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Justizzentrum Bochum, Ostring, neuer Sitz von Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht sowie Staatsanwaltschaft Bochum am 05.01.2018 . Foto: Thomas Nowaczyk

Einbrüche in der ganzen Region

Mutmaßliche „Pfarrhaus-Räuber" müssen sich vor dem Landgericht verantworten

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BOCHUM/VEST - Immer wieder sonntags schlug für die Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ die große Stunde. Wenn die Pfarrer und die Gläubigen in der Kirche waren und Gottesdienste feierten, brachen sie in die benachbarten Gemeindehäuser ein. Auch in Recklinghausen, Datteln, Haltern und Castrop-Rauxel. Nun müssen sich zwei Männer und eine Frau vor dem Landgericht verantworten.

Vor dem Bochumer Landgericht hat am Mittwoch der Prozess um eine atemberaubende Serie von Einbrüchen und Raubüberfällen in Pfarrhäusern begonnen. Angeklagt sind zwei Männer (28/44) und eine Frau (47) aus Gelsenkirchen. Das Trio soll zwischen September 2017 und August 2018 mehr als 30 Einbrüche verübt haben. Ohne Ausnahme scham- und skrupellos – manchmal dazu aber auch noch unheimlich brutal.

Der wohl dramatischste Fall passierte laut Anklage am 4. Februar 2018 im Pfarrhaus der St. Sixtus Kirchengemeinde in Haltern – das Opfer war Pater James. Als der Seelsorger seinerzeit gegen 12.35 Uhr nach Hause zurückgekehrt war, sollen ihn vier Einbrecher im Pfarrhaus überrascht und ihm mehrfach mit einem Schraubendreher ins Gesicht geschlagen haben. Später sollen die Täter den Todesängste leidenden Pater mit verbundenen Augen in den Heizungskeller gebracht, ihm mit abgetrennten Kabeln von einem Bügeleisen und Kühlschränken die Hände und Füße zusammengebunden und dort eingesperrt haben. Mit einer Beute von 330 Euro Bargeld soll das angeklagte Trio später vom Tatort geflüchtet sein.

Pater James war es gelungen, durch einen Kellerschacht um Hilfe zu rufen. Bei ihren Beutezügen soll sich die „Pfarrhaus-Bande“ neben von älteren Damen bewohnten Einfamilienhäusern vor allem auf Häuser und Büros kleinerer Kirchengemeinden spezialisiert haben. Seit Ende 2017 sollen die Täter meistens sonntags in Pfarrheime eingebrochen sein, während die jeweiligen Pfarrer gerade die Gottesdienste feierten.

Brutales Vorgehen

In Dortmund sollen die Angeklagten im Sommer 2018 noch einen weiteren Geistlichen, der sie auf frischer Tat ertappt hatte, brutal niedergeschlagen haben. Zwei ältere Hausbesitzerinnen (74 und 83) in Mülheim und Wuppertal wurden laut Anklage von den Einbrechern teilweise unfassbar brutal zusammengeschlagen.

In Datteln war bei einem Einbruch im Pfarrbüro der St. Amandus Gemeinde unter anderem auch das Tauf-, das Ehe- und das Sterberegister gestohlen worden. Außerdem das Siegel des Kirchenvorstandes. In einem Pfarrhaus in Castrop-Rauxel war ein Tresor mit Kirchenbüchern aus der Wandverankerung gehebelt worden. Tags zuvor sollen die Angeklagten am 14. Juli 2018 in Recklinghausen in ein Pfarrhaus auf der Hillerheide eingedrungen sein und dabei aus dem Schreibtisch des Pfarrers 315 Euro und aus der Wohnung einer Ordensschwester für 200 Euro Schmuck erbeutet haben.

Weil die Angeklagten zum Prozessauftakt weder etwas zu ihren Lebensläufen noch zu den Vorwürfen sagen wollen, stellen sich die Richter der 7. Strafkammer auf eine lange und aufwändige Verhandlung ein. Für den Prozess sind derzeit 32 weitere Verhandlungstage bis zum 26. September 2019 anberaumt.

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