Feuerwehr und Polizei im Einsatz in Lütgendortmund
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Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund wurden Waffen und gefährliche Stoffe entdeckt.

Polizei geht vorsichtig vor

Waffen und Sprengstoff in Dortmund: Darum dauert die Durchsuchung der Wohnung so lange

  • Tobias Ertmer
    vonTobias Ertmer
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Auch sechs Tage nach dem ersten Waffenfund in einer Dortmunder Wohnung ist die Durchsuchung noch nicht komplett abgeschlossen. Die Polizei muss vorsichtig sein.

Update, 15.9., 15 Uhr: Sechs Tage dauert die Durchsuchung der Wohnung des 68-jährigen Dortmunders in einem Mehrfamilienhaus jetzt schon an. Und sie ist noch nicht abgeschlossen. Auch am Dienstagmittag waren Spezialisten der Polizei wieder damit beschäftigt, jeden Zentimeter nach gefährlichen Stoffen abzusuchen. Dabei muss mit größter Vorsicht vorgegangen werden.

Polizei bedankt sich für Verständnis der Anwohner

Am vergangenen Sonntag fanden die Einsatzkräfte sogenannte „Eisenbahnknallkapseln“. Diese werden bei Arbeiten an Bahngleisen benutzt, um die Arbeiter vor herannahenden Zügen zu warnen. Sie entwickeln nur eine verhältnismäßig geringe Sprengkraft und wurden zur Sicherheit im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen ausgelöst. Das zeigt aber, wie groß der Umfang der Waffen- und Stoffsammlung des Mannes sein muss. Bei den Anwohnern der Volksgartenstraße bedankt sich die Polizei jetzt schon: „Die Dortmunder Polizei bedankt sich bei den Anwohnerinnen und Anwohner für ihre Geduld.“

Dortmund: Durchsuchung dauert noch die ganze Woche

In Wohnung, Garage und Keller des 68 Jahre alten Mannes waren bei der seit vergangenen Mittwoch laufenden Aktion Waffen, Waffenteile, Sprengstoffe, verdächtige chemische Substanzen und eine Mine entdeckt worden. Die Mine und der Sprengstoff TNT waren auf einem Feld kontrolliert gesprengt worden. Die Arbeitsabläufe seien angesichts der gefährlichen Funde „sehr konzentriert“ und dauerten daher „etwas länger“, erläuterte ein Polizeisprecher. „Man kann nicht einfach mit einer Schüppe durchgehen, es gibt viele Einzelteile. Wir müssen sortiert und sorgsam herangehen, wenn es um sprengbares Material geht.“ Die Durchsuchungen würden mindestens noch die ganze Woche andauern.

Update, 12.9., 11 Uhr:  Am Freitagabend teilte die Dortmunder Polizei mit, dass weiterer Sprengstoff gefunden worden sei. Gegen 21 Uhr hieß es dann, der Sprengstoff sei erfolgreich gesprengt worden - den Ort des Geschehens hielt die Polizei geheim. „Wir sind überrascht worden von der Menge der Dinge, die wir da gefunden haben“, sagte eine Sprecherin. Der 68-jährige Bewohner wird verdächtigt, das explosive Material in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus und offensichtlich auch in seiner Garage mitten in einer Wohnsiedlung gehortet zu haben.

Dortmund: Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß

Der Mann war am Mittwoch festgenommen worden. Der Tatverdächtige sei mittlerweile mangels Haftgründen aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, hieß es am Freitag. „Zurzeit liegen keine rechtlichen Voraussetzungen für eine freiheitsentziehende Maßnahme vor. Im Rahmen der Ermittlungen wird permanent geprüft, ob weitere Fakten hinzukommen, die an dieser Rechtslage etwas ändern.“

Update, 11.9., 12.20 Uhr: Auch am Freitag wird in der Wohnung in Lütgendortmund weiter nach gefährlichen Stoffen und Gegenständen gesucht. Zur Person des 68-Jährigen machten Polizei und Staatsanwaltschaft auch am Freitag zunächst keine Angaben. Die Bild-Zeitung berichtete, es handele sich um einen sammelwütigen Waffenfreak, der schon im Jahr 2000 wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgefallen sei. Man habe damals bei ihm Handgranaten gefunden, er sei mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Die Polizei nahm dazu nicht Stellung. „Was für eine Motivation dahinter steckt, können wir noch nicht sagen. Das Prozedere ist überhaupt nicht abgeschlossen.“

Gegen den Senior wird nach bisherigem Stand wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz ermittelt. Ob es dabei bleibt oder womöglich auch ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorliegen könnte, blieb am Freitag vorerst offen.

