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Verkäufer Werner Nagel vom Autohaus Tiemeyer hat noch einige gebrauchte Diesel auf Lager. Unter den Neuwagen findet man Dieselfahrzeuge allerdings kaum noch.

Dieselskandal

HickHack nervt Autohändler

MARL - Marler Autohändler wollen endlich Klarheit beim ganzen Diesel-Hickhack.

Im Verkaufsraum des Autohauses Wolf an der Schweriner Straße kommen im Radio gerade die Nachrichten. Der Sprecher meldet, dass es laut Bundeskanzlerin Angela Merkel in bis zu 50 deutschen Städten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geben könnte. Welche Städte davon wann betroffen sein könnten, wird nicht verraten. In der Diesel-Debatte ist es unter anderem diese Ungewissheit, die Marler Autohändler nervt. „Die Politik soll endlich mal eine Entscheidung treffen“, fordert Kai Amtenbrink, Verkaufsberater beim Jaguar-Händler Wolf. Der Diesel-Anteil beim Absatz seines Arbeitgebers liegt nach Angaben von Amtenbrink ungefähr bei 90 Prozent. „Unsere großen Fahrzeuge wie Range Rover und Land Rover haben überwiegend Dieselmotoren. Das Hauptargument für den Kunden ist nach wie vor der geringe Verbrauch“, sagt Kai Amtenbrink.

Bei Mercedes Lueg führt Verkäufer Michael Mertes jeden Tag aufs Neue Diskussionen mit Kunden, wenn es um Diesel geht. „Die Politik muss endlich diesen Hickhack beenden und aufhören, zu polemisieren. Seit drei Jahren wird diese Debatte jetzt geführt, davon seit eineinhalb Jahren besonders intensiv. Und was ist seitdem passiert? Nichts.“ Die Konsequenzen auszubaden haben zum Großteil die Händler. Privatkunden kaufen durchaus weniger Dieselautos in Marl. Für Michael Mertes lassen sich Politiker das Thema von Experten erklären, um es dann in eigener Interpretation weiterzugeben. Klassische Dieselfahrzeuge bei Mercedes sind weiterhin die Limousinen und Kombis der C- und E-Klasse. Diesel und Kombis seien vor allem in Deutschland beliebt, im Rest der Welt laut Mertes dagegen weniger.

Schwierig ist für den Mercedes-Verkäufer jedenfalls, Kunden die Sorge vor der Diesel-Zukunft zu nehmen. „Das ist kaum möglich“, sagt Mertes. „Was sollen aber Leute machen, die jährlich 40.000 Kilometer fahren?“, spricht Mertes auf die immer noch vorhandenen Vorteile eines Dieselfahrzeugs an. Über die möglichen Alternativen sagt der Verkäufer: „2017 haben wir Hybrid-Autos gut verkauft, 2018 allerdings weniger. Das liegt daran, dass hier noch Zertifizierungen ausstehen.“ VW-Verkäufer Werner Nagel vom Autohaus Tiemeyer sieht die Ursache der Kundenverunsicherung ebenfalls als Regierungsproblem. Die Konsequenzen sind deutlich: Unter den Neufahrzeugen im Verkaufsraum an der Rostocker Straße sucht man Diesel vergeblich. Bei den Gebrauchtwagen wird man aber noch fündig. „Die Frage nach einem neuen Diesel ist eine Zwickmühle. Dazu werden viele verschiedene Rechnungen aufgemacht“, sagt Nagel. Wer jährlich über 20.000 Kilometer fährt, sollte einen Diesel aber durchaus in Erwägung ziehen. Bei der Entwicklung von E-Autos hängt Deutschland dem Rest der Welt laut Werner Nagel hinterher: „Mit einer Reichweite von 300 Kilometern kommt man nicht weit.“

Bei Skoda Borgmann ist das Dieselgeschäft mit Privatkunden laut Verkäufer Norman Spanier rückläufig, auf das Modell Octavia als klassisches „Vertreterauto“ greifen Firmen auch als Diesel aber weiterhin gerne zu. „Kunden wird in den Medien unnötig Angst gemacht. Die muss der Handel den Kunden wieder nehmen“, sagt Spanier. Konsequenter geht es bei Toyota zu. Im Hülser Autohaus Glückauf setzt man voll auf Hybrid. „Wir bieten nur noch zwei Dieselmodelle an. Der Markt dafür ist für uns komplett weggebrochen“, sagt Filialleiter Stefan Roth.

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