Freiheit im Wald - immerhin...
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Blog von Mareike Graepel

Mitten im Corona-Chaos: Das tägliche Tagebuch zum Ausnahme-Zustand – Teil 6

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Das Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

  • Das Coronavirus hat auch den Kreis Recklinghausen fest im Griff.
  • Kitas und Schulen sind geschlossen.
  • Mareike Graepel bloggt aus ihrem daraus resultierenden Familien-Alltag.

Fünf Wochen keine Schule, keine Kita, keine Betreuung durch sonst so dankbar eingesetzte Großeltern – und für viele Eltern noch dazu die neue Arbeitssituation: Home Office. Wie kompatibel sind Nachwuchs und Job?

Was macht man mit den Kindern den ganzen Tag, wenn Schulaufgaben und vorgegebene Ideen abgearbeitet sind, man aber nicht schwimmen oder ins Kino gehen kann? Alle Hobbys sind abgesagt.

Coronavirus: Keine Menschenseele ist auf der Straße

Der ganze Alltag ist abgesagt. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein tägliches Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

Es ist so ein herrlicher Tag draußen und es ist ganz still, wenn man die Fenster öffnet. Kaum ein Auto ist zu hören, keine Menschenseele ist auf der Straße und der Himmel ist strahlend blau – gestern Morgen haben wir uns bereits gegenseitig auf die einzigen beiden Kondensstreifen aufmerksam gemacht, als hätten wir sowas seit Jahren nicht gesehen. 

Aber die Vögel singen und die Blüten und Blätter unserer ahnungslosen Magnolie im Garten rascheln in der Brise. Wir haben heute Zeit, auf solche Dinge zu achten, Puzzles zu machen und Brettspiele zu spielen – gestern hatten wir höllisch zu tun.

Mit wirklich unaufschiebbaren, dringenden Aufgaben, die zu erledigen waren (hüstel, hüstel – wir haben sie ja erst seit Wochen aufgeschoben): Aufräumen, den Flur oben von halbgepackten Kisten mit zu klein gewordenen Klamotten der Kinder befreien, Badezimmer putzen, Saugen, Wischen, Wäsche machen… 

Ausnahmesituation macht zu Schaffen

Langweilt diese Auflistung schon? Ja, mich auch. Aber trotzdem machen ja alle genau das. Und noch viel mehr – alle Leute scheinen (wenn sie mit Klopapier-, Nudeln- und Mehl-Kaufen fertig sind) direkt in den Baumarkt und Gartencenter weiterzufahren.

Je nachdem, wie lange das Alles andauert – und die Ungewissheit und voneinander abweichenden Einschätzungen der Dauer dieser Ausnahmesituation machen mir mehr zu schaffen als die Situation selbst –, haben wir alle hinterher zumindest picobello aufgeräumte Häuser und Wohnungen und perfekte Feng-Shui-Buden.

Dafür aber unfrisierte Köpfe, ungewachste Bikinizonen und mehr als nur ein paar Weihnachtskilos auf den Hüften (wobei, dazu müsste ich ja irgendwann mal Nudeln kaufen können, was ja unmöglich zu sein scheint…). 

Die Kinder haben helfen müssen, dafür haben wir ihnen den Sonntag als „Entscheider-Tag“ geschenkt. Ich musste um Erlaubnis fragen, ob ich diesen Text schreiben darf. Gott sei Dank durfte ich – unter der Voraussetzung, dass ich gleich mit puzzle.

Es hat bei Orla schon für größte Enttäuschung gesorgt, dass weder die Eisdiele noch der Kiosk gegenüber geöffnet haben. Sie wollte schon am frühen Morgen Eis holen gehen. Schließlich kann sie alles entscheiden, wie sie möchte, heute.

Leider sind die Umstände für Kinderträume größter Freiheit denkbar schlecht – weil wir alle damit kämpfen, dass unsere Freiheit eingeschränkt ist. Im Kleinen ist Orlas nicht-kaufbares Eis also ein Synonym für so vieles, was wir alle so gerne machen würden und nicht können.

Corona-Krise: Not macht erfinderisch

Die Lösung der Kinder: Aus der Fanta, die der Pizza-Service gestern mit dem Essen vor die Tür gestellt hat, und dem Rest-Eis in unserem Tiefkühlfach haben Alva und Orla Schlammbowle gemacht (ohne Alkohol! Es ist ja noch früh am Tag, und äh, das sind Kinder!). 

Not macht erfinderisch – auch sehr viele Sänger*innen und Künstler*innen. Viele streamen Mini-Wohnzimmer-Konzerte, oder bieten Workshops an oder lesen aus ihren Büchern. Hozier zum Beispiel („Take me to Church“) hat Freitagabend einen Live-Gig von Zuhause gespielt.

Es lohnt sich, die Facebook- und Instagram-Accounts seiner eigenen Helden mal zu aufmerksamer zu beobachten. (Auch mein Held, U2-Sänger Bono, hat letzte Woche ein neues Lied im eigenen Wohnzimmer gesungen und gestreamt. Über seine Kameraführung müssen wir aber noch mal reden… ;-)) Analog, aber sicher noch bewegender: Heute um 18 Uhr spielen in ganz Deutschland Musiker die „Ode an die Freude“ aus dem Fenster. Meine Mädels und Daddy machen auch mit. Ich werde mich sehr darüber freuen. Und weinen.

Weitere Infos:

Corona auch den Kleinsten erklären: Auf https://www.mindheart.co/descargables gibt es in vielen Sprachen ein COVIBOOK-Bilderbuch, das in ganz einfachen Worten erklärt (und das sehr bildlich und begreifbar), wie die Krankheit funktioniert und warum wir alle machen müssen, was wir gerade machen. Sehr empfehlenswert – bitte auch den Nachbarn als Link schicken, die vielleicht nicht so gut Bescheid wissen, weil sie nicht fließend Deutsch sprechen und ihren Kindern die Nachrichten nicht perfekt übersetzen oder erklären können.

Allein an die Luft: Mit der Kernfamilie rausgehen ist erlaubt, und sinnvoll – Radtouren und Waldspaziergänge sorgen für Abwechslung, Bewegung und stärken das Immunsystem. Abstand halten von anderen Menschen ist selbstverständlich, lässt sich aber in so großen Waldgebieten wie der Haard und der Hohen Mark sicher gut bewerkstelligen.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

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