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Keine Termine, und trotzdem noch Humor haben? Mit Musik geht das wenigstens ein bisschen...

Blog von Mareike Graepel

Mitten im Corona-Chaos: Das tägliche Tagebuch zum Ausnahme-Zustand – Teil 7

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Das Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

  • Das Coronavirus hat auch den Kreis Recklinghausen fest im Griff.
  • Kitas und Schulen sind geschlossen.
  • Mareike Graepel bloggt aus ihrem daraus resultierenden Familien-Alltag.

Fünf Wochen keine Schule, keine Kita, keine Betreuung durch sonst so dankbar eingesetzte Großeltern – und für viele Eltern noch dazu die neue Arbeitssituation: Home Office.

Wie kompatibel sind Nachwuchs und Job? Was macht man mit den Kindern den ganzen Tag, wenn Schulaufgaben und vorgegebene Ideen abgearbeitet sind, man aber nicht schwimmen oder ins Kino gehen kann?

Alle Hobbys sind abgesagt. Der ganze Alltag ist abgesagt. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein tägliches Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

Coronavirus: Isolation geht mit einem unwirklichen Gefühl einher

„Mama. Mama. Mamaaaaa. Ma-maaaaa.“ Und irgendwann wird meine Rolle angesprochen, werde ich gerufen, als müsste da noch ein R am Ende sein, mindestens eins, vielleicht sogar mehr, damit es ein quengelndes Knurren wird. „Mamaaaaar. Maaaaaamaaarrrrrrrrr.“ Ich höre auf zu tippen und gucke nach rechts auf den Schreibtisch neben meinem, aber mein Blick ist nicht ehrlich, nicht richtig fokussiert.

Man, es hat mich zehn Minuten gekostet, mich in meine Notizen einzulesen und das Interview mit der jungen Frau, die für ONE arbeitet und sich für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt einsetzt, in dem sie Politiker*innen in Sachen Entwicklungshilfe beeinflusst, wieder in meinem Gedächtnis aufzurufen. Ich gucke rüber und sage halbherzig: „Was denn?“ Meine kleine Tochter sagt wahlweise: „Guck mal, dieses Bild habe ich für meine Lehrerinnen gemalt, das ist die Sternchenaufgabe zu Ostern.“ Oder: „Das ist ein Luxuszuhause für den Hasen.“ Oder: „Ich habe Kopfschmerzen und Bauchschmerzen.“ Ich horche auf. Das war gestern Abend schon so und das Kind hat viel Nähe eingefordert. Zu Recht. Geht doch die Isolation mit einem so unwirklichen Gefühl einher, das auch für uns Erwachsene nur schwer begreifbar ist.

Corona-Krise: Homeschooling-Tipps

Ich lasse das Interview links liegen, das kann ich auch später noch tippen, wenn die Kinder selbst bei schönstem Wetter nachmittags fernsehen dürfen. (Einmal, als Alva ein Baby war und ich immer und so oft es ging mit ihr spazieren gehen wollte, gab es einen besonders sonnigen Tag, an dem es mir aber gar nicht gut ging – ich glaube, ich hatte Magen-Darm – und ich stand am Fenster und quälte mich: Sauerstoff und Sonnenlicht ist gut fürs Baby, aber ich bin so schlapp und fühl mich schlecht – was tun? Da gab mir meine Schwiegermutter einen guten Rat: „Tu so, als ob es regne!“ Und: „Das Baby weiß nicht, dass es draußen gerade nicht schüttet.“ Dar war ein guter Trick. Vorhänge zu. Auf bessere Situationen warten. Die Sonne wird auch an anderen Tagen wieder scheinen.)

