Dortmunder Volksbank zieht Bilanz

Vorstandschef: Weitere Filialschließungen möglich

DORTMUND - Die Bankenbranche kämpft auch zehn Jahre nach der Finanzkrise mit deren Folgen. Die Dortmunder Volksbank hat ein sehr gutes Jahr 2017 bilanziert, sie bleibt die größte Volksbank in NRW. Was die Zukunft des Filialnetzes angeht, baut Chef Martin Eul keine Luftschlösser.

Für Martin Eul, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Volksbank, war 2017 ein Jahr der Jubiläen. Eines empfand er als schön, er feierte sein 40. Dienstjahr. Auf ein "ärgerliches Jubiläum" ging er am Mittwoch ein, als er die Bilanz seiner Bank vorstellte: 2017 war das zehnte Jahr nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise, "die Auswirkungen prägen den Markt bis heute".

Chef der Dortmunder Volksbank beklagt ausufernde Regulierung

Eul beklagte die ausufernde Regulierung, die den Banken zu schaffen macht ("Wir haben für jeden Quatsch einen Beauftragten"), die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und Wettbewerbsverzerrungen durch einige Privatbanken. Sogar namentlich kritisierte Eul eine Bank: die IKB Deutsche Industriebank, die 2007 vor dem Aus stand, weil sie sich mit US-Immobilienkrediten verspekuliert hatte. Und heute, sagt Eul, locke die IKB wieder mit Zinsen, von denen Kunden anderer Banken nur träumen können.

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, so Eul, seien "Brandbeschleuniger" wie Derivate und Zertifikate wieder im Markt. Eine neue Krise sei nicht ausgeschlossen.

Dortmunder Volksbank steigert Bilanzsumme, Einlagen, Kredite

Gar nicht nach Krise sieht es hingegen bei der Dortmunder Volksbank aus. Sie steigerte 2017 ihre Bilanzsumme auf rund 6,68 Milliarden Euro (siehe Grafik). Eul: "Damit sind wir sehr zufrieden." Die Dortmunder Volksbank bleibt gemessen an der Bilanzsumme die größte Volksbank in Nordrhein-Westfalen und die viertgrößte bundesweit.

Bei den Kundenkrediten erwirtschaftete die Bank nach 2010 und 2015 im vergangenen Jahr das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte. Das Kreditvolumen wuchs um 224 Millionen Euro, zwei Drittel flossen in die Wirtschaft, ein Drittel in die private Baufinanzierung. Weil natürlich auch ständig Kredite auslaufen, sei es "extrem viel Arbeit" gewesen, so Eul, das gute Ergebnis durch neue Kredite zu erreichen.

946 Millionen Euro an neuen Krediten vergab die Bank: Angesichts guter Konjunktur, eines auch in Dortmund boomenden Immobilienmarktes und niedriger Zinsen seien Kredite weiter stark gefragt gewesen.

"Negativzinsen für Privatkunden sind bei uns kein Thema"

Trotz niedriger Zinsen - Eul rechnet nicht mit einem deutlichen Anstieg in den nächsten Jahren - brachten die Kunden 2017 mehr Geld zur Dortmunder Volksbank. Das Volumen der Kundeneinlagen stieg um 211 Millionen Euro. In dem Zusammenhang verkündete Eul: "Negativzinsen für Privatkunden sind bei uns unverändert kein Thema - das werden wir nicht machen." Anleger wie Fonds, die ihr Geld nur parken wollen, um dem Strafzins der EZB zu entgehen, müssten hingegen ein "Verwahrgeld" (Strafzinsen) in Höhe von 0,4 Prozent auf ihre Einlagen zahlen.

Die Zahl der Mitarbeiter der Dortmunder Volksbank sank 2017 von 1057 auf 1011, bis 2020 werden durch Altersteilzeitregelungen weitere Stellen wegfallen. Mit diesem "maßvollen Abbau" ohne betriebsbedingte Kündigungen sei man zufrieden, sagt Eul. Auch die Filial-Umstrukturierung wurde Mitte 2017 abgeschlossen: In Dortmund hatte die Bank seit 2016 17 von 41 Standorten geschlossen.

Weitere Filialschließungen 2018 schloss Eul aus, für die Jahre danach dürfe es aber "keine Denkverbote" geben, wenn bestimmte Filialen von zu wenigen Kunden aufgesucht würden. "Es gibt wahrscheinlich Filialen, die wir nicht aufrechterhalten können." Eine "Schließungswelle" wie ab 2016 werde es nicht geben; wo Mietverträge auslaufen, seien punktuelle Schließungen aber möglich.

Dortmunder Volksbank wartet auf Partner für Fusionen

Die Bankenbranche, da macht Eul sich keine Illusionen, ist mitten im Umbruch. Filialen werden geschlossen, große US-Konzerne und kleine Start-ups experimentieren mit neuen digitalen Geschäftsmodellen im Finanzbereich. Eul und sein Vorstandskollege Michael Martens wollen demnächst eine Start-up-Schmiede in Berlin besuchen, um neue, digitale Geschäftsmodelle zu verstehen - man müsse immer in Bewegung bleiben, sagt Eul.

Viel in Bewegung ist auf der Volksbanken-Landkarte auch in Sachen Fusionen. Immer häufiger gebe es "Sprungfusionen", bei der nicht direkt benachbarte Institute zusammengehen. Die Dortmunder Volksbank als großes Institut sei für kleinere Volksbanken, die fusionieren wollen, immer ansprechbar, sagt Eul. Dafür könne man ihn sogar "nachts anrufen". Bleibt abzuwarten, wer das als Nächstes macht.

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