Fiese Masche

76-jährige Dortmunderin wird von "Putzfrau" bestohlen

Kreis RE - Eine vermeintliche Haushaltshilfe hat in Dortmund eine 76-jährige Frau bestohlen. Ihre Versicherung will den Schaden nicht ersetzen, weil sie die Täterin freiwillig in die Wohnung gelassen hat.

Es ist ein Fall, der betroffen macht: Kurz vor Weihnachten wird eine 76-jährige Dortmunderin mit einem noch immer entzündeten Arm aus dem Krankenhaus entlassen. Die Hausarbeit fällt ihr schwer, dankbar nimmt sie das Angebot einer „Putzfrau“ an. Nach dem Probe-Putzen wird klar: Die adrett gekleidete Haushaltshilfe ist nicht aufs Staubsaugen und Abledern spezialisiert, sondern als Diebin ins Haus gekommen.

Die Masche ist nicht gänzlich neu, aber ebenso mies wie der „Enkel-Trick“, mit dem Betrüger gezielt Senioren ausnehmen. „Falsche Putzfrauen“ sind im Zuständigkeitsbereich des Recklinghäuser Polizeipräsidiums – Kreis RE plus Bottrop – noch nicht aufgefallen. Wohl aber hat man hier schon Beute aus einem Fall aus dem Bereich Borken aufgespürt. Anders in Dortmund: „2018 war das kein Einzelfall“, berichtet Polizeisprecherin Cornelia Weigandt, „im Herbst hatten wir fünf Fälle. Die Täter nutzen Zeitungsinserate und Aushänge am Schwarzen Brett im Supermarkt, um an Namen heranzukommen.“

Im aktuellen Fall aus Dortmund-Barop hat die Diebin ihr späteres Opfer angerufen und behauptet: „Ich habe an der Bushaltestelle erfahren, dass es Ihnen nicht so gut geht, und kann meine Hilfe anbieten.“ Entweder hat sie tatsächlich Informationen, dass es der 76-Jährigen gerade nicht gut geht – oder zufällig richtig getippt. „Ich war wirklich nicht gut zurecht und froh darüber, dass mir jemand den Haushalt macht.“

Der Polizei ist bekannt, dass spezialisierte Banden gezielt nach Vornamen suchen

Dann steht „Elena“ vor der Tür. Zum „Probe-Putzen“. Wie kommt die freundliche Anruferin an die Rufnummer? Über das Telefonbuch oder die Suche im Internet. Längst ist der Polizei bekannt, dass spezialisierte Banden gezielt nach Vornamen suchen, die auf ein höheres Alter schließen lassen. Wer Horst oder Hannelore statt Kevin oder Eileen heißt, kommt eher als Opfer in Frage.

„Sie gab an, schnell putzen zu können. Ich habe ihr gesagt: lieber gründlich“, berichtet die Seniorin in Dortmund über den ersten Kontakt zur freundlich und seriös auftretenden „Putzfrau“. „Ich habe für Weihnachten dekoriert. Sie hat geputzt und war wirklich schnell.“ Dann wird es verdächtig still, die Haustür ist offen, Eimer und Schrubber stehen noch im Flur. Nur „Elena“ ist weg. Und mit ihr nach dem „Probe-Putzen“ 220 Euro Bargeld, die goldene Armbanduhr des Ehemannes, eine BVB-Dauerkarte…

-Ruft eine „Haushaltshilfe“ an, ohne dass dies vereinbart worden ist, rät die Polizei: Alle Informationen notieren, die Polizei über den Notruf ( 110 verständigen.

-Bei persönlichem Kontakt: Ausweis zeigen und Telefonnummer geben lassen (Nummer ausprobieren). Verweigert die Putzfrau die Herausgabe der Daten, sollten die Alarmglocken schrillen. Angehörige, Freunde, Nachbarn hinzuziehen.

Die Seniorin stellt fest: „Diese Frau war sehr raffiniert. Türschränke hat sie geöffnet und durchsucht, während der Staubsauger lief. Die Wohnungstür hat sie nur angelehnt, damit ich das Schließen nicht höre. Inzwischen ärgere ich mich über mich selbst, dass ich so arglos war, während die Freude, jemanden zum Putzen da zu haben, groß war.“ Ihre Versicherung ersetze den Schaden nicht, da sie die Täterin freiwillig in die Wohnung gelassen habe. Ein Einbruchsdiebstahl scheide also aus. „Man liest von solchen Fällen in der Zeitung und sagt sich: Mir passiert das nicht. Jetzt weiß ich es besser.“ (RN/tf)

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