Dortmunds Oberbürgermeister

"Mehr Klischee geht nicht": Ullrich Sierau will Dortmund-Tatort einstellen

"Mobbing", "maximal lächerlich", "plump": Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat einen Brandbrief gegen den Dortmund-Tatort geschrieben. Er ist für die Einstellung des TV-Krimis.

Es ist noch gar nicht lange her, da war Ullrich Sierau ein glühender Tatort-Fan: Dortmund sei jetzt mal dran, ließ sich Dortmunds Oberbürgermeister 2010/2011 gerne zitieren, als der WDR über den Drehort einer neuen Tatort-Reihe nachdachte.

Der erste Bürger der Stadt hatte damals sogar schon eine Idee für das erste Drehbuch: "Junger Wissenschaftler aus der Region schafft über die Hochschule den Aufstieg, gründet ein Start-up-Unternehmen, hat bahnbrechenden Erfolg - und finstere Typen heften sich an seine Fersen", schrieb er in einem Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel". Einen Kommissar brachte Sierau auch ins Spiel: Dietmar Bär sollte von Köln nach Dortmund versetzt werden, schließlich sei der Schauspieler, der in Köln den jovial-coolen Ermittler Freddy Schenk gab, ein echter "Sohn unserer Stadt".

Dortmund-Tatort zeigt abgeranzte Hausfassaden statt coole Start-Ups

Stattdessen dann bekam er einen depressiven, ständig fluchenden Borderline-Kommissar, eine Stadt mit permanentem Graufilter und Storys über Nazis, die ganze Stadtteile übernehmen, und Drogen-Clans. Auch am vergangenen Sonntag zeigte der neue Dortmund-Tatort wieder viel Tristesse, perspektivlose Ex-Kumpels, die sich ihren Frust vor abgeranzten Hausfassaden wegsaufen.

Spätestens da muss sich Ullrich Sierau gedacht haben: So geht es nicht weiter. Und so landete um 17.27 Uhr eine bemerkenswerte Pressemitteilung in den Mail-Postfächern des Presseverteilers der Stadt: Es war die Zusammenfassung eines offenen Briefes Sieraus an den Intendanten des für den Dortmund-Tatort zuständigen WDR, Tom Buhrow. Ein Brandbrief, in dem Dortmunds Oberbürgermeister seiner Wut über den Dortmund-Tatort freien Lauf lässt und der in dem Wunsch nach dem vorzeitigen Ruhestand des Dortmunder Tatort-Teams um Kommissar Faber gipfelte.

Dortmund-Tatort ist ein "fortwährendes Mobbing" gegen die Stadt und ihre Bewohner

Er müsse seine "früher getätigte Aussage, dass ein ?Tatort' die Stadt adelt, revidieren. Was sich in vorherigen Folgen schon angedeutet hat, lässt sich nach der Folge von Sonntag nur als fortwährendes Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen bezeichnen", schreibt Sierau. Die Art und Weise, wie Dortmund und die gesamte Region dargestellt werden, sei "an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten. Es ist maximal lächerlich."

Auch ein Krimi-Drehbuch sollte "ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen", schreibt Sierau weiter. Doch dass es im Ruhrgebiet "so etwas wie einen Strukturwandel" gibt und die Montanindustrie in Dortmund längst Geschichte ist - die letzte Zeche der Stadt schloss 1987 -, sei den Drehbuchschreibern offenbar egal. Am Ende schreibt Sierau: "Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden."

"Einer der größten Fake-Tatorte überhaupt"

Mit dieser Meinung steht Sierau nicht alleine da. Die Kritik am düsteren Bild, das er von der Stadt zeichnet, begleitet den Dortmund-Tatort seit seinen Anfängen, genauso wie die Tatsache, dass für besonders verwahrloste Einstellungen auch gerne mal außerhalb Dortmunds gedreht wird, für den jüngsten Tatort beispielsweise in Duisburg.

In einer Abstimmung auf der Facebookseite unserer Redaktion nach der Ausstrahlung der Folge "Zorn" gaben 58 Prozent der Teilnehmer an, dass der Tatort ihnen nicht gefallen habe. "Man sieht bei jedem ?Dortmunder' Tatort nur deprimierte Gesichter", schrieb ein User in die Kommentare, "im Tatort wurde Dortmund der Charme der 1970er- und 1980er-Jahre aufgedrückt. [...] So war es einer der größten Fake-Tatorte überhaupt und die Drehorte waren ein Desaster."

WDR: "Wir prüfen die Kritikpunkte"

Der WDR bestätigte am Montagabend gegenüber unserer Redaktion, dass der Brief den Sender erreicht habe. "Wir prüfen die Kritikpunkte", so eine Sprecherin.

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