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„Esst weniger Fleisch, aber besseres“, so lautet das Motto im Filetshop, wo Shopleiter Jan Bruss und seine Kollegen 80 Fleischsorten anbieten.

"Filetshop" im Saarlandstraßenviertel

Mann mit Filetsophie gewinnt Westfälischen Handelspreis

DORTMUND - Als Martin Hesterberg 2011 den "Filetshop" im Saarlandstraßenviertel startete, wurde er belächelt: Edles Fleisch wie Koberind und Ibericoschwein in Dortmund verkaufen? Oh je, viel Glück dabei! Inzwischen laufen der Laden und andere Geschäfte gut - und Hesterberg erhielt am Mittwoch den Westfälischen Handelspreis 2017.

Früher wäre Martin Hesterberg vielleicht irgendwann bei „Wetten, dass..?“ gelandet: Er behauptet, nur am Geruch von Fleisch dessen Art zu erkennen – und, welche Fütterung das Tier vor seiner Schlachtung erhalten hat. Bei „Wetten, dass..?“ hätte Hesterberg seine Wette vermutlich gewonnen, Thomas Gottschalk hätte „Respekt, mein Lieber!“ gesagt und ihm etwas zu oft und etwas zu kräftig auf die Schulter geklopft.

Nun, es kam anders: Gottschalk moderierte die Show, die längst eingestellt wurde, 2011 zum letzten Mal – in dem Jahr, als Hesterberg mit wenig Eigenkapital und ohne Kredit an der Saarlandstraße sein Geschäft „Der Filetshop“ eröffnete.

Das ist nicht nur bemerkenswert, weil Hesterberg bis dahin im Sicherheitsgewerbe große Veranstaltungen betreute und anschließend Bauelemente verkaufte – er mit Fleisch mithin also nur privat als Esser zu tun hatte. Nein, bemerkenswert ist die Gründung eben auch, weil viele Menschen Hesterberg rieten: „Mach‘ so was in Hamburg, Düsseldorf, Köln – aber doch nicht in Dortmund.“ Das tat der heute 41-Jährige dennoch, und nach einer Filiale in Essen eröffnete er 2015 zudem „Die Steakakademie“ in der Nähe des Revierparks Wischlingen.

Handelsverband: Es wird Opfer geben

All das erfuhren etwa 120 geladene Gäste am Mittwochmittag im Westfälischen Industrieklub, wo Hesterberg der Westfälische Handelspreis 2017 verliehen wurde. Zuvor sprach unter anderem Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des gastgebenden Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland. Der Handel verzeichne seit Jahren steigende Umsätze – wer das feiere und ansonsten die Augen verschließe, so Schäfer, verkenne aber, dass das Wachstum vor allem über den Online-Handel kommt.

Der Strukturwandel im stationären Handel dagegen „wird seine Opfer fordern“. Bei Händlern, aber auch bei Kommunen und Immobilienbesitzern, die mit Leerständen zu kämpfen haben, sowie bei Bürgern, wenn ihnen plötzlich die Einzelhändler fehlen.

Der Handel, mahnte Schäfer, brauche Rechtssicherheit „bei den wenigen verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr“, freies und flächendeckendes, leistungsfähiges Internet sowie schnelle Zufahrtsmöglichkeiten in die Städte. Und zudem: „Emotionen, Begegnungen und Erlebnisse“.

Die Nominierten: Faire Mode, Kamine, Senf

Diese Dinge bieten viele Einzelhändler – fünf von ihnen waren für den Westfälischen Handelspreis nominiert. Heinz-Herbert Dustmann stellte sie in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Handelsverbands vor, parallel sahen die Gäste Bewegtbilder aus den Geschäften.

Nominiert waren Andrea von der Heydt mit ihrem Kaufhaus „FairBleiben“ für faire Mode in Dortmund, Rainer Waldschmidt mit seinem alteingesessenen Dortmunder Geschäft für Kamine, Öfen, Saunen und Grills, Annett Kynci mit ihrem „Senfladen“ aus Unna sowie Sabine und Wilfried Lentz aus Hamm mit ihrem Buchhandel BUK.

"Filetshop"Fleisch kommt aus 25 Lieferanten aus 11 Ländern

Weil aber, wie damals bei „Wetten, dass..?“, nur einer gewinnen konnte, entschied sich die Jury für Hesterberg. Ihr imponierte, wie der mittlerweile diplomierte Fleisch-Sommelier für Qualitätssicherung sorgt: Er kennt seine 25 Lieferanten aus 11 Ländern persönlich und besucht regelmäßig die Züchter und Schlachtereien, von denen er Fleisch bezieht.

Im Laden an der Saarlandstraße erhalten Kunden 80 Fleischsorten, die Steakakademie ist Grill- und Kochschule, Event-Location und Catering-Restaurant. Überall geht es um Genuss und gute Produkte, Hesterbergs „Filetsophie“ beruht auf hochwertigem Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren.

Motto "Esst weniger Fleisch, aber besseres"

Das Motto „Esst weniger Fleisch, aber besseres“ mögen selbst Vegetarier, sagt Hesterberg. Er hat 36 Mitarbeiter, bald öffnet aber ein Laden in Unna, weitere könnten hinzukommen. Der Firmensitz bleibe jedenfalls Dortmund, wo sich gutes – und entsprechend teures – Fleisch eben doch verkauft.

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