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Derby-Diskussion: BVB-Fanabteilung bittet um mehr Ruhe

DORTMUND - Die Beteiligten sollten runterfahren und wieder miteinander ins Gespräch kommen - dazu ruft die BVB-Fanabteilung in der Diskussion um das Revierderby am vergangenen Samstag auf. Das beträfe auch das Verhältnis zwischen Polizei, Vereinen und Fans. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema sowie zum Standpunkt der Fanabteilung der Borussen.

Borussia Dortmunds BVB-Fanabteilung: Wer ist das?

Kein freier Fanclub und kein Fanprojekt, sondern eine offizielle Abteilung des Vereins. 17.000 von 153.000 BVB-Mitgliedern gehören der Abteilung an. Alle zwei Jahre wählen sie den aus fünf Mitgliedern bestehenden Vorstand. Die Fanabteilung arbeitet ehrenamtlich und ist eine Schnittstelle zwischen Mitgliedern, Fans und Verein.

Was sagt die Fanabteilung zur aktuellen Debatte?

Im Nachgang zu einer Pressemitteilung der Polizei haben wir mit den Vorstandsmitgliedern Beatrix Schleiken, Tobias Westerfellhaus und Torsten Schild gesprochen. Sie sagen: "Die Diskussion muss in ruhiges Fahrwasser geführt werden. Alle müssen mal innehalten und aufeinander zugehen."

Mit ihrer am Dienstag nach dem Derby veröffentlichten Pressemitteilung und dem Ruf nach härteren Sanktionen wie lebenslang gültigen Stadionverboten habe die Dortmunder Polizei jedoch keinen Beitrag zur weiteren Deeskalation geleistet. Ein lebenslänglich dauerndes Stadionverbot könne nicht einmal der DFB verlangen. Die Forderung sei "außerhalb der Rechtmäßigkeit" - "wie soll man sich da noch mit der Polizei zusammensetzen?", fragt der Vorstand.

Wie bewertet die Fanabteilung die aktuellen Forderungen der Polizei?

Kleinere Kartenkontingente für Gästefans bei Risikospielen, ein personalisierter Kartenverkauf oder auch lebenslange Stadionverbote "bekämpfen nicht die Ursache des Problems", sagt Tobias Westerfellhaus dazu. Den Problemen müsse anders begegnet werden.

"Alle" sollen besonnen handeln. Welchen Part schreibt die Fanabteilung dabei der Polizei zu?

Die Polizei müsse ihre eigene Kommunikation infrage stellen. Sie könne nicht mit einer Presseinformation wie am Dienstag vorpreschen und sagen: "Wir sind immer dialogbreit." Dass das Schalker Fan-Projekt zwei Tage vor dem Spiel aus dem Arbeitskreis Derby ausgestiegen ist, sei bedenklich. Denn: "Beim Fan-Projekt in Gelsenkirchen arbeiten Sozialpädagogen. Wenn die aus dem Arbeitskreis aussteigen, muss es triftige Gründe geben", sagt Torsten Schild. Tobias Westerfellhaus: "So ein Ausstieg ist die höchste Eskalationsstufe. Er wird Hand und Fuß haben, sonst macht sich so ein Fanprojekt unglaubwürdig."

Überprüfen müsse die Polizei auch die Dimension ihrer Einsätze, um Überstunden und lange Anreisewege zu reduzieren. "Truppen mit Helmen" seien von der Willkommenskultur weit entfernt. Es gebe ausreichend Spiele, bei denen die Polizei ihr Personal reduzieren könne. Für das Derby gelte das nicht. Da seien zu viele Emotionen im Spiel.

Wie können Borussia Dortmund und Schalke 04 zu einer ruhigeren Debatte beitragen?

"Indem sie besonnen handeln und nicht öffentlich auf die Forderungen aus einer Pressemitteilung der Polizei eingehen", so Westerfellhaus. Die Lösungen müssten gemeinsam erarbeitet werden und sollten nicht durch populistische Aussagen vorangetrieben werden.

Die Kommunikation wirkt festgefahren. Woran liegt das?

Fanvertreter halten Gesprächspartnern - darunter dem DFB - vor, ihnen nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Sie würden nicht ernst genommen. Laut Fanabteilung führe ein Weg heraus: "Alle müssen den offenen Dialog suchen und sich von gewohnten Bildern lösen."

Eine Rolle spielen aus Sicht der Fanabteilung auch Medien. Welche?

Tobias Westerfellhaus beobachtet eine "extrem oberflächliche und schlagzeilenorientierte Berichterstattung". Das habe sich nach den Ereignissen beim BVB-Heimspiel gegen RB Leipzig im Februar gezeigt. Häufig werde Hintergrundwissen fehlen.

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