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Prof. Klaus-Uwe Koch (l.) und sein Mitarbeiter Ingo Schollmeyer präsentieren Herstellungsstationen zum neuen Klebstoff: Von der weißen Polymilchsäure (v. l.) und dem bernsteinfarbenen Basispolymer des Fraunhofer-Instituts (M. l.) bis zur dunkelbraunen Klebemasse (M. r.) und der dünnen Klebeschicht auf einer Folie (v. r.).

Fachbereich Chemie

Ein neuer Kleber – nach 300 Rezepten

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RECKLINGHAUSEN - Prof. Koch hat einen biobasierten Klebstoff entwickelt – drei Absolventen haben über das Projekt Jobs erhalten.

Klaus-Uwe Koch lacht. „Ein Chemiker muss kochen können“, sagt er – auch mit Blick auf seine gerade fertiggestellte Arbeit. Der Chemie-Professor an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen hat einen speziellen Kleber entwickelt – „Juwenol“ ist das Ergebnis von etwa 300 Rezepturen, die der 59-Jährige zuvor getestet hat.

Klebebänder, Etikette für Marmeladengläser, Haftnotizzettel, Zierleisten für Autos: Für Haftschmelzklebstoffe gibt es jede Menge Einsatzmöglichkeiten. Das Spezielle an dem Kleber, den Klaus-Uwe Koch entwickelt hat, ist seine Grundlage: Er ist biobasiert, der erste Kleber auf Zuckerbasis wie Maisstärke. Das entsprechende modifizierte Basispolymer auf Grundlage von Polymilchsäure hat das Fraunhofer-Institut in Oberhausen geliefert.

Wieder vergleicht Koch seine Arbeit mit dem Kochen: „Das Polymer, das wir erhalten haben, ist wie ein speziell gepflegtes Stück Rind. Und dieses müssen wir dann braten, würzen, zum leckeren Steak zubereiten.“ Da werden Additive, Stabilisatoren und Klebrigmacher hinzugefügt, die Zutaten für eine optimale Verarbeitung – für das funktionstüchtige Kleben. Oder auf den Kochbereich übertragen: Das Rezept für das genussvolle Essen.

Doch das Vorgehen ist kompliziert, Stichwort: 300 Rezepturen. Da wird im eigens hergestellten Heizblock gemischt, da wird eine dünne Klebeschicht auf eine Oberfläche aufgetragen und die Klebekraft geprüft. Schließlich müssen die richtigen Entscheidungen getroffen werden, um eine Verbesserung für das jeweils nächste Rezept zu erreichen.

„Biobasiert und gleichzeitig dauerhaft klebend – das ist schwierig“, weiß Klaus-Uwe Koch. Doch das Ergebnis, zu dem auch mehrere Industriepartner beigetragen haben, kann sich sehen lassen: Kochs Innovation im Bereich der biobasierten und ohne Lösungsmittel produzierten Haftschmelzklebstoffe gibt der Industrie nun die Möglichkeit, Kleber auf einer anderen Rohstoffbasis herzustellen. Koch: „Wir haben gezeigt, dass die Technik geht. Sache der Industrie ist jetzt das fertige Produkt, sozusagen das Essen für die Verbraucher.“

„Den Nachwuchs für die Industrie ausbilden“

Westfälische Hochschule und Fraunhofer-Institut haben ein gemeinsames Patent für das spezielle Polymer, zur Zeit laufen Gespräche mit Industriepartnern. Die Aussichten auf eine wirtschaftliche Nutzung sind gut, heißt es an der Hochschule, zumal Klaus-Uwe Koch im Laufe des Projekts bereits Kontakt zu mehr als 60 deutschen Klebstoffherstellern und Dienstleistern im Klebstoffbereich hatte.

Die Wertschätzung der Industrie zeigt sich auch an der Jobvermittlung durch das Projekt: Drei Absolventen der Westfälischen Hochschule, die im Rahmen der Klebstoff-Entwicklung ihre Masterarbeit geschrieben haben, arbeiten jetzt in klebstoffproduzierenden Unternehmen – natürlich auch aufgrund ihrer entsprechenden Praxiserfahrung. Für Koch ist eine solche Hilfestellung beim Übergang ins Arbeitsleben wichtig und selbstverständlich: „Genau das ist unser Job an der Hochschule: Den Nachwuchs für die Industrie auszubilden – auch, um von den entstandenen Ausbildungskosten etwas Nützliches an die Gesellschaft zurückzugeben.“ So betont Klaus-Uwe Koch die Praxisorientierung an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen – sowohl im Bachelor-Studiengang „Chemie“ als auch im Master-Studiengang „Polymerchemie“.

Das reicht von Laborprojekten bis zu Bachelorarbeiten im Zusammenhang mit Industrie-Praktika. Zudem liegt ein Schwerpunkt auf praxisrelevanten Studienprojekten – zum Beispiel, wie sich die Tragfähigkeit von Holzkonstruktionen verbessern oder die Prüfung von Klebstoffen an Autos vereinfachen lässt. Koch: „Wir wollen die Studierenden durch unsere Themen interessant machen für die Industrie.“

Der achte und letzte Teil der Serie erscheint am Mittwoch, 14. November. Thema: „Das Sprachenzentrum – an der Westfälischen Hochschule ist Internationalität Pflicht“

Alle Teile der Hochschul-Serie finden Sie auch im Internet unter

Besonders gesucht seien zurzeit Hochschul-Absolventen im Bereich der Polymerchemie, betont der Professor. Dabei seien die Jobs oft im Management, in der Organisation der Chemie-Projekte. „Man lässt dann kochen“, schmunzelt Klaus-Uwe Koch, fügt aber hinzu: „Es ist natürlich trotzdem wichtig, die Laborarbeit zu kennen.“ Getreu seinem Motto: „Ein Chemiker, der nicht kochen kann, ist kein Chemiker.“

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