Erinnerung an NS-Verbrechen

Französische Erde ruht jetzt in der Bittermark

Dortmund - Mehr als 1000 Menschen gedachten am Karfreitag am Mahnmal in der Bittermark der Opfer des Nationalsozialismus. Die Gedenkstunde war diesmal mit einem besonderen Ereignis verbunden und wurde zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die deutsch-französische Freundschaft.

Vor zwei Wochen hat Bürgermeisterin Birgit Jörder höchstpersönlich an der Gedenkstätte für die französischen Zwangs- und Arbeitsdeportien auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris Erde gesammelt. Seit Karfreitag ruht die Erde in einer Urne in der Krypta des Mahnmals in der Bittermark, die vor genau 60 Jahren geweiht wurde und als französisches Territorium gilt. So wie auch Erde aus der Bittermark an der Gedenkstätte in Paris bewahrt wird.

Der "Bodentausch" sei ein "Zeichen der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland", erklärten sowohl Birgit Jörder als auch Nicole Godard, die Vize-Vorsitzende des Verbandes der Zwangs- und Arbeitsdeportierten Frankreichs in ihren Ansprachen vor mehr als 1000 Zuhörern beim Karfreitagsgedenken in der Bittermark. Und er zeige die enge Verbindung vieler Franzosen mit Dortmund und den Ereignissen in der Bittermark.

Fast 300 Todesopfer

In den letzten Tagen und Wochen vor dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 und dem damit verbundenen Ende von Krieg und NS-Zeit in Dortmund ließ die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hier, im Rombergpark und am Rande von Hörde fast 300 Menschen ermorden - neben Widerstandskämpfern auch viele Zwangsarbeiter aus der früheren Sowjetunion und Jugoslawien, aus Polen, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. An sie erinnert alljährlich zu Karfreitag eine Gedenkveranstaltung der Stadt vor dem Mahnmal in der Bittermark, die mit dem Einbringen der Erde aus Frankreich in diesem Jahr eine besondere Note erhielt.

Das geforderte Versprechen des damaligen Oberbürgermeisters Dietrich Keuning bei der Einweihung der Krypta vor 60 Jahren, alles zu tun, "um Gräueltaten, wie sie hier geschehen sind, in Zukunft zu verhindern", bestehe fort, stellte Birgit Jörder fest. "Besonders in der heutigen Zeit, in der Rechtspopulismus und Nationalismus in Europa Zulauf bekommen, müssen wir uns unserer Verantwortung stellen und für ein freies, solidarisches und demokratisches Europa eintreten."

Lob für "Botschafter der Erinnerung"

"Fanatische Extremisten vergiften Tag für Tag die Welt", beklagte auch Nicole Godard. "Es genügt nicht allein, die Erinnerung wachzuhalten", mahnte Ernst Söder, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee. Man müsse sich auch neuem Rassismus und Antisemitismus entgegenstellen.

Besonders hervor hoben alle Redner die Rolle der "Botschafter der Erinnerung", Jugendliche, die die Geschichte des Nationalsozialismus aufarbeiten und seit Jahren die Gedenkfeier in der Bittermark mitgestalten - in diesem Jahr gemeinsam mit Jugendlichen aus Frankreich. "Wir haben den Hass überwunden", lautete ihre Botschaft.

Lauf erinnert an Heinrich Czerkus

Verbunden mit der Gedenkveranstaltung war erneut der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf "gegen Rechts, gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung". Mehrere hundert Läufer, Wanderer und Radler wurden vor dem Stadion Rote Erde von den BVB-Idolen Siggi Held und Leonardo Dede auf die sieben Kilometer lange Strecke in die Bittermark geschickt.

Der zum 14. Mal veranstaltete Laufe erinnert an den früheren BVB-Platzwart Heinrich Czerkus, der im Widerstand gegen den Nationasozialismus aktiv war und zu den Opfern der Karfreitagsmorde von 1945 gehörte.Veranstalter sind die Naturfreunde Kreuzviertel, das Fan-Projekt, der BVB-Fanclub Heinrich Czerkus und der Borussia Dortmund.

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