Drogeriemärkte rationieren Babynahrungsprodukte

Milchpulver wird knapp

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KREIS RECKLINGHAUSEN - Unsere Leserin Renate Böttcher aus Recklinghausen war völlig überrascht: Sie wollte für die Zwillinge ihres Sohnes Milchpulver als Babynahrung einkaufen. Von den drei Packungen zog die Mitarbeiterin des Drogeriemarktes „dm“ aber nur zwei über die Kasse. Mehr dürften pro Person nicht verkauft werden, sagte sie. „Ist es wieder soweit, dass man nur noch Rationen bekommt!?“, protestiert unsere Leserin. Wir haben nachgehakt, woran das liegt.

Kaum zu glauben: Aber es liegt an China! Tatsächlich bestätigen uns die Sprecher der Drogeriemärkte „dm“ und Rossmann: Die Nachfrage vor allem nach Milchpulver-Produkten für Babys sei in Deutschland derzeit so stark angestiegen, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen könne.

„Damit wir die lückenlose Versorgung aller unserer Kunden in diesem sensiblen Sortiment sicher stellen können, haben wir uns entschieden, die Abgabe von Milchpulvern aller Hersteller auf eine haushaltsübliche Menge (sprich drei Packungen pro Einkauf) zu beschränken“, sagt Annika Lingner, Sprecherin der Rossmann GmbH.

Von Markt zu Markt verschieden

Bei „dm“ werden offenbar die Produkte nicht aller Hersteller kontingentiert: „Um die Bedürfnisse all unserer Kunden befriedigen zu können, haben wir uns dazu entscheiden, den Kolleginnen und Kollegen in unseren Märkten eine mengenmäßig beschränkte Abgabe von Milchnahrungs-Produkten zu empfehlen“, antwortet der „dm“-Geschäftsführer Christoph Werner auf unsere Anfrage. Das führt dazu, dass in „dm“-Märkten vor Ort offenbar unterschiedliche Abgabe-Grenzen gezogen werden: Im Recklinghäuser Palais Vest gibt es, wie unsere Leserin Renate Böttcher erfahren hat, offenbar maximal zwei Pakete. In der „dm“-Filiale im Marler Stern wird sogar nur eine Packung pro Einkauf erlaubt, dafür aber nur bei einigen Produkten, hier bei Aptamil und Milumil des Babynahrungsherstellers Milupa.

Milchpulver-Nachfrage stark gestiegen

Der Pressesprecher von Milupa, Stefan Stohl, berichtet, dass erstmals wieder seit eineinhalb Jahren die Nachfrage nach Milchpulver stark gestiegen sei. „Das hängt immer noch mit der verstärkten Nachfrage aus Drittländern, insbesondere aus China zusammen“, erklärt Frank Maurer, Sprecher der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW. Es gebe den Trend, dass sich in einigen asiatischen Ländern eine westlich orientierte, kaufkräftige Mittelschicht entwickele, so Maurer.

Diese jungen Familien hätten nach dem Skandal in China von 2008 mit gepanschtem Milchpulver, sechs toten und 300 000 erkrankten Säuglingen kein Vertrauen mehr in die heimischen Babynahrungsprodukte. Diese Mittelschicht mit guten Kontakten nach Europa wolle die hohe Lebensmittelsicherheit und Qualität nutzen und kauft auch mal wie in Münster ganze Markt-Bestände auf, um sie nach China zu schicken, so Frank Maurer.

Kenner der Szene wissen auch, warum aktuell die Nachfrage so groß ist: Die Chinesen feiern am 19. Februar das Neujahrsfest – ein Familienfest mit Geschenken, wie bei uns Weihnachten. Da dürften einige Milchpulverpakete aus Deutschland als Geschenk überreicht werden. Unsere Leserin Renate Böttcher würde sich lieber über ein Paket mehr hierzulande freuen: Zwillinge brauchen ja einfach mehr, sagt sie.

Rubriklistenbild: © Fechtner

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