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Kleine Schritte ergeben auch einen Meter: Jutta Metz (l.) und Jörg Smits (r.) stellen das Verpackungssystem der Kreishaus-Kantine um, Janina Smits (2.v.l.) und Jule Feja haben das Erklär-Plakat für die Gäste gestaltet.

Von „Fridays for Future“ inspiriert

So wird in der Kreishaus-Kantine zukünftig Müll vermieden

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RECKLINGHAUSEN - Ab Mitte Mai wird das Verpackungssystem der Kantine und Caféteria im Kreishaus komplett umgestellt: Es geht darum, Verpackungsmüll zu vermeiden, auf Plastik zu verzichten.

Jörg Smits und Jutta Metz machen kein großes Aufheben um das, was sie im Kreishaus Recklinghausen ab Mitte Mai starten. Ab dann wird das Verpackungssystem in ihrer Kantine und Caféteria komplett umgestellt: Smits bietet Mehrweg-Transportbehälter für Außer-Haus-Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis an, gerne können Kunden aber auch eigene Töpfe oder Tupperdosen mitbringen.

Es geht darum, Verpackungsmüll zu vermeiden, auf Plastik zu verzichten. Sind im Einzelfall Einwegverpackungen unverzichtbar, gibt’s Gefäße auf Zuckerrohrbasis – auswaschbar, aber am Ende der Nutzung auch abbaubar. Klingt nach Mikrokosmos, im konkreten Fall aber macht es die Masse. Die Kreishaus-Kantine steht nicht nur Verwaltungsmitarbeitern offen, sondern jedermann. „Wir geben weit mehr als 1000 Mahlzeiten pro Woche aus, jeden Tag gehen 40, 50 Essen außer Haus“, erklärt Jutta Metz auf Anfrage. „Man muss dabei ja nicht unbedingt Plastik nutzen – wir stehen aus Überzeugung hinter der Umstellung.“

An dieser Stelle verknüpfen sich nur scheinbar lose Fäden: Janina Smits, 19 Jahre jung, und ihre Freundin Jule Feja (18) haben das Erklär-Plakat für die Verpackungsumstellung entworfen. Was Wunder, hat doch Jule am Max-Born-Berufskolleg in RE Gestaltungstechnik gelernt.

Keine unzumutbaren Einschränkungen

Alles hängt mit Allem zusammen: Die Berufskollegschülerinnen nehmen in Kauf, für die Teilnahme an „Fridays for Future“-Demonstrationen als „Schulschwänzerinnen“ diffamiert zu werden. Sie sagen, dass sie es satt haben, dass über Umwelt- und Klimaschutz gesprochen wird, aber aus ihrer Sicht nicht gehandelt. „Als Janina gesagt hat ,Mensch Papa, das ist unsere Welt‘ war das für mich der letzte Anstoß“, berichtet Küchenmeister Smits. „Es ist höchste Zeit, umzudenken“, fordert die 19-jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Plastikmüll reduzieren und bewusst konsumieren – das sind doch keine unzumutbaren Einschränkungen.“

Janina Smits besucht wie viele angehende Kaufleute das Kuniberg-Berufskolleg in RE, Ausbildungsschwerpunkte sind Verwaltung und Wirtschaft – man darf davon ausgehen, dass sie sich neben „Fridays for Future“ auch mit Zahlen auskennt. Daraus, dass auch er die Kosten bei der Umstellung im Blick haben muss, macht Jörg Smits keinen Hehl – und auch nicht aus dem Aufwand. „Das Kassensystem muss umprogrammiert werden, noch haben wir herkömmliches Verpackungsmaterial im Lager, das wir loswerden müssen. Es war schwierig, überhaupt Produkte auf Zuckerrohrbasis zu finden, die praxistauglich und eben biologisch abbaubar sind. Wir sind schließlich im Internet fündig geworden.“

Und da sind dann noch die Kunden – nehmen sie das Neue an? Inklusive einer „Plakstiktüten-Gebühr“ wie im Supermarkt, wenn jemand partout nicht darauf verzichten möchte? 2020 ist der Küchenmeister seit 20 Jahren für die Kreishaus-Kantine verantwortlich, zum Job gehört, dass er es wohl niemals allen wird recht machen können. Klagen einige über zuviel Salz, ist anderen die Speise zu fad; dem einen fehlt Fleisch, dem anderen ist es zu viel. Alles muss frisch und lecker sein, der Preis natürlich niedrig. Zuschüsse für die Mahlzeiten gibt es vom Kreis nicht – auch wenn Kantinen heute sogar für die Personalgewinnung eine Rolle spielen können. Davon aber, dass die Verpackungsumstellung bei den Kunden ankommt, gehen Jutta Metz und Jörg Smits aus: „Bei den Leuten setzt ein Umdenken ein.“

Dass überzählige Lebensmittel ohnehin an die Gastkirche in RE gespendet werden und Salat- und Gemüsereste ans Tierheim gehen, ist auch Teil dieser kleinen „Future“-Geschichte…

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