel bei der 0:3 (0:1)-Schlappe in Mainz haben die Schalker Krise noch einmal verschärft. Heidel begründete seine Entscheidung mit der schwachen Bundesligasaison und der fehlenden Ruhe rund um den Verein, die für sportlichen Erfolg unerlässlich sei.

„Ich habe immer aus einer Position der Stärke heraus gearbeitet. Die habe ich momentan nicht“, sagte der 55-Jährige, der einen Auflösungsvertrag unterschreiben wird, der ab dem 1. Juli 2019 gilt. Heidel verzichtet also auf seine finanziellen Ansprüche, denn sein Vertrag lief noch bis zum 30. Juni 2020.

Aber es muss sich niemand um seine Zukunft sorgen, denn er hat in seiner Managerzeit auch auf Schalke gut verdient. Trainer Domenico Tedesco, der am Freitag von Heidel informiert worden war, reagierte geschockt, denn damit verliert er seinen großen Förderer. An einen Rücktritt denkt der Coach nicht: „Daran habe ich nicht eine Sekunde einen Gedanken verschwendet“, sagte der 33-Jährige nach dem Training am Sonntag, das er mit nachdenklicher Miene leitete.

Pfeiffkonzert und fliegende Bierbecher

Was kein Wunder war nach dem Gruselfußball seiner Mannschaft in Mainz, die in der zweiten Halbzeit regelrecht zerfiel und froh sein konnte, nur drei Gegentreffer durch Onisiwo (18. u. 84.) und Mateta (73.) kassiert zu haben. „Mainz hat uns aufgefressen“, schimpfte Tedesco, der Basistugenden wie Einsatz, Kampf und Pressing vermisste.

Gelingt es ihm nicht, den Schalter bei seiner Mannschaft umzulegen, muss auch er um seinen Trainerposten zittern. Den Kredit bei den eigenen Fans hat die Schalker Mannschaft inzwischen längst verspielt. Die Fan-Wut nach dem Abpfiff in Mainz äußerte sich in einem Pfeifkonzert, sogar Bierbecher flogen, während Alexander Nübel und Co. wie paralysiert auf dem Rasen standen. Mark Uth hatte Tränen in den Augen, als er in die Kabine ging.

Es war aber auch zum Weinen, was die Königsblauen in Mainz ablieferten. Was lange Zeit undenkbar war, wird nun zumindest an den Stammtischen schon diskutiert: Kann Schalke Abstiegskampf? Selbst Heidel scheint skeptisch. „Es geht darum, aus dieser Situation heraus zu kommen.

Da muss wirklich einiges passieren. Ob die Mannschaft Abstiegskampf kann, weiß ich nicht. Aber sie wird es müssen“, sagte der 55-Jährige, der bei der Suche nach seinem Nachfolger mit Rat zur Seite stehen will, wenn er gefragt würde. Als heißer Kandidat gilt der Leverkusener Jonas Boldt. Heidel: „Ich kenne ihn schon länger und schätze ihn sehr. Ob er der richtige Mann für Schalke ist, weiß ich nicht. Dafür hat der Verein Gremien, die darüber entscheiden.“

Gerücht: Klaus Allofs könnte als Sportvorstand zum Zug kommen

Nach Informationen dieser Zeitung ist Christoph Metzelder bei den Königsblauen kein Thema für die Heidel-Nachfolge. „Den letzten Kontakt mit Schalke gab es durch Finanzvorstand Peter Peters am Freitag beim Amateurfußball-Kongress in Kassel. Da ging es aber um Themen wie Amateurfußball und Profisport“, sagte Metzelder.

Aktuell kursiert auch noch das Gerücht, dass Schalke künftig auf eine Doppelspitze in der sportlichen Führung setzen könnte. Klaus Allofs (62) könnte dann als Sportvorstand zum Zug kommen, der viel Erfahrung für solch eine Aufgabe mitbringt.

Allerdings ist bei dieser Konstellation die Frage, ob sich Schalke zwei neue hauptamtliche Kräfte überhaupt leisten kann. Zwar wird bald für das vergangene Jahr ein Rekordumsatz verkündet werden, doch für 2019 muss der Verein erhebliche finanzielle Einbußen einkalkulieren. Eine Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb ist so gut wie ausgeschlossen und zahlreiche Sponsorenverträge sind an Erfolgsboni gekoppelt, die wegfallen werden. Schwere Zeiten auf Schalke – auch für den oder die Nachfolger von Heidel.

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