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Im „Internet of Things“, dem „Internet der Dinge“, spielen solche Sensoren/Sender eine zentrale Rolle – in auf die jeweilige Anwendung zugeschnittene Gehäuse verbaut, sammeln sie Daten und leiten sie in kleinen Paketen weiter.

Digitalisierungsprojekt

Barcelona ist beim Thema Digitalisierung Vorbild für die Emscher-Lippe-Region

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Kreis RE - Digitalisierung konkret: Frei verfügbares Funknetzwerk soll Daten liefern, um Städte lebenswert zu gestalten und die Umwelt zu schonen.

Immer lauter wird der Ruf, dass Deutschland bei der Digitalisierung mehr tun muss. Geht es um das „Wie“, wird der Chor leiser. Das Digitalisierungsprojekt „Emscher-Lippe-Things.net“ setzt ein Ausrufezeichen in der Diskussion: Der Titel klingt sperrig, steht tatsächlich aber für eine Initiative mit bestechend einfacher Grundidee: Bürger erfassen in ihrem Umfeld mit Sensoren Messwerte aus allen möglichen Lebensbereichen, die in eine öffentliche, frei verfügbare Datensammlung als fundierte Basis für Entscheidungen einfließen – z.B. in der Stadtentwicklungsplanung, im Umweltschutz. Klingt abenteuerlich? In Barcelona funktioniert seit Jahren, was im Kreis RE anläuft.

Später mehr zur spanischen Metropole, erst einmal zur Kernbotschaft von „Emscher-Lippe-Things.net“: Jeder kann sich einbringen (s. Info). Die Technik im Hintergrund ist komplex, die konkrete Anwendung einfach. Vorangetrieben wird das Projekt im Rahmen der Digitalisierungsinitiative „Umbau 21“ von den IT-Spezialisten „ISTplanbar GmbH“ in Recklinghausen – und dem Evangelischen Kirchenkreis RE.

Kirche als Vorreiter der Digitalisierung?

Kirche als Vorreiter der Digitalisierung? „Aber ja. Digitale Technik muss zum Nutzen der Menschen angewandt werden, da möchten wir mitreden“, sagt Pfarrer Dr. Hans Hubbertz, der als langjähriger Industrie- und Sozialpfarrer jüngst die Aufgabe „Gesellschaftliche Verantwortung“ in den Kirchenkreisen Gladbeck-Bottrop-Dorsten und RE übernommen hat – es ist ein „Vorausdenker“-Job. „Wenn man über das ,Internet der Dinge’ spricht, ist der große Punkt, die öffentliche Daseinsfürsorge zu erhalten, den Menschen Werkzeuge in die Hand zu geben, wenn es zum Beispiel um Lärm oder Abgase geht, um Natur- und Umweltschutz, die Schonung von Ressourcen wie Wasser.“

Als Hubbertz das am Dienstag sagt, steht ein Ortstermin im Terminplan – auf dem Dach des Knappschaftskrankenhauses. In der Ferne ist die Schalke-Arena zu erkennen, das Steag-Kraftwerk, die Halde Hoheward… Das Klinik-Dach ist der topografisch höchste Ort im Vest, Hubbertz hält eine Antenne in der Hand, die Messdaten vieler tausend Sensoren aus Stadt und Region empfangen könnte. Ganz praktisch ist ein weiteres Exemplar oben auf dem Klinikum Vest schon seit Anfang des Jahres am Netz. Um es deutlich zu sagen: Diese Antenne erzeugt keine Strahlung, sie empfängt Signale, die von Sensoren kommen, die energetisch unter dem Rauschpegel liegen. Jedes Klinikbesucher-Handy macht mehr Rabbatz.

Die Sensoren haben auf dem platten Land eine Reichweite von vielleicht 40, 50 Kilometern. In dichter Bebauung sinkt sie auf drei oder vier Kilometer. Noch ist die Zahl der Messsensoren in Bürgerhand übersichtlich und es müssen auch noch mehr Funkknotenpunkte her – all das soll sich rasch ändern, dafür sucht Hubbertz weitere „hohe“ Standorte. Kirchtürme wären gut, da schließt sich ein Kreis.

Anders als profitorientierte „große Spieler“, die in der digitalisierten Welt eifersüchtig „ihre“ jeweils gesammelten Daten hüten, ist „Emscher-Lippe-Things.net“ bewusst transparent und für jeden zugänglich angelegt.

Offene Zugänge, kostengünstig, für alle nutzbar

-Das NRW-Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie fördert „Emscher-Lippe-Things.net“. Ein Ziel ist, mit digitaler Technik langfristig Kosten zu sparen. -Zum „LoRaWAN“ (Long Range Wide Area Network): Sensor-Messdaten werden über Funkknotenpunkte (Empfängerantennen) zusammengeführt. Die Daten werden z.B. im Internet öffentlich verfügbar gemacht. Die von Sensoren sporadisch gesendeten Datenpakete sind klein (keine Echtzeit-Messung), es entsteht keine Strahlenbelastung. Die Laufzeit der verbrauchsarmen batteriebetriebenen Sensoren beträgt bis zu zehn Jahre. Die Übertragung ist verschlüsselt, der Datenschutz gewährleistet. -Die Kosten sind niedrig, Funkknoten (Antennen) sind für ca. 500 Euro zu haben, Sensoren kosten um die 70 Euro. -Die Liste möglicher Anwendungen ist lang: Feinstaub- und Lärmmessung, Wetterdatenerfassung, Diebstahlsicherung, Temperatur-/ Feuchtigkeitsmessungen in Gebäuden, Mülleimerfüllstanderfassung, Parkplatzmanagement, Verkehrszählung, Pflanzen- und Grünflächenmanagement…

Das ist auch bei Barcelonas digitaler Bürgerbeteiligung ohne Telekommunikationsriesen der Fall: Der Touristenmagnet lockt jährlich 30 Millionen Besucher an, 30 Millionen nutzen allein die U-Bahn. Dass die Infrastruktur nicht kollabiert, Öffentlicher Nahverkehr und Müllmanagement funktionieren, Grünflächen wassersparender gepflegt werden und die Aufenthaltsqualität für Bewohner in den Stadtteilen wieder wächst, resultiert aus Erkenntnissen digitaler Bürgerbeteiligung. Als „Smart-City“ hat Barcelona 2018 ca. 75 Mio. Euro in die Digitalisierung gesteckt. Das Land NRW fördert „Emscher-Lippe-Things. net“ bis November 2020 mit 360.000 Euro.

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