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Existenzbedrohung durch das Coronavirus (Symbolbild).

Selbstständige fürchten um Existenz

Das Coronavirus und die wirtschaftlichen Folgen: Mit klugen Ideen gegen den finanziellen Ruin

  • Tobias Ertmer
    vonTobias Ertmer
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Der Höhepunkt der Corona-Infektionen ist im Kreis Recklinghausen noch nicht erreicht. Im Moment entwickeln sich die Fallzahlen rasant. Und doch gibt es bereits starke Auswirkungen auf die Gesellschaft. Selbstständige und Freiberufler fürchten um ihre Existenz.

  • Die Coronavirus-Infektionen im Kreis Recklinghausen steigen rasant an. 
  • Selbstständige und Freiberufler sind von der Krise betroffen. 
  • Sie fürchten um ihre Existenz.

Welche wirtschaftlichen Folgen eine Krise wie die aktuelle Corona-Pandemie haben kann, lässt sich an Italien ablesen. Hier rechnen Experten mit einem Rückgang der Konjunktur auf bis zu minus drei Prozent. Die Börsen reagieren ebenfalls, das Weltwirtschaftswachstum könnte sich halbieren. 

Doch auch im Kleinen spiegelt sich die Coronavirus-Krise wider: So haben aktuell die zahlreichen Absagen von Veranstaltungen im Kreis Recklinghausen große Auswirkungen auf Selbstständige, Kleinunternehmen, Künstler, Gastronomen und Freiberufler aus der Region. 

Coronavirus: Circus Roncalli fürchtet um Existenz

Nach der Absage für den Circus Roncalli schrieb Zirkuschef Bernhard Paul einen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, in dem er um finanzielle Hilfe bittet: „Wir bringen Freude, Entspannung und Kultur für die ganze Familie in die Städte. Reisen seit 43 Jahren durch Deutschland und haben noch nie einen Euro Subvention, Unterstützung oder Steuererleichterung erhalten. Wir zahlen seit zig Jahren pünktlich unsere Steuern in Deutschland und waren immer korrekt. Haben den tierfreien Zirkus erfunden, haben als erster Zirkus schon vor drei Jahren auf plastikfrei umgestellt. Es wäre eine Schande, wenn wir jetzt unverschuldet vor die Hunde gehen.“ 

Die Schausteller der Palmkirmes müssen ebenfalls mit existenzgefährdenden Ausfällen klarkommen: „Liebe Kirmes Fans, leider müssen wir euch schweren Herzens mitteilen, dass die diesjährige Palmkirmes aufgrund des Coronavirus abgesagt wurde. Natürlich bangen wir mit den Schaustellern unserer Kirmes und hoffen, dass wir uns wie gewohnt im nächsten Jahr wiedersehen“, so die Veranstalter. 

Kulturvolksfest in Recklinghausen abgesagt

Am Donnerstag (12.3.) dann die Absage für das Kulturvolksfest am 1. Mai in Recklinghausen: Hierhin kommen normalerweise zehntausende Besucher, die essen und trinken, Künstler und Gaukler sehen und an Ständen einkaufen wollen. 

Auch hier hat das Coronavirus Folgen für den Kundenverkehr: Eine Sparkasse in Dortmund.

Das alles fällt nun erst einmal aus. Wegen des Coronavirus. Hildegard Müller, Präsidentin der deutschen Automobilindustrie, hat in einem Beitrag für das Handelsblatt geschrieben: „Das Coronavirus bedeutet für jeden Einzelnen, für die Staatengemeinschaft und nicht zuletzt für die Wirtschaft eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte.“ Und Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, schreibt: „Mit der Verbreitung des Virus wird nun ein wirtschaftlicher Schaden für Europa und Deutschland unausweichlich sein.“ Das heißt, dass gerade jetzt auch die Solidargemeinschaft gefordert ist, füreinander einzustehen. Das bedeutet auch, über die Folgen des eigenen Tuns nachzudenken: Was passiert, wenn ich meine Karte für eine Veranstaltung zurückgebe und das Geld einfordere? 

Recklinghausen: Tickets in Gutscheine umwandeln statt umzutauschen

Diese Fragen werfen auch Selbstständige aus dem Kreis Recklinghausen auf: Patrick Musial, Buchhändler und Veranstalter aus Recklinghausen, hat eine Idee aus dem Netz aufgegriffen. „Wie wäre es, wenn wir die Tickets für nicht stattfindende Veranstaltungen gegen Gutscheine tauschten und uns nicht das Geld auszahlen ließen? Damit stützen wir z. B. die gebeutelten 'kleineren', aber so wichtigen Veranstalterinnen und Veranstalter“, fragt er auf Facebook. Und erhält Unterstützung. Auch beim Circus Roncalli strebt man so eine Lösung an: Alle Tickets bleiben gültig und können an hoffentlich bald folgenden Alternativterminen genutzt werden. 

Mareike Graepel, Journalistin und Buchautorin aus Haltern am See, fordert dazu auf, Tickets für Veranstaltungen nicht sofort zurückzugeben: „Bitte behaltet Tickets für Theaterstücke, Circusvorstellungen, Konzerte und besucht die Veranstaltungen, wenn diese verwirrende Zeit vorbei ist!!! Das tue ich auch, obwohl ich das Geld davon gut gebrauchen könnte.“ 

Veranstaltung wegen Corona abgesagt: Rechte der Ticketinhaber

Das Problem für viele Künstler und Freiberufler: Durch den Wegfall von Veranstaltungen gibt es keine Einnahmen – die Kosten aber bleiben bestehen. Unter dem Titel „HILFEN FÜR FREIBERUFLER UND KÜNSTLER WÄHREND DES "CORONA-SHUTDOWNS"“ wurde daher auch schon eine Petition im Internet erstellt, die bereits von 43.000 Menschen unterstützt wird. 

Welche Möglichkeiten gibt es noch für Selbstständige?

Müssen Selbstständige in Quarantäne, können sie ebenfalls häufig keine Aufträge annehmen. In solchen Fällen sieht das Infektionsschutzgesetz sogar Hilfen vom Staat vor: „Wer auf Grund dieses Gesetzes als Ausscheider, Ansteckungsverdächtiger, Krankheitsverdächtiger oder als sonstiger Träger von Krankheitserregern im Sinne von § 31 Satz 2 Verboten in der Ausübung seiner bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegt oder unterworfen wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet, erhält eine Entschädigung in Geld.“ Dabei geht die zuständige Behörde von dem Gewinn aus, der im Steuerbescheid für das letzte Kalenderjahr festgestellt wurde. 

Wer dann dennoch erkrankt, hat auch ein Anrecht auf Krankengeld. Zudem gibt es auch bei der eigenen Krankenversicherung die Möglichkeit, sich entsprechend zu versichern – Privatversicherte haben oft ein Krankentagegeld vereinbart. Wer freiwillig versichert ist, erhält frühestens nach zwei Wochen ein Tagegeld. Dann ist auch meistens eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden. Die wirtschaftlichen Folgen werden die Gesellschaft aber noch länger beschäftigen.

Auch die Influencerin sinakatarina aus Marl ist vom Coronavirus direkt betroffen. 

Tobias Ertmer

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