Dortmunds Arbeitsmarkt-Bilanz 2018

Weniger Langzeitarbeitslose, mehr Jobs: Die Gewinner und Verlierer des Arbeitsmarkts

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter werben bei Arbeitgebern darum, verstärkt auf Langzeitarbeitslose zu vertrauen. Sie erklären das am Beispiel eines BVB-Spielers.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in Dortmund immer noch hoch, hat aber seit 2005 einen Tiefstand erreicht: Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit zählten zum Jahresende 2018 exakt 11.457 Bürger, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind. 2006 waren es noch 23.047 Langzeitarbeitslose, ein Jahr davor 18.668. "2018 war aus unserer Sicht ein gutes Jahr", sagte die Chefin der Agentur für Arbeit an der Steinstraße, Martina Würker. Nach "Jahrzehnten des Abbaus" sieht Jobcenter-Chef Frank Neukirchen-Füsers "endlich einen Anstieg bei den Helferstellen".

42.000 Arbeitnehmer gehen in Rente

Sinkende Arbeitslosenzahlen und der Fachkräftemangel dominieren seit mehreren Monaten die Schlagzeilen über den Arbeitsmarkt in ganz Deutschland. Beim Fachkräftemangel müssen sich die Arbeitgeber in Dortmund auf harte Einschnitte einstellen, denn in den nächsten zehn bis 15 Jahren gehen 40.000 "Baby-Boomer" aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente.

Ob und wie Rationalisierung und digitaler Wandel das kompensieren können, sei nicht kalkulierbar, sagte Martina Würker. Sie rät den Arbeitgebern, Fachkräfte nicht nur auf dem Arbeitsmarkt zu suchen, sondern in den eigenen Reihen nachzuschauen: "Oft sind die Experten schon im eigenen Haus beschäftigt. Für zusätzliche Aufgaben muss man sie qualifizieren. Die Agentur für Arbeit hilft dabei. Der Bund zahlt das."

Wer sind die Gewinner? Wer die Verlierer?

Von der guten Auftragslage in Wirtschaft und Handel profitieren nicht alle Bürger, die arbeiten können und wollen. Die Jahresbilanz für 2018 und ein Ausblick auf 2019 bieten viel Licht und viel Schatten. Wer sind die Gewinner? Wer die Verlierer?

Zu den Gewinnern gehören ohne jeden Zweifel die Akademiker, Ausländer und Jugendliche:

Um die Zahl der langzeitarbeitslosen weiter zu drücken, will das Jobcenter eine 2018 erfolgreich gestartete Initiative fortsetzen und dafür Arbeitgeber stärker einbinden. Jobccenter-Chef Frank Neukirchen-Füsers sagte, dass Langzeitarbeitslose schnell den Anschluss ans öffentliche Leben verlieren können.

Beispiel BVB-Spieler

Bei Arbeitgebern wirbt er darum, diesen Menschen Chancen zu geben: "Wir tun so, als ob ein Arbeitnehmer nach drei Jahren Arbeitslosigkeit montags um 7 Uhr im Betrieb auf der Matte stehen und sofort durchstarten könnte. So läuft das aber nicht. Nehmen wir doch mal einen verletzten BVB-Spieler, der ein Jahr lang ausgefallen ist: Über das Training wird er behutsam wieder ans Spiel herangeführt. Bevor er 90 Minuten durchspielt, vergeht viel Zeit. Dort ist das für uns selbstverständlich. Aber warum nicht bei Langzeitarbeitslosen?"

Auch Langzeitarbeitslose hätten mit Gesundheit und Psyche zu kämpfen, häufig als Folge der Arbeitslosigkeit. "Häufig hören wir: Ich kann nicht mehr, es läuft grad nicht, da ist ein Gefühl von Burnout, es gibt eine Lebenskrise, dazu noch Wohnungsnot", sagt der Jobcenter-Chef. "Diese ganze Palette" müsse man in Dortmund bearbeiten. Das gilt auch für die Lebensbedingungen für Eltern. Denn sie gehören zu den Verlierern:

Jobcenter-Chef Frank Neukirchen-Füsers fordert mehr Förderung schon im Kindesalter statt späte Reparaturversuche, die obendrein teuer seien. Es dürfe nicht sein, dass Kinder aus gutem Hause die erforderliche Nachhilfe erhalten und die Kinder sozial benachteiligter Eltern leer ausgingen. Der Jobcenter-Chef: "Ohne Nachhilfe hätte ich mein Abitur nicht geschafft. Nachhilfe darf nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen." Derzeit würden mehr Jugendliche in die Dortmunder Sozialhilfe hineinwachsen als rausgehen.

Ende 2018 waren 32.033 Dortmunder ohne Arbeit. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent verteilt auf das Jahr 2018. "Man muss bis 1992 zurückgehen, um eine geringere Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen zu finden", lautet der Vergleich von Arbeitsagentur-Chefin Martina Würker. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer sei auf 238.700 gestiegen - "eine Rekordmarke". 2019 könnten die Zahlen noch besser werden.

Jenseits der arbeitslos gemeldeten Menschen sollte man nicht außer Acht lassen, dass insgesamt 2018 im Jahresdurchschnitt 44.667 Dortmunder ohne feste Beschäftigung waren. In dieser Zahl der "Unterbeschäftigten" sind neben Arbeitslosen auch Personen enthalten, die an Qualifizierungs-Projekten teilnehmen oder von Vorruhestandsregelungen betroffen sind. 2017 gab es im Schnitt 47.374 Unterbeschäftigte.

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