In Dortmund gibt es zwei Crossfit-Boxen

Schnelle Erfolge mit dem neuen Fitnesstrend

Dortmund - Aus den USA hat Deutschland ein neuer Sport erreicht: Crossfit ist eine Mischung aus Gewichtheben, Turnen und Ausdauerübungen. Das Training ist sehr hart. Aber der Erfolg kommt oft schnell.

Sonja Klemt steht in der Mitte der Crossfit-Box Tremonia. Von draußen scheint die Wintersonne durch die bodentiefen Fenster in den Fitnessraum. Vor ihr liegt eine Langhantel, an den Seiten sind Gewichte befestigt. Schwere Gewichte. 17,5 Kilogramm auf jeder Seite. Sie atmet zweimal kräftig ein und aus, dann nimmt sie die Hantel, stemmt sie hoch, in ihren Rücken, geht in die Kniebeuge und langsam, mit leisem Schnaufen wieder hoch. Sie wiederholt das ein paar Mal. Dann lässt sie die Hantel mit einem Wumms auf den schwarzen, weichen Boden fallen.

Trend aus den USA

Das Gewichtheben ist ein wichtiges Element des Sports, den Sonja Klemt seit zweieinhalb Jahren ausübt - seit einem knappen halben Jahr beruflich. Die 25-Jährige ist, gemeinsam mit ihrem Freund Tobias Schmitz (26) und Robin Hillebrand (23) Betreiberin von Crossfit Tremonia, einem von derzeit zwei Crossfit-Anbietern in Dortmund.

Crossfit ist ein angesagter Fitnesstrend. Der Sport kommt - wie so vieles - aus den USA. Er ist in den 90er-Jahren von dem ehemaligen Turner Greg Glassmann entwickelt worden und eine Kombination aus olympischem Gewichtheben, Turnelementen - zum Beispiel Klimmzüge und Ringeturnen - und Ausdauertraining - zum Beispiel Laufen, Rudern, Schwimmen.

Verschiedene Übungen "clever zusammengefügt"

Crossfit sei eine Trainingsform, die dem Hoch-Intensiven Intervalltraining zugeschrieben werden kann, sagt Prof. Dr. Lars Donath, Leiter des Arbeitsbereiches Trainingswissenschaftliche Interventionsforschung am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Sporthochschule Köln. "Die Idee ist, in relativ kurzer Zeit ein sehr funktionelles und kompetitives Training mit unterschiedlichen Schwerpunkten - Maximalkraft, Ausdauer oder deren Mischformen - durchzuführen", sagt er. "Die Übungen gibt es schon lange, sie werden lediglich unter dem Label Crossfit neu und clever ,zusammengefügt'."

In Skandinavien ist Crossfit schon seit vielen Jahren ein Thema, in Deutschland erst seit ein paar Jahren. Das erste Studio - beim Crossfit heißt es Box - hat 2009 eröffnet, Ende Dezember waren es 292 Boxen in Deutschland. Weltweit gibt es 14.500 Boxen.

Die drei Dortmunder von Crossfit Tremonia haben ihre Box Ende August 2017 eröffnet. Mittlerweile haben sie 95 feste Mitglieder und 25 mit einer 10er-Karte. "Wir haben quasi keine Karteileichen", sagt Tobias Schmitz, der noch als technischer Redakteur arbeitet. Vor zweieinhalb Jahren lernte er Crossfit und seine jetzige Freundin Sonja Klemt kennen. Schmitz hat früher Fußball gespielt. Sonja Klemt, Wirtschaftspsychologin, kommt aus dem Handball, Robin Hillebrand, Maschinenbaustudent, aus dem Basketball, er macht schon seit sechs Jahren Crossfit. Alle drei haben ein Zertifikat als Crossfit-Trainer erworben, zudem arbeiten drei weitere Crossfit-Trainer in ihrer Box.

Der ganze Körper wird trainiert

Crossfit ist nicht nur ein Sport, sondern gleichzeitig eine Marke. Wer eine Box eröffnen will, erwirbt eine Lizenz, die 3000 Dollar im Jahr kostet. Für die Trainer-Lizenz zahlen die Anwärter noch einmal 1000 Dollar. Sie absolvieren für das "Level 1"-Zertifikat ein Wochenendseminar. Lars Donath sieht das mit Skepsis. Er sagt: "Besonders kritisch ist hervorzuheben, dass man als unausgebildeter Sportwissenschaftler in kurzer Zeit Lizenzen machen kann. Es besteht die Gefahr der Überbeanspruchung durch mangelnde individuelle Korrekturen oder ein ausschließlich kompetitives Training", sagt er.

"Man zehrt viel von der Erfahrung", sagt Tobias Schmitz. Es brauche aber auch Spezialisten, vor allem beim Gewichtheben, das mit sehr viel Technik verbunden sei. Deshalb hat Robin Hillebrand zusätzlich eine Trainerlizenz für das Gewichtheben.

Das Besondere am Crossfit, sagt Tobias Schmitz, sei, dass es den ganzen Körper trainiere und sowohl Ausdauer als auch Kraft. "Man wird für alle Lebenslagen fit." Lars Donath sagt zu dem Training: "Es ist sehr effektiv im Hinblick auf Wirkung und Zeit. Und es ist sozial, man trainiert in der Regel zusammen."

Jede Übung individuell anpassbar

Die Crossfit-Boxen sind nicht eingerichtet wie normale Fitnessstudios. Es gibt Turngeräte - Ringe und Stangen für Klimmzüge. Es gibt viele Hanteln und Gewichte sowie Ruderergometer. Nicht viel mehr. Die Crossfit-Mitglieder trainieren meistens in Kursen unter Anleitung. Bei Crossfit Tremonia laufen diese ab 6 Uhr morgens. Die Kurse dauern meistens eine Stunde, sie sind immer ähnlich aufgebaut: Aufwärmen, ein Kraftteil mit Übungen aus dem Gewichtheben, dann folgt der Ausdauerteil, "bei dem man sich komplett auspowert", sagt Tobias Schmitz.

Der Ausdauerteil dauert 8 bis 30 Minuten. Entweder werden mehrere Übungen so schnell wie möglich gemacht oder es wird eine Zeit vorgegeben, in der man so viele Wiederholungen wie möglich macht. Meistens werden drei Übungen kombiniert. Ein Beispiel: 1000 Meter Rudern, 50-mal Langhantelschulterdrücken, 30 Klimmzüge. Wer will, kann sich hinterher beim Yoga dehnen. Jede Übung sei individuell anpassbar, sagt Schmitz. Gerade Gewichtheben, sagt er, sei ein sehr unterschätzter Sport.

Auch als Wettkampfsport möglich

Anfänger trainieren in der Regel zweimal die Woche, sagt Schmitz. Man könne das auf bis zu viermal die Woche steigern. "Es ist ein sehr intensiver Sport." Viele Fußball- und Handballmannschaften würden es nutzen. Prinzipiell, sagt Schmitz, könne jeder Crossfit machen. "Man muss nicht jung sein oder besonders sportlich", sagt er. "Es ist perfekt, um fit zu bleiben für den Alltag." Das bestätigt auch Lars Donath. Er rät aber, Crossfit "nur unter geschulter Anleitung machen und maximal zwei-, dreimal die Woche" zu machen. Zudem rät er im Vorfeld zu einem ärztlichen Check.

Wer will, kann Crossfit als Wettkampfsport machen. Es gibt eine Liga und eine Weltmeisterschaft, die Crossfit Games. "Die Leute", sagt Tobias Schmitz, "stoßen täglich an ihre Grenzen. Es ist hart. Aber es kommen alle wieder."

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