Dortmunder Schwurgericht

Prozess um BVB-Anschlag: Verteidiger attackiert Sprengstoffexperten

Dortmund - Im Prozess gegen den mutmaßlichen BVB-Bomber Sergej W. üben die Verteidiger weiter scharfe Kritik an den Ermittlungen des Bundeskriminalamts. Der Verteidiger attackierte am Freitag einen Sprengstoffexperten, den das Gericht als Zeugen geladen hatte.

Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. bleibt weiter bei seiner Darstellung, er habe mit dem Bombenanschlag niemanden töten oder schwer verletzen wollen. Das erklärte Verteidiger Carl Heydenreich am Freitag im Prozess vor dem Schwurgericht.

Entsprechend vehement attackierte der Rechtsanwalt einen Sprengstoffexperten des Bundeskriminalamts, den das Gericht als Zeugen geladen hatte. Der Fachmann ist sich sicher: Alle 90 in den drei Bomben verbauten Metallstifte, seien potenziell "letale", also tödliche, Geschosse gewesen.

"Man kann überhaupt nicht steuern, wohin diese Stifte fliegen", sagte der Zeuge den Richtern. Selbst wenn der Attentäter die Sprengsätze so ausgerichtet hätte, dass die Metallstifte senkrecht in die Luft gestiegen wären, hätten die später herunterfallenden Teile noch erhebliche Verletzungen anrichten können.

Verteidiger Heydenreich stört sich aber unter anderem immer noch an dem Umstand, dass die Aufprallenergie des einzigen im Bus sichergestellten Stiftes nie berechnet wurde. Der Zeuge sagte dazu: "Das hätten wir nur mit aufwändigen Sprengversuchen machen können. Und selbst dabei hätten wir maximal Annäherungswerte erzielt." Heydenreichs Konter: "Mir sind Annäherungswerte immer noch lieber als Mutmaßungen von BKA-Beamten, die nur ins Kraut schießen."

Nach Ansicht der Verteidigung haben die Ermittler nie auch nur ernsthaft in Erwägung gezogen, dass die Bomben möglicherweise absichtlich so positioniert wurden, dass ein Großteil der Stifte über das Dach des Busses hinweg flogen. Wieder einmal bemühte Carl Heydenreich dabei einen Vergleich aus der Welt des Fußballs - sehr zum Unmut von Oberstaatsanwalt Carsten Dombert.

Die Seitenfläche des Busses sei dreimal so groß wie die eines Fußballtores. "Wenn dann von 90 Stiften gerade mal sechs den Bus treffen und nur einer in den Innenraum gelangt, muss man sich doch fragen, ob das nicht möglicherweise Absicht war."

Der Prozess wird nun erst Ende Februar fortgesetzt.

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