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Fotomontage, Symbolbild

Ermittlungen laufen

Falscher Notruf - und was die Polizei nun tut

Waltrop - Nachzuweisen, wer die Feuerwehr zur Dresdener Straße „bestellt“ hat, ist schwierig. Gelingt es, wird’s teuer. Aber wie stehen die Chancen? Wir haben die Polizei um Stellungnahme gebeten.

Samstagmorgen (17.11.), 7.50 Uhr: Ein Anrufer wählt den Feuerwehr-Notruf (Tel. 112) und behauptet, dass es an der Dresdener Straße 8 brenne. Detailreich beschreibt er, dass der Hausflur stark verraucht sei, dass sich gar noch eine Person in dem brennenden Haus befindet. Als die Feuerwehr Minuten später eintrifft, stellt sich heraus: Es gibt kein Feuer, der Notruf war – nicht zum ersten Mal – böswillig und falsch. Nun hat die Polizei den Fall übernommen.

Missbrauch des Notrufs ist eine Straftat

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Polizeisprecherin Ramona Hörst, welche Mechanismen nun in ihrer Behörde in Gang gesetzt werden. Denn so viel ist klar: Der Missbrauch des Notrufes ist eine Straftat (§145, StGB) und wird von der Polizei verfolgt. „Wir haben inzwischen Anzeige gegen unbekannt gestellt“, sagt Hörst. Ein erster Schritt, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

In der Folge wird es aber deutlich komplizierter. Es geht darum herauszufinden, wer angerufen hat. Die Telefonnummer ist ein Indikator; aber nicht jede Nummer ist einem Namen zugeordnet – und wenn sie zugeordnet ist, heißt das noch lange nicht, dass der Besitzer auf dem Papier auch der Anrufer war. Zurück zum konkreten Fall: „Der Anrufer hat uns einen Namen genannt“, berichtet Ramona Hörst. Für die Behörde ein Ermittlungsansatz, wenngleich man davon ausgehe, dass dieser Name falsch gewesen sei, so Hörst weiter.

Es geht auch um Persönlichkeitsrechte

Richtig schwierig wird es, wenn es darum geht, den Täter zweifelsfrei zu überführen. Denn die „normalen“ Möglichkeiten der Polizei stoßen bei Ermittlungen, in denen es auch um Persönlichkeitsrechte geht, schnell an ihre Grenzen. Warum, das erklärt Ramona Hörst: „Auch wir dürfen nicht einfach Telefonnummern bewachen oder Daten abfragen.“ Heißt: Möchte die Behörde zum Beispiel detaillierten Einblick in Verbindungsnachweise, braucht es einen richterlichen Beschluss. Und den gibt es nicht einfach so, es muss schon ein begründeter Verdacht bestehen. Was unterm Strich bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein „böswilliger Anrufer“ nicht „mal eben“ überführt werden kann. Die Ermittlungen brauchen Zeit – und nicht immer sind sie am Ende von Erfolg gekrönt.

Schon der dritte Einsatz

Wie die Chancen in diesem Fall stehen, vermag Ramona Hörst noch nicht einzuschätzen. Man stehe ganz am Anfang der Ermittlungen, sagt sie. Etwas umfangreicher macht den Fall der Umstand, dass der falsche Notruf vom vergangenen Samstag nicht der erste war. Binnen weniger Monate wurden die Waltroper Einsatzkräfte wegen vermeintlicher Brände bereits dreimal zur Dresdener Straße gerufen – umsonst. So gelte es auch, die verschiedenen Anrufe abzugleichen. Gibt es womöglich Verbindungen?

Wird der Täter geschnappt, droht ihm eine saftige Strafe – und eine noch saftigere Rechnung. Prominenter Fall: Der falsche Bombenalarm vor Kurzem im Movie-Park. Hier hat die Polizei den Täter überführt. Das Gesetz sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vor. „Aber die Feuerwehr wird sicherlich auch noch eine Rechnung für den Einsatz schreiben“, sagt Ramona Hörst – genau wie ihre Behörde das übrigens gerade im Falle des Movie-Parks tut.

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