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Die Stimmung schwankt zwischen den Kartons sehr schnell...

Blog von Mareike Graepel

Mitten im Corona-Chaos: Das tägliche Tagebuch zum Ausnahme-Zustand – Teil 18

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Das Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt seit einigen Tagen ein Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

Fünf Wochen keine Schule, keine Kita, keine Betreuung durch sonst so dankbar eingesetzte Großeltern – und für viele Eltern noch dazu die neue Arbeitssituation: Home Office. Wie kompatibel sind Nachwuchs und Job?

Was macht man mit den Kindern den ganzen Tag, wenn Schulaufgaben und vorgegebene Ideen abgearbeitet sind, man aber nicht schwimmen oder ins Kino gehen kann? Alle Hobbies sind abgesagt. Der ganze Alltag ist abgesagt. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ein tägliches Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

Mit Durchhaltevermögen, Vorstellungskraft und viel Geduld geht's ans Ausmisten

„Mama, ich hab geträumt, wir wären schon fertig mit dem Ausmisten und Aufräumen und würden schon mein Bett aufbauen – aber dann bin ich wach geworden und ich habe gesehen, da ist noch ganz viel Chaos! Träumen ist doof.“ Orla kommt morgens in unser Bett gekrochen – Gottseidank ist es schon fast neun und die Kinder nutzen das Ferien-Gefühl und schlafen aus! – und ist niedergeschlagen, demotiviert. Ich kenn’ das nur zu gut. Ich hatte das sogar im wachen Zustand am Vortag.

Wir haben angefangen, ein paar Zimmer zu tauschen, aus verschiedenen Gründen, aber vor allem, weil wir dringend mal ausmisten und aufräumen müssen, ein paar Baby-/Kleinkind-Sachen rausmüssen und Platz machen müssen für die Tatsache, dass Alva und Orla nicht mehr so klein sind. Diese Tatsache erfordert aber nicht nur Durchhaltevermögen und Vorstellungskraft in der Umsetzung, sondern auch Geduld, Staubwedel, Putzlappen, Teppichreinigerschaum, Staubsauger und genug akrobatisches Talent, um über die Im-Haus-Umzugskartons herumzuklettern.

Unsere Hündin ist verwirrt und steht manchmal etwas konsterniert zwischen den im Flur aufgereihten Möbeln und Kisten und verzieht sich gottergeben dann wieder in den Garten. Das Wetter ist draußen so schön, aber es ist überall vermutlich voll und schwierig, die richtige Distanz zu Menschen zu wahren. Gut also, dass wir zu Hause was zu tun haben. (Orla rollt vermutlich mit den Augen, wenn sie das hier liest, dabei war das ihre Idee mit dem Zimmertausch! Wer A sagt, muss auch B sagen, mein Kind!)

Manche Träume sind so unterhaltsam wie Kinofilme

„Weißt du, mit Träumen ist das ja so: Wenn man etwas richtig schönes träumt, denkt man beim Aufwachen ‚Wie schade, dass das nicht so ist, in Wirklichkeit!‘, aber bei Albträumen ist man ja froh, dass das nicht wahr ist, was man geträumt hat.“ Orla nickt, nur halbherzig zustimmend, ihr schöner Traum ist noch zu frisch, um ihn leichtfertig wegzuschieben. „Aber, Orla, am verrücktesten sind ja die Träume, in denen man etwas erlebt oder kann, was man sonst nicht kann – fliegen zum Beispiel, oder zaubern oder so. Diese Träume sind einfach so unterhaltsam wie ein Kinofilm.“ Das Kind muss lachen. „Das stimmt, Mama, die sind am coolsten.“

Nicht an alte Pläne denken, vorwärts schauen

Soll ich sie jetzt daran erinnern, dass wir eigentlich am letzten Wochenende zu Roncalli gegangen wären und uns jetzt in Österreich zum Skilaufen fertig machen würden, bei besten Schneeverhältnissen und strahlend blauem Himmel? Lieber nicht, wir machen jetzt erstmal Brötchen und Croissants im Ofen warm und stärken uns für den nächsten Teil des Indoor-Räum-Chaos in Corona-Zeiten. Bei weit geöffneten Fenstern habe ich schon gestern Abend gedacht, dass die Stille auf den Straßen sich fast so anhört, als hätte es geschneit. Aber in diesem Moment fangen die Gartenvögel an zu singen, und wir schieben die guten und die schlechten Träume mit der Bettdecke zur Seite und stehen auf. Die vierte Woche in diesem Ausnahmezustand beginnt.

Weitere Infos:

Tipp für Menschen mit Fernweh in den Osterferien: Rezepte aus dem Urlaubsland kochen (in unserem Fall: Kaiserschmarren, Spaghetti wie sie am besten schmecken, wenn man von der Piste kommt, und Germknödel, aber das können natürlich auch Tapas oder Paella sein, oder was auch immer wie Urlaub schmecken könnte), Getränke (Almdudler gibt es auch hier im Getränkemarkt, (alkoholfreies) Weizenbier und irgendwo haben wir noch eine Flasche Marillenschnaps, die wir noch gar nicht geöffnet haben, weil solche Sachen sonst nur im Urlaub schmecken, wenn überhaupt…), die Webcams aus dem Urlaubsort anklicken und ein bisschen so tun als wäre man dort.

Ins Theater oder Konzert gehen, ohne das Haus zu verlassen: Die Metropolitan Opera in New York streamt jeden Abend eine andere Aufzeichnung von vergangenen Aufführungen. Die Hamburger Elbphilharmonie zeigt unter #ElphiAtHome virtuelle Hausführungen („ZuHausführungen“) und halbstündige Konzerte in kleinen Besetzungen, die aktuell im leeren Großen Saal der Elbphilharmonie von ferngesteuerten Kameras aufgenommen werden. Des Weiteren ist ein regelmäßiges Kinderprogramm geplant.

Und: Der Rolling Stone streamt auf seinem Instagram-Kanal Wohnzimmer-Konzerte. Unter dem Label "In my room" spielen große Stars jeden Montag, Mittwoch und Freitag um 20 Uhr ein kleines Konzert. Wer auftritt, bleibt vorher eine Überraschung. Bisher gab's unter anderem: John Fogarty, Angelique Kidjo,Willie Nelson, und Nicole Atkins.

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