Familiendrama

20-Jähriger sticht auf Mutter ein – Gerichtsurteil

RECKLINGHAUSEN. - In rasender Wut stach der Sohn immer wieder mit einem Messer auf seine Mutter ein. Dass die Frau die Tat überlebt hat, gleicht einem Wunder.

Es war ein beinahe tödliches Familiendrama: Im vergangenen August hat ein Ex-Jura-Student aus König Ludwig seine Mutter mit einem Messer angegriffen. Am Donnerstag ist der 20-Jährige verurteilt worden. Die Strafe: zwei Jahre und zehn Monate Jugendhaft. Außerdem haben die Richter am Amtsgericht Recklinghausen die Unterbringung des drogenkranken Recklinghäusers in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Dass die Mutter des Angeklagten die Tat überlebt hat, gleicht einem Wunder. Die Herzkammer war getroffen, die Leber, der Bauch. Die Narben, die durch großflächige Hauttransplantationen entstanden sind, sind so schlimm, dass selbst der erfahrende Rechtsmediziner Dr. Andreas Freislederer geschockt war. „Wir müssen hier von einer ganz extremen Verunstaltung sprechen“, sagte er den Richtern. „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.“

Weil Bauchdecke und Muskeln nicht mehr vorhanden sind, muss die 53-Jährige ein Korsett tragen. Hinzu kommen die psychischen Probleme. Schließlich war es der eigene Sohn, der immer wieder auf sie eingestochen hat. „Es ist eine schlimme Sache. Es tut mir leid. Ich weiß nicht, was ich dazu sonst noch sagen soll.“ Diese Sätze hatte der 20-Jährige seiner Mutter kurz vor der Urteilsverkündung noch einmal unter Tränen gesagt. Hintergrund der Bluttat war ein schon lange währender Streit. Die Mutter hatte ihrem Sohn am Tattag wieder einmal Vorwürfe gemacht. Weil er nur noch faul im Bett lag und Drogen konsumierte. Vor allem Amphetamin und Valium. Daraufhin war der 20-Jährige ausgerastet.

„Ich war rasend vor Wut“, hatte er den Richtern erklärt. Dabei hatte er seine Jugend eigentlich toll gemeistert: Abitur mit 1,7 - anschließend sofort zur Uni. Doch genau dort kam er offenbar nicht zurecht. Irgendwann ging er nicht mehr zu den Vorlesungen, wurde zum Einzelgänger, verließ am Ende kaum noch die Wohnung. Drogen und Computerspiele wurden mehr und mehr zum Mittelpunkt seines Lebens. „Er hat den Tag-Nacht-Rhythmus komplett umgekehrt“, hieß es im Prozess. Außerdem stritt er mit seiner Mutter um die Lebensversicherung des Vaters, der spurlos verschwunden ist. Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung.

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