Erste Hilfe im Unterricht

Leben retten soll in NRW auf den Stundenplan

Dortmund - Schüler und Lehrer sollen in NRW intensiver als bisher im Unterricht als Ersthelfer ausgebildet werden. Notärzte erhoffen sich einen langfristigen Effekt, denn medizinische Laien retten in Deutschland seltener ein Leben als in anderen europäischen Ländern.

Ein Erlass des nordrhein-westfälischen Schulministeriums organisiert an den weiterführenden Schulen die Ersthelfer-Ausbildung neu. In Schulen mit mehr als 20 Lehrerinnen und Lehrern sollen bis zu 20 Prozent des Kollegiums eine Ersthelfer-Ausbildung absolvieren. Die Teilnahme liege "im dienstlichen Interesse", steht in dem Ende Januar 2018 herausgegebenen Erlass des Schulministeriums. Das gilt für öffentliche Schulen und für Privatschulen.

Die Pädagogen können auch eine "Lehrberechtigung" erwerben, um in den Klassen die Erste Hilfe unterrichten zu können. Über die Teilnahme entscheiden Schulleitung und Lehrerkonferenz. Auch der Lehrerrat ist zu beteiligen. Für die Unterrichts-Inhalte gelten die Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

In zunächst neun Unterrichts-Einheiten sollen Rettungsdienst-Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfallhilfe, der Malteser-Hilfsdienst und die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft auch die Schülerinnen und Schüler ausbilden und alle zwei Jahre fortbilden. Die jungen Ersthelfer erhalten eine Bescheinigung, auf Wunsch auch einen Vermerk im Zeugnis.

Schulleiter will bessere Ersthelfer-Ausbildung unterstützen

An der Marie-Reinders-Realschule im Dortmunder Stadtteil Hörde sind Erste-Hilfe-Angebote bereits etabliert, jedoch mit nur zwei Stunden. Schulleiter Jörg Skubinn nimmt den vom Berufsverband der Deutschen Anästhesisten Vorschlag für eine bessere Ersthelfer-Ausbildung gerne an: "Ein besseres Angebot ist genau das, was wir brauchen. Das lässt sich ohne weiteres organisieren, wenn man das will. Wir unterstützen das. Unsere Schüler interessieren sich ohnehin stark für Pflege- und Medizinberufe."

Erste Hilfe an Schulen steht im Koalitionsvertrag

"Dass die Erste-Hilfe-Ausbildung in den Schulen eine größere Rolle spielen soll, steht so im Koalitionsvertrag der NRW-Landesregierung. Die FDP hat das immer wieder zum Thema gemacht", sagt Daniel Kölle vom NRW-Schulministerium.

Als ärztlicher Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes berichtet der Notarzt Dr. Hans Lemke, dass Deutschland bei der Esten Hilfe durch Laien noch aufholen müsse: "Wir müssen in die Schulen, weil wir mit einer schnelleren Intervention durch Laien mehr Leben retten können. Die Laien-Reanimationsquote in Deutschland ist im Vergleich zu Europa extrem gering. Sie liegt bei nur 30 Prozent gegenüber den skandinavischen Ländern mit einer Laien-Reanimationsquote von 70 Prozent."

Für Dr. Lemke geht der neue NRW-Erlass jedoch nicht weit genug: "Der Erlass regelt leider nur die freiwillige Teilnahme an der Aus- und Fortbildung für Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Schulsanitätsdienstes. Unser Bestreben war es, eine einmal jährliche Pflichtfortbildung für alle Schüler ab der 7. Klasse in den Lehrplan integriert zu bekommen." Andere Bundesländer seien da schon weiter.

52 Wiederbelebungs-Spezialisten aus ganz Deutschland haben darüber beraten, wie die Erste Hilfe ausgebaut werden könnte und ein Ziel festgelegt: Laien und Ärzte sollen 10.000 Leben mehr retten können, wenn sich das Zusammenspiel von privaten Ersthelfern und den Profis verbessere. Dr. Hans Lemke: "Wenn Laien mit der Herz-Druck-Massage beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft, dann haben die Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand eine dramatisch bessere Überlebens-Chance."

Dortmund will Herzpatienten in Notfällen besser versorgen

Während einer auf drei Jahre angelegten Studie wollen Notärzte und Krankenhaus-Kardiologen In Dortmund, Aachen, Gütersloh und Kiel die Rettungskette zwischen Laien-Ersthelfern und Medizin-Profis optimieren. Dafür setzen sie eine technische Reanimations-Hilfe ein, die den Patienten während des Transports fortwährend zu reanimieren versucht. In Dortmund sind acht Reanimationshilfen im Einsatz.

Ersthelfer und Mediziner müssen pro Jahr auf rund 90.000 akute Herzstillstände reagieren. "70 Prozent der Herzstillstände ereignen sich Zuhause", begründet Dr. Hans Lemke die Notwendigkeit einer intensiveren Ersthelfer-Ausbildung in Deutschland. Der Herztod sei die häufigste Todesart. "Er kommt weitaus öfter vor als der Tod nach einem spektakulären Verkehrsunfall", sagt der Notfall-Mediziner.

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