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Das Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer.

Ärzte stehen vor Rätsel

Auch in Datteln wurde Kind mit missgebildeter Hand geboren - jetzt schaltet sich das Ministerium ein

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Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium will alle Kliniken im Land abfragen.

Update 15. September, 11.15 Uhr: Nach der ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen im nördlichen Ruhrgebiet will sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium einen genaueren Überblick verschaffen. Das Ministerium werde alle Klinken in dem Bundesland abfragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien, sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Behörde. Man nehme die Berichte über solche Fälle "sehr ernst". "Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen." Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prüfen, sagte die Sprecherin des Landesministeriums, das von dem CDU-Politiker Karl-Josef Laumann (CDU) geführt wird.


Update 17.56 Uhr: Auch in Dorsten soll es im Frühjahr zu einem ähnlichen Fall gekommen sein. Das berichtet die WAZ in ihrer Online-Ausgabe. 

Kind in Datteln mit missgebildeter Hand geboren

Update 17:23 Uhr: Auch in Datteln soll im im Sommer ein Kind mit missgebildeter Hand zur Welt gekommen sein - es handelte sich nach Angaben der Vestischen Kinder- und Jugendklinik um die gleiche Fehlbildung, wie sie bereits in Gelsenkirchen aufgetreten sein soll. 

Professorin Claudia Roll, Chefärztin der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln berichtet auf Nachfrage, dass ein Fall "zwar traurig, aber unauffällig" wäre. Aber: "Vier Fälle in so kurzer Zeit, das ist schon verdächtig“, findet Roll, die über das Dattelner Baby aus Datenschutzgründen nicht mehr sagen will. 

Nun sei es wichtig, herauszufinden, wo weitere Fälle in NRW aufgetreten sind. Dahinter stecken könnten Medikamente, Umweltgifte oder auch Virusinfektionen. 

Ungewöhnliche Häufung von Handfehlbildungen bei Babys in Gelsenkirchener Krankenhaus

Im Sankt Marien-Hospital Buer  waren zwischen Juni und Anfang September drei betroffene Kinder auf die Welt gekommen, wie die Klinik in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage mitteilte. "Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig."

Fehlbildungen waren bisher eher selten in Gelsenkirchen zu sehen

Fehlbildungen dieser Art habe man in der Klinik viele Jahre nicht gesehen, hieß es. Hebammenvertreterinnen hatten auf die Fälle aufmerksam gemacht, mehrere Medien berichteten.

Statistisch würden etwa 1 bis 2 Prozent aller Neugeborenen mit einer Fehlbildung unterschiedlicher Ausprägung geboren, wie die Gelsenkirchener Mediziner erläuterten. Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft unter anderem durch Infektionen auftreten, seien insgesamt aber selten.

Der entscheidende Entwicklungszeitraum liege sehr früh in der Schwangerschaft, zwischen dem 24. und 36. Entwicklungstag nach der Befruchtung der Eizelle, wie das Sankt Marien-Hospitals Buer schreibt. "Eine ebenfalls mögliche Ursache ist das Abschnüren von Extremitäten durch Amnionbänder oder Nabelschnurumschlingungen während der Schwangerschaft im Mutterleib, was zu einer verminderten Weiterentwicklung der betroffenen Extremität führt."

Keine Gemeinsamkeiten zu erkennen

Man konnte keine ethnischen, kulturellen oder sozialen  Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen. Alle Familien wohnten im lokalen Umfeld. Ein Arzt werde die Fälle weiter in den regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren.

dpa

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