Ehefrau leistete Erste Hilfe nach Herzinfarkt

Wie Frau Pittelkau Herrn Pittelkau das Leben rettete

Dortmund - 40 Jahre Handball beim OSC Dortmund und 25 Jahre auf dem Tennisplatz: Klaus-Dieter Pittelkau war Zeit seines Lebens ein durchtrainierter Sportler. Bis zum 11. Oktober 2016. Ein Herzinfarkt ließ ihn beim Tennisspielen zusammenbrechen. Dass er überlebte, ist kein Zufall - und kann dazu anregen, einen Erste-Hilfe-Kurs zu wiederholen.

Am 11. Oktober 2016 gegen 13 Uhr ereignete sich auf Platz 1 des Tennisclubs Berghofen eine Geschichte, die in einem Lehrbuch für Erste Hilfe stehen könnte: Klaus-Dieter Pittelkaus Herz steht still. Ihn reanimiert die eigene Ehefrau. Eine Ausnahme in Deutschland, denn die Laien-Reanimationsquote liegt hier nur bei knapp über 30 Prozent. In skandinavischen Ländern liegt sie bei über 70 Prozent.

Der 1,96 Meter große Mann, einst 40 Jahre Handballer beim OSC Dortmund und mit fast 70 Jahren immer noch ein durchtrainierter Sportler, bricht zusammen. Es war der Ärztliche Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes, Dr. Hans Lemke, der dem Notruf zum Tennisplatz an der Rubinstraße 2 in Berghofen gefolgt war und den Patienten weitere 80 Minuten zu reanimieren versuchte. Mit Erfolg. Hätte Bärbel Pittelkau in den ersten Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und Notarztes die Herzdruckmassage nicht ausgeübt - sie wäre heute Witwe.

"Wir haben gut 30 Minuten Tennis gespielt. Ich draußen mit einer Freundin meiner Frau und meine Frau mit einer weiteren Freundin in der Tennishalle. Dann bin ich umgekippt. Mit einem Herzstillstand - mehr weiß ich nicht", berichtet Klaus-Dieter Pittelkau (70) im Februar 2018, anderthalb Jahre später.

"Bärbel - da ist was mit Klaus"

Seine Frau weiß mehr. Viel mehr. Dass das Telefon ihrer Freundin auf dem Platz in der Halle schellte, die Freundin erst einmal schellen ließ, erst beim zweiten Anruf das Gespräch annahm und dann rief: "Bärbel - da ist was mit Klaus." Dass sie vorbei an den Plätzen 7, 6, 5, 4, 3 und 2 zu ihrem Ehemann auf Platz 1 rannte und er mit starrem Blick und leicht geöffnetem Mund leblos auf dem Boden lag. Und dass sie pumpte.

"Es kam mir wie eine Ewigkeit vor", erinnert sie sich und sagt: "Mann, war das anstrengend. Ich wusste nicht einmal, ob das richtig war, was ich da machte. Ich habe dann einfach drauf los gepumpt und unter Schock gearbeitet. Aber Klaus-Dieter hat sich nicht bewegt. Er war weg."

Erste Hilfe durch Reanimation auf dem Tennisplatz

Pumpen. Ständig pumpen. Nicht aufgeben - Bärbel Pittelkau hat alles richtig gemacht. Mit der Herzdruckmassage hielt sie den Blutkreislauf ihres Mannes aufrecht und versorgte das Gehirn mit Sauerstoff. Bis die Profis kamen. Zehn Tage lag Klaus-Dieter Pittelkau im Koma und viereinhalb Wochen auf der Intensivstation des Klinikums Mitte.

Er überlebte eine Nacht, in der Ärzte sagten, dass er den Morgen nicht überstehen werde. Er trotzte einem Organversagen, überstand eine Lungenentzündung und verkraftete in den folgenden Woche weitere Rückschläge, die Familie und Freunde bangen ließen. Heute ist ein jeder 11. Oktober sein "zweiter" Geburtstag. Jedes Jahr will er ihn feste feiern.

Dank an die Station C22 im Klinikum Dortmund

Bärbel Pittelkau weiß, dass sie mit den beiden zu einer Pumpe geformten Händen auf dem Brustkorb ihres Mannes "angefangen hat, ihm das Leben zu retten", und für immer ist sie auch denen dankbar, die nach den ersten Minuten und in den folgenden Wochen weitergemacht haben: Ohne den Notarzt, den Rettungsdienst und vor allem "ohne die Schwestern und Pfleger auf der Station C22 des Klinikums Mitte" hätte das alles kein gutes Ende genommen. Die 64-Jährige über die Arbeit auf der C22: "Ich war jeden Tag sechs Stunden da und habe viel von dem mitbekommen, was die da leisten. Mit Worten ist das nicht zu beschreiben."

Drei implantierte Gefäßstützen ("Stents") halten jetzt Klaus-Dieter Pittelkaus Herzgefäße offen. Der 1,96 Meter große Mann betreibt wieder Sport und steht ab April 2018 nach viel Reha-Sport auch wieder auf dem Tennisplatz. Nie zuvor musste er Tabletten einnehmen. 50 Jahre und einen Herzinfarkt dauerte es aber, bis er Nichtraucher wurde. Das Ehepaar unternimmt lange Spaziergänge, denkt nahezu täglich an den 11. Oktober und nimmt sich öfter mal in den Arm: "Dann sagen wir uns, wie schön das Leben ist", sagt Bärbel Pittelkau.

Bärbel Pittelkau macht allen Bürgern Mut, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren, um das für den Notfall wichtige Wissen aufzufrischen. So, wie sie im Vereinsheim des TC Berghofen einen Kurs absolvierte. Wenige Monate bevor ihr Mann nebenan auf Platz 1 zusammensackte.

Die Erste Hilfe war kein Zufall

Es war ein Zufall, dass der Erste-Hilfe-Ausbilder aus dem Vereinsheim, Dr. Hans Lemke, der Arzt war, der am 11. Oktober 2016 Klaus-Dieter Pittelkau weiter reanimierte.

Dass Bärbel Pittelkau ihrem Mann in den ersten Minuten nach dem Infarkt das Leben rettete, war kein Zufall und kein Wunder und keine Sensation.

Sie konnte es einfach.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

"Recklinghausen leuchtet" ist eröffnet: Traumstart bei Glühwein-Temperaturen
"Recklinghausen leuchtet" ist eröffnet: Traumstart bei Glühwein-Temperaturen
"RE leuchtet": Gelungene Eröffnung - Vorlese-Rekordversuch im Live-Stream
"RE leuchtet": Gelungene Eröffnung - Vorlese-Rekordversuch im Live-Stream
Unwetter im Vest: Starkregen und Sturm durch Tief "Thilo" - Straße in Haltern gesperrt
Unwetter im Vest: Starkregen und Sturm durch Tief "Thilo" - Straße in Haltern gesperrt
Einsatz in der Nacht - deshalb musste die Feuerwehr zur Dahlbredde ausrücken
Einsatz in der Nacht - deshalb musste die Feuerwehr zur Dahlbredde ausrücken
Diskussion ums "Laternenfest": Jetzt äußern sich die Kirchenvertreter mit klaren Worten
Diskussion ums "Laternenfest": Jetzt äußern sich die Kirchenvertreter mit klaren Worten

Kommentare