Ehemaliges Zechengelände in Dorsten

Der Wandel der Zeche Fürst Leopold hat Struktur

Dorsten - Die Kohleförderung auf der Zeche Fürst Leopold wurde im Jahr 2001 eingestellt. Mittlerweile ist der Strukturwandel in Dorsten angekommen. Auf der alten Zechenfläche hat sich eine Menge getan, die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist groß - eine Bestandsaufnahme.

Für den Kunststoffhandel Rexin beginnt am nächsten Samstag eine neue Zeitrechnung. 50 Jahre nach der Gründung im Gewerbegebiet Bottrop-Boy erfolgt der erste Spatenstich für den Bau des neuen Firmensitzes auf dem ehemaligen Zechengelände Fürst Leopold. Auf rund 26.000 Quadratmetern entsteht bis Frühjahr 2019 ein Bürogebäude samt Ausstellung, Lager-, Verlade- und Bearbeitungshallen.

"Der Hauptgrund ist der Flächenbedarf", bestätigte Unternehmenssprecher Nils Angenendt am Dienstag. "Die Firma hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, sodass mit der positiven Entwicklung auch der Flächenbedarf gestiegen ist und die Fläche am aktuellen Standort eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt schon nicht mehr ausreicht."

Wo ist was? Die interaktive Grafik gibt einen Überblick:

Die Ansiedlung der Bottroper Firma ist der jüngste Erfolg der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor. Sie ist einer von drei Kooperationspartnern neben der RAG Montan GmbH und der Prisma Immobilien GmbH (Tempelmann), die sich die Vermarktung der etwa 30 Hektar großen Gewerbefläche teilen.

Dorsten hatte mit der Schließung der Zeche im Jahr 2001 Tausende Arbeitsplätze verloren. Der Strukturwandel kam erst langsam in Gang, doch mittlerweile hat sich die Stadt wirtschaftlich erholt, glaubt Windor-Geschäftsführer Josef Hadick. "Es hat 18 Jahre gedauert, bis der Arbeitsplatzverlust in der Stadt kompensiert werden konnte." Nicht nur, aber auch in Hervest: Statt Bergbau bieten die revitalisierten Zechenflächen nun Unternehmen aus zukunftsfähigen Wirtschaftszweigen Platz.

"Guter Branchenmix" angestrebt

"Eine der Grundbedingungen für die Ansiedlung ist, dass die Unternehmen 50 Prozent ihres Umsatzes in einem Radius von mehr als 50 Kilometern außerhalb Dorstens machen müssen", verdeutlichte Hadick im Herbst, als ihn die Hervest-Konferenz um eine Bestandsaufnahme gebeten hatte.

Ein Großteil des 8,3 Hektar großen Areals, dessen Vermarktung Windor verantwortet, ist mittlerweile vergeben bzw. reserviert. Fünf Verträge sind unterschrieben, fünf weitere unterschriftsreif. Gespräche mit vier weiteren Unternehmen werden derzeit geführt. Windor spricht von einem "guten Branchenmix" in diesem Bereich, weitere interessierte Firmen konnten in anderen Gewerbegebieten der Stadt untergebracht werden.

Fast 100 Prozent schon vergeben

Dass das ehemalige Zechengelände großes Interesse bei örtlichen und regionalen Investoren hervorruft, kann Vanessa Tempelmann von der Prisma Immobilien GmbH bestätigen. Das Dorstener Unternehmen hat sich auf Gastronomie, Wohnungsbau und Handel spezialisiert

"Wir nähern uns dem 100-prozentigen Vermarktungsstand", sagt sie. Eine Seniorenresidenz und Reihenhäuser sind im Bau oder fertig, ein Maxi-Garagen-Park ist fertig, ein Fitness-Center kommt auch. Vor einem Monat hat Edeka Honsel eröffnet, weitere Fachmärkte seien in Planung, so Tempelmann. Drei Grundstücke an der Fürst-Leopold-Alle stehen kurz vor der Vertragsunterzeichnung.

Erinnerung an die Vergangenheit

Für Windor-Chef Hadick hat der Strukturwandel noch eine andere Bedeutung. "Wo Arbeitsplätze geschaffen werden, wird Wohnraum nachgefragt." Eine Vielzahl von Mietwohnungen, Eigenheimen, Reihenhäusern und Doppelhaushälften wird zum Beispiel auch an der Josefstraße am Hellweg/Glück-Auf-Straße gebaut, also in dem Stadtteil, in dem einst die Kumpel lebten und in dem die Bergbau-Siedlung die Erinnerung an die Vergangenheit wachhält. So wie der Förderturm, die alte Maschinenhalle und die Lohnhalle.

Nach und nach haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Bergwerke im Ruhrgebiet geschlossen, mit Prosper-Haniel beendet in diesem Jahr der letzte Pütt die Kohleförderung. "Tod auf Raten" nannte man das in der Vergangenheit. Nach und nach werden die Bergbaustandorte einer anderen Bestimmung zugeführt. Dorsten und Fürst-Leopold sind diesen Weg seit 2001 schon ein gutes Stück gegangen. Zukunft nennt man das.

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