Den Eltern noch einmal "lebe wohl" gesagt

"Ich wusste gar nicht, was Krieg ist"

Dortmund - Gerda Nolte, geboren 1923. Kam aus Ostpreußen über viele Umwege nach Dortmund.

Am 27. Januar 1945 sagte ich meinen Eltern: Lebt wohl, ich will noch was von der Welt sehen und rücke aus. Ich war Kontoristin und arbeitete in der Dienststelle der Wehrmacht in Königsberg.

Von Bombenangriffen im Westen nur gehört

Krieg kannte ich nur als was ganz Schlimmes. Weiter nichts. Wir hörten immer nur aus Essen, dass Krupp angegriffen wurde. Ich wusste gar nicht, was das richtig ist. Zwar kamen die ersten aus dem Ruhrgebiet zu ihren Verwandten, aber was Krieg und Angriffe und Bomben sind, das kannte ich nicht.

Ich bin dann im Januar 1945 in Eiseskälte zum Bahnhof und von da aus in einen einfachen Soldatenzug. Weiter ging es hinterher mit dem Schiff.

Überlebende der Gustloff aufgesammelt

Unterwegs kamen wir an Danzig vorbei, da war gerade die Gustloff untergegangen. Das Personal von dem Schiff, auf dem ich war, nahm die Bilder und Familiensachen an sich. Sie sind runter ins Wasser, um noch ein paar zu retten. Unser Schiff hat noch acht Überlebende aufgenommen. Dann hielt unser Schiff in Stralsund.

Ich sollte mich als Wehrmachtsangehörige in Altenburg/Thüringen stellen bis zum 17. Februar. Vorher wollte ich zu Verwandten, die ich gar nicht kannte, nach Bebra. Als ich am 17. Februar losfuhr, hieß es: Sie müssen nach Schlesien. Da werden Sie gebraucht. Auf der Fahrt nach Schlesien bin ich in Dresden vorbei.

Durchfahrt durchs zerstörte Dresden

Da war der Bahnhof gerade bombardiert worden, alles war kaputt und ruhig. Solche Angriffe kannte ich ja gar nicht. Ich habe mich erschrocken und gedacht: Gott sei Dank passiert das nicht, wo du gerade hier bist. Ich habe erst viel später erfahren, was da los war. Das muss schlimm gewesen sein.

Dann komme ich in Bad Altheide an. Da hieß es: Unser Personal ist weg, Sie fahren morgen mit dem Motorrad nach Tschechien. Ich also mit dem Koffer hinten aufs Motorrad. Ich komme in Tschechien an, da hieß es wieder. Ausrücken, die Russen kommen. Am 7. Mai mussten wir wieder weg, möglichst nach Westen.

In Dortmund war noch sehr viel kaputt

Ich habe dann mehrere Jahre gearbeitet, bin dann aber arbeitslos geworden. Da schrieb mir eine Marienburger Freundin aus Waltrop: Komm ins Ruhrgebiet, ihr findest du Arbeit. Im Dezember 1951 bin ich nach Dortmund gekommen. Es war noch sehr viel kaputt. Der Westenhellweg, die Kampstraße, am Ostentor.

Von meinen Eltern habe ich nichts mehr gehört. Ich habe damals noch nicht begriffen, dass ich alleine war. Das hat gedauert. Ich habe mir immer eingebildet, dass ich sie wiedersehe. Sie sollten sich ja in Bebra melden, das war unser Treffpunkt. Aber es passierte nicht.

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