Jetzt ist es gerade wichtiger, zu erklären, warum manche Bauchschmerzen so unbestimmt sind, und was wir alle fühlen – Orla hatte am Wochenende Videochats mit ihren Freundinnen, das war ganz toll. Hat aber die Einsamkeit danach noch ein bisschen einsamer gemacht. Und ihr Herz ein bisschen sehr viel schwerer, und meins gleich mit. Heute versuchen wir wieder ein bisschen in den Homeschooling-Alltag zu finden. Es gab in der letzten Woche Tipps von der Bezirksregierung Münster, die das ein bisschen einfacher machen.

  • Wir Eltern müssen nicht zu Lehrkräften mutieren (soll heißen: Erwartungen runterschrauben ist in Ordnung!).
  • Wir sollten dem Tag eine Struktur geben (= Homeoffice so überhaupt erst möglich machen, denn dann hat jeder klare Zeitvorgaben).
  • Die Aufgaben mit den Kindern sinnvoll besprechen (sonst droht Frust und/oder Langeweile). 
  • Abwechslung zwischen neu zu lernenden Dingen (unter anderem wie digitales Lernen funktioniert) und Wiederholungen zu Vertiefung von bereits Erarbeitetem schaffen. 
  • Vokabeln auf verschiedene Tage verteilen: Jeden Tag nicht mehr als 35 pro Tag, und kleine Pausen dabei nicht vergessen! 
  • Konflikte nicht verdrängen oder ignorieren: Den Umgang mit den Hindernissen gemeinsam üben. Und wenn man selbst mal etwas nicht versteht: Macht nichts. Im Zweifel das Kind im Internet üben lassen oder die Lehrer*innen um Rat fragen. 
  • Ganz wichtig: Wir sollten alle auch die geschenkte Zeit genießen, und zwischendurch einfach mal mit Legosteinen bauen, Bilder malen, Waffeln an einem ganz stinknormalen Dienstag backen.

Und ich verrate Ihnen noch was: Manchmal tue ich auch heute noch so, als ob es gerade draußen regnet. Irgendwann scheint wieder die Sonne, und wir können alle rausgehen. Zusammen. Irgendwann.

Weitere Infos:

Die Top 5 der Homeoffice-Tipps der Woche:

1. Nicht erst aufräumen, bevor man mit der Arbeit beginnt. Das geht auch später! Und fühlt sicher besser an, wenn man schon was geschafft hat. 

2. Ablenkung ablenken: Alles, was nicht mit Arbeit zu tun hat, wird auf einen Memo-Zettel geschrieben und erst in den Pausen oder nachmittags erledigt (das gilt für „Oma anrufen“ ebenso wie „Wäsche aufhängen“). Ausnahme: Die Kinder haben ernste Sorgen oder der Hund muss pinkeln.

3. Bei störenden Nebengeräuschen: Silikon-Ohrstöpsel aus Apotheke oder Drogerie. Oder die Lieblingsmusik über Kopfhörer hören, so laut es ohne Tinnitus-Risiko geht

4. Belohnungen: Wenn niemand da ist, der ihnen gut zuredet, verwöhnen Sie sich mit Schokolade, einem besonders leckeren Kaffee oder schreiben Sie einen Liebesbrief.

5. Machen Sie Pausen fernab des Bildschirms, sonst shoppen Sie hinterher unnötiges Zeugs im Netz oder lesen Quatsch online. Nehmen Sie ein Buch, oder gehen Sie kurz in den Garten oder auf den Balkon.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht:

Hier ist unsere nicht ganz ernstzunehmende Quarantäne-Playlist für die alberne Pause zwischendurch… 

1. Don’t stand so close to me - The Police

2. Stuck in a moment you can’t get out of - U2 

3. Touch-a, touch-a, touch-me - Susan Sarandon (aus: Rocky Horror Picture Show)

4. U can’t touch this - MC Hammer

5. Invisible Touch - Genesis

6. Where do You think You’re going - Dire Straits

7. Let’s Stay Together - Al Green

8. Zusammen - Die Fantastischen Vier

9. Just the two of us – Grover Washington Jr feat. Bill Withers

10. So lonely - The Police

Hier geht es zu den anderen Tagebuch-Einträgen:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

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