+
Auf den RAG-Flächen zwischen der Autobahn 42, Rhein-Herne-Kanal und Emscher soll die künftige „Freiheit Emscher“ entstehen.

"Freiheit Emscher"

Neues Zentrum soll auf alten Kohlelagern entstehen

  • schließen

ESSEN/BOTTROP - Auf einem 1700 Hektar großen Areal zwischen den Städten Bottrop und Essen soll bis zum Jahr 2027 ein neues städtisches und wirtschaftliches Zentrum entstehen: die „Freiheit Emscher“.

„Wir sind überzeugt, dass wir eine Lösung gefunden haben, wie wir diesen Dschungel lichten und für eine neue, strahlende Zukunftsvision nutzen können“, erklärte der Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) jüngst bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie auf dem ehemaligen Bergwerk Prosper II. „Neue Mobilität“ und „digitale Arbeit“ sind die Schlagworte, mit denen die Planer ihr Modellprojekt überschrieben haben. Das hört sich zweifellos innovativ an. Aber was steckt konkret dahinter?

Die Arbeit der Zukunft: Markus Masuth, Chef von RAG-Immobilien, der das Vorzeigeprojekt bei der großen Investorenmesse Expo Real in München vorstellte, wird da schon konkreter. Statt auf Autohändler, Baumärkte oder Schwerindustrie wolle man bei dem Projekt auf neue „wissensintensive“ Branchen wie die Medizintechnik, innovatives Handwerk und Starts-ups oder den 3D-Druck setzen, kündigte Masuth an. Auch die Universität in Essen und die Hochschule in Bottrop sitzen mit im Boot. Insgesamt sollen fünf Indus-trie- und Gewerbegebiete mit einer Gesamtfläche von 155 Hektar entwickelt werden.

Das Verkehrs-Konzept: Die fünf Industrie- und Gewerbeflächen werden einerseits durch eine „Umwelttrasse“ für Radfahrer, ÖPNV und emissionsfreie Autos und Busse, andererseits durch einen breiten „Gewerbeboulevard“ erschlossen. Dieser soll dafür sorgen, dass der Lkw- und Wirtschaftsverkehr auf dem kürzesten Weg auf die Autobahn abgeleitet wird. Voraussetzung dafür ist die neue Anschlussstelle „Freiheit Emscher“, die an der A42 („Emscherschnellweg“) geplant ist. Diese soll laut OB Tischler bis 2027 fertiggestellt sein.

Das Städtebau-Konzept: Im Gegensatz zur Monotonie mancher herkömmlicher Gewerbegebiete soll in der „Freiheit Emscher“ ein hochwertiges Umfeld geboten werden: Zwischen Rhein-Herne-Kanal, Essener Stadthafen und dem renaturierten Emscherlauf soll auf 70 Hektar Fläche ein modernes Quartier entstehen. „Nukleus“ heißt der Attraktionspunkt, der Tausende Arbeitsplätze direkt am Wasser sowie Gastronomie und Freizeitangebote entlang der Uferpromenade bieten soll.

Das Freiraum-Konzept: Entlang des Kanals und der renaturieren Emscher soll ein neuer Grünkorridor entstehen, deren Nutzung heute etwa durch die abgesperrten Kohlelager oder existierende Industriegebiete versperrt ist. Auch die Lücke im Emscherpark-Radweg kann dann geschlossen werden. Doch Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Essen, denkt noch weiter: Er empfiehlt „Freiheit Emscher“ für die Internationale Gartenbau-Ausstellung (IGA), die 2027 in der Region präsentiert wird.

Das Finanzproblem: Was zur Umsetzung der Machbarkeitsstudie noch fehlt: das Geld. Allein der Um- und Neubau der Infrastruktur kostet in den nächsten zehn Jahren „einen hohen dreistelligen Millionenbetrag“. Ein Betrag, den die klammen Revierkommunen Bottrop und Essen unmöglich stemmen können. OB Kufen setzt auf Hilfen aus Berlin und Brüssel. Und er spekuliert darauf, dass die „Freiheit Emscher“ ein Leitprojekt der Ruhrkonferenz wird. Mit dieser Einrichtung will die NRW-Landesregierung dem Ruhrgebiet nach dem Ende des Steinkohlebergbaus eine neue Perspektive geben. RAG-Immobilienchef Masuth prescht voran: „Noch in diesem Jahr rollen auf der Fläche Emil-Emscher die ersten Bagger“, betont er. „Schon ab 2020 wollen wir mit der Vermarktung der Fläche beginnen.“

Freiheit Emscher: Der Zeitplan

Bis zum Jahr 2022 sollen die Welheimer Mark (Ansiedlungsfläche 18 ha) vollständig und 50 Prozent der Flächen von Emil-Emscher (26 ha) erschlossen sein.

Ab 2025 wird das Gewerbegebiet Prosper II (15,5 ha) vermarktet, vornehmlich für Handwerk, Dienstleistungen und Freizeitwirtschaft.

Bis 2027 werden der Nukleus Freiheit Emscher mit der Promenade am Rhein-Herne-Kanal auf den RAG-Flächen Sturmshof (25 ha) sowie Hafen Coelln-Neuessen (34,5 ha) sowie die restlichen Flächen von Emil-Emscher erschlossen.

Zuvor wird das Projekt an die Infrastruktur angeschlossen – u. a. mit Autobahnanschlüssen an die A42 und die künf- tige A 52 (heute B 224).

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

"Olaf" lässt grüßen: Das ist der Sieger-Schneemann bei der Winterwelt am Rathaus Herten
"Olaf" lässt grüßen: Das ist der Sieger-Schneemann bei der Winterwelt am Rathaus Herten
Online-Voting: Wer sind die Sportler des Jahres 2019 im Kreis Recklinghausen?
Online-Voting: Wer sind die Sportler des Jahres 2019 im Kreis Recklinghausen?
Edeka-Parkplatz: Parkscheibe ist jetzt Pflicht - Knöllchen gibt es "herkömmlich"
Edeka-Parkplatz: Parkscheibe ist jetzt Pflicht - Knöllchen gibt es "herkömmlich"
Recklinghausen lockt mit verkaufsoffenem Sonntag in die Altstadt - und mehr
Recklinghausen lockt mit verkaufsoffenem Sonntag in die Altstadt - und mehr
Eskalation bei Polizeikontrolle in Bottrop - Verkehrsrowdy in U-Haft: Er hat ein langes Vorstrafenregister
Eskalation bei Polizeikontrolle in Bottrop - Verkehrsrowdy in U-Haft: Er hat ein langes Vorstrafenregister

Kommentare