Explosionsgeräusche in Hacheney

Polizei trainiert in der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung

Dortmund - Da bekamen die Mitglieder der Bezirksvertretung aber ganz große Ohren. Anwohner der Glückaufsegenstraße berichteten von Schüssen in der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung in Hacheney.

Bescheid wusste von den Politikern scheinbar niemand. Auch Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris tappte bei der Angelegenheit völlig im Dunkeln und Verwaltungsstellenleiter Ulrich Spangenberg schaute etwas verdutzt. "In der letzten Zeit sind dort an verschiedenen Tagen Schießübungen gemacht worden", sagt Inge Petry.

Die wohnt in der direkten Nachbarschaft des früheren EAE-Geländes. Hier waren bis Herbst 2016 noch Flüchtlinge untergebracht. Danach stand die ehemalige Gehörlosenschule leer.

Autos fuhren auf das Gelände

Zurück zu den Schüssen. "Wir dachten zunächst, dass das etwas mit den Arbeiten auf dem Wilo-Gelände zu tun hatte", sagt Petry. Hatte es aber nicht. Denn immer, wenn auf dem Gelände viele Autos vorfuhren, ging es dort los.

Und das hat auch alles seine Richtigkeit. Das bestätigte zumindest ein Sprecher des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei in Nordrhein-Westfalen, kurz LAFP mit Sitz in Brühl. Und zwar handelt es sich um Übungen der Polizei NRW, die landesweit für den Erstfall trainiert. Das geschehe immer in verschiedenen Lokalitäten an verschiedenen Orten. Die Polizei vor Ort sei davon immer in Kenntnis gesetzt. Das Training findet etwa in stillgelegten Fabriken statt oder eben auch in der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung in Hacheney.

Polizei weiß über die Übungen bescheid

Das ganz Jahr über ist das der Fall. Bescheid wisse da in der Regel nur die Polizei. Es komme schon einmal zu solchen Situationen, dass Bürger etwas davon mitbekommen, in der Regel würde es aber kaum jemand merken. Die Übungen der Polizei seien ja auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Die Pressestelle weist aber noch einmal drauf hin, dass nie eine Gefahr für die Bürger und die trainierenden Polizisten bestehe.

Vor Ort würde lediglich Übungsmunition benutzt. Fakt ist aber, dass diese Situationen regelmäßig vorkommt. Vermutlich auch noch einmal in Hacheney. Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris, mit der Antwort aus Brühl konfrontiert, platze dann der Kragen. "Ich finde, dass das eine unfassbare Frechheit ist, dass die Bürger nicht Bescheid wissen, was in ihrer Nachbarschaft vor sich geht." Es würden dort Ängste geschürt, das sei nicht nötig. Und wie heikel die Situation vor Ort den Anwohnern vorkommt, das sei aus den Schilderungen der Anwohner zu entnehmen, die sich in der Sitzung der Bezirksvertretung zu Wort gemeldet hatten.

Zukunftsplanung für das Gelände

Wie ein Überfallkommando müsse die Situation gewirkt haben. Sicherheitskräfte schirmten den Bereich ab. Zahlreiche Privatfahrzeuge fuhren in Richtung Erstaufnahmeeinrichtung. "Das erste Mal über die Glückaufsegenstraße, dann wohl immer über die Rügecke", so eine weitere Anwohnerin. Die Schüsse und Explosionen blieben. Bei der Stadt Dortmund weiß man im übrigen Bescheid über die Übungs-Tätigkeiten der Polizei auf dem Gelände. "Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, dass dies alles heimlich geschieht", sagt Michael Meinders, Pressesprecher der Stadt. "Das Ganze ist mit dem Liegenschaftsamt abgesprochen worden. Aber mit bestimmten Auflage."

Und es sei kommuniziert worden, dass es in der Zeit, in der die EAE noch nicht abgerissen sei, dort eben solche Übungen stattfinden würde. "Das wurde von der Fachverwaltung auch in Richtung Bezirksvertretung kommuniziert. Im Zusammenhang mit der Zukunftsplanung für das Gelände", sagt Meinders.

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