Update, 10.9. 20.25 Uhr: Wie die Polizei am Abend mitteilte, wurde der in einer Wohnung in Lütgendortmund gefundene Sprengstoff von Spezialeinheiten des LKA NRW abtransportiert und gegen 19.30 Uhr mit großem Sicherheitsabstand auf einem Feld erfolgreich gesprengt. Zu keinem Zeitpunkt habe Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger bestanden, so die Polizei.

Update, 10.9., 17.15 Uhr: Die erneute Durchsuchung der Räumlichkeiten des verhafteten 68-Jährigen in Lütgendortmund am Donnerstag zwingt die Polizei offenbar zu einer weiteren kontrollierten Sprengung. So haben die Einsatzkräfte mehrere Kilogramm TNT gefunden, wie die Polizei mitteilt. Dieser muss nun abtransportiert werden und wird dann in den Abendstunden durch Kräfte des LKA NRW zusammen mit der Feuerwehr kontrolliert gesprengt. TNT ist die Abkürzung für Trinitrotoluol - laut Wikipedia ist der Stoff noch heute ein wichtiger militärischer Sprengstoff. Verwendet wird er militärisch und gewerblich in Mischungen als Sicherheitssprengstoff, der nur durch Initialzündung (beispielsweise durch eine Sprengkapsel) zur Detonation gebracht werden kann.

Dortmund: Mehrere Knallgeräusche sind zu hören

Den genauen Ort für die Sprengung nennt die Polizei nicht. Für die Bürger werden allerdings mehrere Knallgeräusche zu hören sein. Eine Gefahr bestehe aber nicht. Die Durchsuchung der Räume wird auch am Freitag weiter fortgesetzt.

So haben wir bisher berichtet: Nach dem Fund einer größeren Menge verdächtiger Substanzen und zahlreicher Waffen in einer Dortmunder Wohnung an der Volksgartenstraße ermittelt die Polizei gegen den Bewohner. Der 68-Jährige sei nach der Durchsuchung seiner Wohnung und seiner Garage festgenommen worden und befinde sich weiter in Gewahrsam, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Am Donnerstag sollten die Durchsuchungen über mehrere Stunden hinweg fortgesetzt werden. Am Nachmittag twitterte die Polizei, dass die Sperrungen im Bereich des Fundortes weiterhin bestehen blieben. Auf Bildern sind Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge zu sehen.

Dortmund: Noch keine Information zum Hintergrund

Zur Person des 68-Jährigen und zu Hintergründen, warum er die chemischen Substanzen und Waffen sowie Waffenteile hortete, äußerten sich die Ermittler zunächst nicht. «Die chemische Analyse der am Vortag aufgefundenen Stoffe ist noch nicht abgeschlossen.» Weitere Aussagen zu den Funden vom Mittwoch, auch zur Gesamtzahl der aufgefunden Waffen seien derzeit nicht möglich.

Ein Polizeisprecher sagte auf die Frage, ob der Mann mutmaßlich allein handelte: «Er war alleiniger Nutzer dieser Wohnung.» Bei der Polizeiaktion am Mittwoch war auch eine Mine entdeckt worden, die Spezialisten in der Nacht zu Donnerstag auf einem Feld kontrolliert sprengten.

Verdacht auf Verstoß gegen das Waffengesetz

Anlass für die Durchsuchung war der Verdacht auf einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Kriminalpolizei erhielt einen Hinweis auf zunächst eine Waffe, die der 68-Jährige einem anderen Mann übergeben haben soll. «Dies führte zu einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Dortmund, mit dem die Wohnung und die Garage aufgesucht wurden.» Die Polizei wollte aber keine Angaben dazu machen, woher konkret der Hinweis gekommen war. Man stecke noch am Anfang der umfangreichen Ermittlungen. (mit dpa)

Fünf Streifenwagen der Polizei brausten am Donnerstag (10.9.) durch Herten mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Herten-Süd.

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