Datendiebstahl

Auch Abgeordnete aus dem Vest betroffen

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KREIS RE / BERLIN - Frank Schwabes Fazit ist deprimierend, aber nicht neu: „Es gibt keine sicheren Daten in dieser digitalen Welt. Darüber muss sich jeder im Klaren sein.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Castrop-Rauxel ist einer von Hunderten Politikern und Prominenten, von denen bereits seit Monaten teils sehr sensible Daten im Internet zugänglich gemacht worden waren.

Schwabe hatte Glück im Unglück: Wie auch bei Michael Groß (SPD/Marl) und der früheren CDU-MdB Rita Stockhofe (Haltern) wurde nichts zu Persönliches ins Netz gestellt: Alle sind mit ihrer Handy-Nummer vertreten, Schwabe auch mit E-Mail und Telefonnummer der Eltern. Alle drei sehen deshalb keinen Anlass für persönliche Konsequenzen, betroffen sind sie aber allemal: „Es ist schlimm, wenn persönliche Daten in falsche Hände geraten“, ärgert sich Stockhofe im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich bin nur froh, dass die persönlichen Anliegen, mit denen sich die Menschen aus meinem Wahlkreis an mich gerichtet haben, nicht im Internet gelandet sind.“ Denn im Gegensatz zu den Politikern aus dem Kreis Recklinghausen (außerdem betroffen: Michael Hübner, SPD Gladbeck, Lisa Kapteinat SPD Castrop-Rauxel und Oliver Wittke, CDU Gelsenkirchen) wurden bei anderen sehr sensible Daten veröffentlicht: Chat-Verläufe, Kontonummern, Rechnungen oder gar Sprachnachrichten von Ehepartnern.

Vermutlich mehrere Täter

Wer dahinter steckt, ist noch unbekannt, Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik gehen davon aus, dass es kein einzelner Hacker-Angriff auf den Bundestag war, sondern dass mehrere Personen gezielt die privaten Internet-Aktivitäten der Betroffenen abgegriffen haben: bei Facebook & Co., in Internetauftritten oder Clouddiensten.

Die Suche nach den Tätern läuft auf Hochtouren. Frank Schwabe würde es nicht wundern, wenn dabei der rechte Rand der Gesellschaft in den Fokus der Ermittlungen rückt: „Es ist schon auffällig, dass besonders viele Leute betroffen sind, die sich kritisch mit rechten Aktivitäten auseinandersetzen“, formuliert der SPD-Politiker vorsichtig.

Nur die AfD fehlt

Auffällig ist: Unter den Betroffenen findet sich kein einziger AfD-Politiker, dagegen 410 Abgeordnete der Union aus Bundestag, EU-Parlament und Landtagen, 230 SPD-Politiker, 106 Grüne, 91 Linke und 28 FDP-Politiker. Dabei sind einige der Daten noch ganz frisch, stammen aus dem November 2018. Unter den Prominenten sind auch Schauspieler Til Schweiger sowie Kabarettisten und Journalisten, die sich kritisch mit rechtsextremen Tendenzen auseinandersetzen.

Für Michael Groß ist der neue Skandal ein mächtiger Weckruf: „Der Staat muss die Bürger und ihre Daten endlich besser schützen.“ Wie das gehen soll weiß der Marler allerdings noch nicht. Nur eins: „Ständig die Passwörter zu wechseln, kann doch keine Lösung sein“. Genau das aber empfehlen die Sicherheitsexperten an erster Stelle – neben einer Zweifaktor-Autentifizierung.

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