Einmaliger Fund in Huckarde

Ein Gedicht in einem Dachziegel überdauerte die Zeit

Huckarde - Als der Hof Regenbogen bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, fand einer der Aufräumer einen Dachziegel und behielt ihn. Nun, Jahrzehnte danach, stellt sich heraus: Es ist ein einmaliges Stück.

Vom historischen Hof Regenbogen in Huckarde ist nichts mehr zu sehen. Auf dem Grundstück des im Kriege zerstörten ehemaligen Gutes steht heute die Polizeiwache. Doch in seinem Keller hat Wilhelm Ferdinand Falkenrich (74) ein Stück gefunden, das möglicherweise der letzte Rest des Gebäudekomplexes ist: einen Dachziegel. Und es gibt einen Grund, warum ausgerechnet dieses Stück die Zeiten überstanden hat.

Es war Wilhelm Falkenrichs Vater, der den Dachziegel gefunden und an sich genommen hatte. Der Vater lebte in der Pestalozzi-Siedlung und arbeitete als Bergmann auf der Zeche Hansa. Eine alte Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg verschonte ihn vor dem Waffengang im Zweiten Weltkrieg. Als in einer Bombennacht der Regenbogenhof getroffen wurde, gehört er zu dem Aufräum-Kommando. Im Trümmerhaufen fand er diesen besonderen Dachziegel.

Frivol, aber sinnfrei

Auf die Rückseite hatte jemand etwas in den einstmals feuchten Lehm eingeritzt, in schöner Sütterlin-Handschrift. Wilhelm Falkenrich kann die alte Schrift noch entziffern und liest vor: "Hasen jagen ohne Hunde, sechmal vögeln in der Stunden, wer das nicht kann, der darf nicht schwitzen, ohn' Jungfrau am Ofen sitzen. 1826".

Der Text ist leicht frivol, weitgehend sinnfrei und auch nicht besonders kunstvoll gedichtet, dürfte dem Autor jedoch den einen oder anderen Lacher eingebracht haben. Der Autor muss ziemlich nah an die Produktion der Dachziegel gekommen sein. Falkenrich meint sogar, die Dachpfanne könnte aus der Alten Ziegelei Huckarde selbst stammen.

Ziegelbrenner aus Lüttich reisten an

Doch da widerspricht die Wittkamp?sche Chronik "1100 Jahre Huckarde" aus dem Jahr 1960, die Heimatforscher Peter G. Henning in seinem Archiv aufbewahrt. Dort hat der Hof Regenbogen ein eigenes Kapitel, weil die Familie Regenbogen, die in den Archiven seit 1410 geführt wird, eine der wichtigsten des Ortes war. Der Regenbogenhof war wohl neben dem Sadelhof einer der wichtigsten Höfe im Westen.

Aus der Chronik kann man erfahren, dass der Regenbogenhof 1825 durch eine Feuersbrunst komplett zerstört wurde. Der Hofherr Regenbogen ließ damals für den Wiederaufbau von zusammen neun Wirtschaftsgebäuden Ziegelbrenner aus Lüttich anreisen. Die brachten die Ziegel nicht mit, sondern brannten sie vor Ort. In dieser Aufbauphase muss der Dachziegel entstanden sein.

Mit 300.000 auf diese Weise selbst gebrannten Ziegelsteinen hatte der Regenbogenhof danach die massivsten Gebäude Huckardes.

Der Hof Regenbogen war wirtschaftlich so stark, dass er trotz des Brandes und der Kosten für den Neubau weiterhin der größte Steuerzahler in Huckarde blieb. Der jüngste urkundliche Eintrag aus dem Jahr 1836 weist für den Hof 15 Bewohner nach, davon sieben Angestellte.

Inhalt der Dachpfanne lange verschwiegen

Die Zeit des Regenbogenhofes endete erst nach dem Ersten Weltkrieg, als Theodor Regenbogen seinen Hof der Zeche Hansa abtrat und in einem Tauschgeschäft das Rittergut Opherdicke in Holzwickede übernahm.

Die Dachpfanne von Wilhelm Ferdinand Falkenrich schlummerte lange im Keller und wurde wegen ihres Inhaltes peinlich berührt verschwiegen, denn der Haushalt war sehr konservativ. "Meine Schwester ist im Kloster", sagt Falkenrich. Erst jetzt fiel das Brandgut wieder in seine Hände. Und jetzt fragt er sich: "Was kann man damit machen?" Der ehemalige Fischhändler hofft auf ein Museum oder einen privaten Sammler, der das Objekt würdig aufnehmen kann.

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