Ehrenamtskarte für Freiwillige in Dortmund

Die Stadt will das Ehrenamt würdigen

Dortmund - In Deutschland engagiert sich fast jeder Dritte ehrenamtlich für das Gemeinwohl. Die Freiwilligen sind auch eine Säule der Stadt. Deshalb will die Politik in Dortmund ihr Engagement würdigen. Ob mit oder ohne Ehrenamtskarte ist noch nicht klar.

Weniger Eintritt ins Hallenbad, in den Zoo oder Westfalenpark, geringere Gebühren für die Musikschule und günstigere Karten fürs Theater - die Ehrenamtskarte des Landes NRW macht es möglich. Jedenfalls in 234 Kommunen und Kreisen von Ahlen bis Xanten. Dortmund gehört bislang nicht dazu.

Seit zehn Jahren kämpft die CDU-Ratsfraktion mit mehreren Anläufen dafür, auch hier die landesweit gültige Karte einzuführen als Dank und Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz. Wer wöchentlich fünf Stunden oder 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig ist und dafür bislang nicht mehr als einen Kaffee und einen warmen Händedruck als Dankeschön bekommen hat, soll die Ehrenamtskarte bei der Freiwilligenagentur in der Berswordthalle beantragen können - wenn es nach der CDU geht.

3000 bis 3500 Freiwillige könnten Ehrenamtskarte beantragen

Nun sah es zunächst ganz danach aus, dass sich auch die SPD für diesen Vorschlag erwärmen könnte. Jedenfalls gaben im vergangenen Dezember beide Fraktionen in einem gemeinsamen Antrag einen entsprechenden Prüfauftrag an die Verwaltung.

Der Rat muss die Einführung der Ehrenamtskarte am Ende beschließen. Doch die Antwort der Verwaltung auf den Prüfauftrag lässt die SPD zögern. Nach der Erfahrung anderer Kommunen müsse man für die Ausgabe der Ehrenamtskarte Sach- und Personalkosten kalkulieren. Zudem habe der Trägerverein der in Dortmund zuständigen Freiwilligen-Agentur die Einführung der Ehrenamtskarte abgelehnt. Die Argumente: Die hohen Anforderungen (250 Stunden pro Jahr) passten nicht zur heutigen Freiwilligenarbeit, die meist zeitlich begrenzt sei. Gleichzeitig fördere die Karte eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und führe neben einem erhöhten Organisationsaufwand zu Missstimmungen in Vereinen und Organisationen.

Die Verwaltung kommt am Ende zu dem Schluss, dass in Dortmund nur 3000 bis 3500 Freiwillige und damit nur ein kleiner Teil der Engagierten die Karte beantragen könnten.

"Deshalb müssen wir uns die Karten legen, ob wir das wirklich wollen," sagt Dirk Goosmann, Sprecher der SPD-Fraktion im Bürgerdienste-Ausschuss, der sich in der nächsten Woche mit der Ehrenamtskart befassen wird. Die SPD denke auch über eine eigene, dortmundspezifische Karte nach, kündigt Goosmann an, möglicherweise mit einem eigenen Prämien-Fördertopf. Dafür könne man selbst die Kriterien festlegen und müsse sich nicht nach denen des Landes richten. Goosmann: "Wir wollen den Zugang erleichtern".

Es geht nicht um Ermäßigungen und Rabatte

Christiane Krause (CDU), Vorsitzende des Bürgerdienste-Ausschusses, ist "stinksauer". Das sei eine "Beschädigung der Leute, die die Karte wirklich verdient haben." In so vielen anderen Städten laufe das mit der Ehrenamtskarte ohne Probleme. Die SPD wolle wieder bei Adam und Eva anfangen.

Es gehe den Ehrenamtlichen nicht in erster Linie um Ermäßigungen und Rabatte, sagt Krause, sondern um die besondere Anerkennung ihrer Arbeit. Eine Zweiklassen-Gesellschaft unter Ehrenamtlern gebe es jetzt schon. Einige erhielten eine Aufwandsentschädigung, andere keine. Und nur Letztere sollen in den Genuss der Ehrenamtskarte kommen.

Die SPD will das Thema direkt in den Rat schieben, wo es der Seniorenbeirat auf die Tagesordnung hat setzen lassen. Von dort soll es laut Goosmann zurück in den Bürgerdienste-Ausschuss.

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