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Friedhelm Witt (r.) gibt Karsten Koesfeld in den Recklinghäuser Werkstätten Tipps. Witt arbeitet jetzt als Reha-Assistent bei der Diakonie im Kirchenkreis.

Diakonie

Sozialer Arbeitsmarkt ist erfolgreich gestartet

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Kreis RE - Im Kreis gibt es bereits 188 Stellen auf dem im November 2018 neu geschaffenen Sozialen Arbeitsmarkt. Eine davon hat Friedhelm Witt.

Als Friedhelm Witt seinen Vertrag als Reha-Assistent bei der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen unterschrieben hat, ist er „vor Freude beinahe geplatzt“: Endlich eine sozialversicherungspflichtige, nach Tarif entlohnte Stelle – verbunden mit dem guten Gefühl, wieder mehr dazuzugehören. Und vor allem „macht es mir ja auch Spaß, Menschen mit Behinderungen etwas beizubringen und mit ihnen zu arbeiten“, sagt der 62-Jährige.

Der Recklinghäuser hat seinen Job auf dem neu geschaffenen Sozialen Arbeitsmarkt gefunden. Dieser beruht auf einem im November 2018 verabschiedeten Gesetz der Bundesregierung zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit. Diese Förderung unterscheidet sich von früheren, häufig eher kurzfristig angelegten Instrumenten und Programmen unter anderem durch die Dauer (bis zu fünf Jahre) und die Höhe (bis zu 100 Prozent) – außerdem können sämtliche Arbeitgeber einbezogen werden, also auch ganz normale Industrieunternehmen.

Für den Sozialen Arbeitsmarkt erwartet das Jobcenter Kreis Recklinghausen in diesem Jahr 13 Millionen Euro an Eingliederungsmitteln zusätzlich vom Bund. Mit dieser Summe könnten mindestens 500 Stellen gefördert werden. 188 gibt es schon jetzt, sagt Nora Janzen (Teamleitung Jobcenter Kreis RE): „158 bei Trägern und Wohlfahrtsverbänden, 20 in den Kommunen und zehn in der freien Wirtschaft.“ Damit sei man „extrem zufrieden“. „Das ist ein sehr guter Start“, sagt auch Patrick Hundt (Leiter Markt und Integration des Jobcenters Kreis RE).

21 Frauen und Männer hat alleine die Diakonie über den Sozialen Arbeitsmarkt eingestellt. Sie arbeiten als Assistenten in der Haustechnik oder -wirtschaft, als Bürogehilfen oder Fahrer.

„Win-win-Situation stellt sich nicht sofort ein“

Christa Stüve ist die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis. Sie findet es gut, dass diese 21 Teilnehmer sich im Rahmen ihrer ja längerfristig angelegten Tätigkeit beruflich stabilisieren und so hoffentlich eine echte Perspektive für ihr Leben entwickeln können. „Gleichzeitig sind wir durch sie in der Lage, den Menschen mit Unterstützungsbedarf mehr zu bieten, um die wir uns kümmern – also den älteren oder denen mit Behinderung.“

Witt etwa begleitet Menschen mit Behinderung während ihrer beruflichen Bildungsmaßnahme: Er fährt sie zu anderen Werkstätten, hilft ihnen im Arbeitsalltag – aktuell beispielsweise bei der Pflege der Diakonie-Autos – und unterstützt sie dabei, selbstständiger zu werden – etwa über ein individuelles Fahrstuhl- oder Busfahrtraining. „Das ist wichtig, aber für unsere Mitarbeiter angesichts der begrenzten Zeit sonst kaum zu leisten“, so Stüve.

Die neuen Stellen können bis zu fünf Jahre gefördert werden

Witt ist gelernter Maurer, arbeitete einige Jahre als Lkw-Fahrer. Dann wurde er zum Langzeitarbeitslosen – auch wegen einer kaputten Hüfte und einer mittlerweile 50-prozentigen Schwerbehinderung. Erfahrungen in der Arbeit mit behinderten Menschen hat Witt zuletzt als Mobilitätsassistent im auf zwei Jahre befristeten Programm „soziale Teilhabe“ gesammelt. Jetzt, als Reha-Assistent, hat er ein viel breiteres Aufgabengebiet. „Diese neue, erweiterte Tätigkeit hätten wir früher nicht fördern können“, erläutert Hundt. Aber jetzt, da es den Sozialen Arbeitsmarkt gibt, schon.

Die neuen Stellen können bis zu fünf Jahre gefördert werden, zunächst zu 100 Prozent, am Ende dann noch zu 70 Prozent. Das klingt auch für die Arbeitgeber attraktiv. „Stimmt“, sagt Stüve. „Aber die Win-win-Situation stellt sich meistens nicht sofort ein.“ Es habe schließlich Gründe, wenn jemand sehr lange arbeitslos gewesen sei. Deshalb müssten die Teilnehmer in der Anfangsphase gut begleitet werden.

Sozialer Arbeitsmarkt

Die Jobcenter in den kreisangehörigen Städten wählen die Kandidaten aus, die für den Sozialen Arbeitsmarkt infrage kommen. Bewerber müssen mindestens sechs Jahre Hartz IV bezogen haben. -Für Qualifizierungen können dem jeweiligen Arbeitgeber 3000 Euro je Förderfall erstatt werden. Auch der Coach, der die ehemals Langzeitarbeitslosen sozialpädagogisch unterstützen soll, wird bezahlt. -Altbekannte Förder-Kriterien wie Zusätzlichkeit, öffentliches Interesse und Wettbewerbsneutralität spielen bei den Jobs auf dem Sozialen Arbeitsmarkt keine Rolle. -Zur Einordnung: Das Jobcenter hofft auf 500 bis 700 neue Stellen. Tatsächlich sind im Kreis RE über 50.000 erwerbsfähige Hartz-IV-Empfänger registriert. -Wer eine Stelle sucht oder anbieten möchte, kann sich an Nora Janzen (Jobcenter Kreis RE) wenden: ( 0 23 61 / 30 67 162 oder nora.janzen@vestische-arbeit.de

Aber das ist ja auch so vorgesehen. Denn die Langzeitarbeitslosen werden zunächst in „Vorschaltmaßnahmen“ auf ein geregeltes Arbeitsleben vorbereitet. Dafür ist eine Trägergemeinschaft zuständig, zu der auch die Diakonie gehört. Und auch bei ihrer Arbeit werden die Teilnehmer jeweils von einem Coach sozialpädagogisch begleitet. Im Falle der Diakonie kommen die Pädagogen aus dem eigenen Haus, aus der Umwelt-Werkstatt.

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