Drei tote Kinder

Jugendamt: Haben keine Fehler gemacht

DORTMUND - Das Dortmunder Jugendamt steht unter Druck: Seit bekannt geworden ist, dass das Amt in der Familie tätig war, in der am Freitag drei Kinder getötet wurden, häufen sich Anfragen an das Amt. In einer sehr detaillierten Pressemitteilung wehrt sich das Amt nun gegen Vorwürfe.

In der Pressemitteilung heißt es unter anderem: "Das Jugendamt hatte zu keinem Zeitpunkt Erkenntnisse, die auf eine Kindeswohlgefährdung hindeuteten. Die Mitarbeiterinnen des Jugendamtes gewannen in den persönlichen Kontakten mit der Familie den Eindruck, dass der Vater einen liebevollen Umgang mit seinen Kindern pflegte."

Es habe keine Meldungen über die Familie bei allen in Frage kommenden Stellen und Ansprechpartnern im Jugendamt gegeben, erklärte das Jugendamt weiter. "Die Stadt Dortmund legt Wert auf die Feststellung, dass das schreckliche Verbrechen nichts mit der Betreuung der Familie durch das städtische Jugendamt zu tun hat. Sie verwahrt sich dagegen, den dreifachen Kindermord mit der Arbeit des Jugendamtes in Verbindung zu bringen."

Auf drei DIN A4-Seiten erläutert das Jugendamt zuvor, auf welche Art man in der Familie tätig geworden ist. Einige Auszüge:

  1. 26.09.2011: Das Dortmunder Jugendamt wird über den Zuzug der Familie informiert. Die Familie war in Werdohl bis zum 31.08. vom dort zuständigen Jugendamt unterstützt worden, weil die Mutter der Kinder 2009 auf tragische Weise gestorben war.
  2. 09.02.2012: Dem Dortmunder Jugendhilfedienst wird mitgeteilt, dass der Vater der Kinder für einige Zeit abwesend sein wird. Nach Medienberichten muss er eine kurze Haftstrafe antreten. Die Kinder werden bei einer Bekannten in einer anderen Stadt untergebracht.
  3. 15.02.2012: Der Vater widerspricht der Unterbringung bei der Bekannten, jetzt sollen die Kinder in die Türkei gebracht werden. Um den Kindern diesen erneuten Wechsel zu ersparen, werden sie vom Dortmunder Jugendamt in Obhut genommen. Das Familiengericht bestätigt diesen Schritt per Einstweiliger Anordnung.
  4. 18.02.2012: Der Vater kehrt zurück und holt die Kinder bei der Bekannten ab. Daraufhin besucht das Jugendamt am 21.02.2012 die Familie. Dort gibt es laut Amt keinerlei Anzeichen auf eine Kindeswohlgefährdung. Über das Gespräch mit den Kindern berichtet die Stadt: "Alle Kinder machten einen altersgemäß entwickelten Eindruck. Die Interaktion zwischen Vater und Kindern war liebevoll. Der Vater zeigte sich kooperativ gegenüber dem Jugendamt." Am 29.02.2012 hebt das Familiengericht den Beschluss zur Inobhutnahme auf.
  5. 29.02.2012: Am gleichen Tag brennt es in der Wohnung der Familie im 3.OG in der Fichtestraße 18. Die Lebensgefährtin des Mannes unterrichtet das Jugendamt über den Brand.
  6. 12.04.2012: Die Lebensgefährtin des Mannes informiert das Amt, darüber, dass die Familie jetzt im Erdgeschoss an der Fichtestraße wohnt.
  7. 23.05.2012: Der letzte Kontakt des Jugendamtes mit der Familie: Der Vater teilt mit, dass die Kinder nach Ende des Schuljahres in die Türkei ziehen sollen. Dies entsprach laut Amt auch dem Wunsch der zehn- und zwölfjährigen Kinder. Das Jugendamt informiert Schulen und Kindergärten über den geplanten Umzug. Diese sollen sich melden, wenn der Verdacht besteht, dass die Kinder zum Umzug gezwungen werden. Eine solche Meldung gab es nicht.

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