Fußballverein mit eigenem Bier

Kemminghauser Kicker präsentieren ihr VfL-Pils

Kemminghausen - Die Kicker des Fußballvereins VfL Kemminghausen lassen sich in Hagen ihr eigenes Bier brauen. Schon vor der offiziellen Präsentation des VfL-Pils' kommt Begeisterung auf.

Nach intensiver Internet-Recherche waren die Fußballer des VfL Kemminghausen von ihrer Einzigartigkeit überzeugt und ließen diese Auffassung gleich mal auf das rückseitige Flaschenetikett drucken: "Das VfL-Pils ist das erste und bislang einzige Bier eines Amateur-Fußballvereins in Deutschland" steht dort geschrieben. Ob zwischen Flensburg und Passau tatsächlich keine anderen Kicker ihr eigenes Bier trinken, kann kaum überprüft werden. Fest steht indes: Beim Spiel gegen den FC Zweckel soll der Sieg am Sonntag erstmals mit dem Kemminghauser Vereins-Pils begossen werden.

Erste Kostprobe

Die offizielle Vorstellung des vereinseigenen Getränks erfolgt somit zum Landesliga-Rückrundenstart, wobei die Betonung auf "offiziell" liegt. Denn nach der Anlieferung sah die noble Flasche mit dem schlichten Etikett dann doch zu verlockend aus, um nicht ein wenig davon zu kosten. "Die ersten, die es probiert haben, waren begeistert", sagt Gerhard Wegner, Abteilungsleiter Fußball. Und Kassierer Stanislaw Filipecki - ganz Schleckermäulchen - fügt an: "Ein Edeltröpfchen!"

Liebe zum Stadtteil

Warum sich die Verantwortlichen für ein eigenes Bier entschieden, ist ebenfalls auf dem Etikett zu lesen: "Wir drücken mit diesem Pils die Liebe zu unserem Stadtteil und unserem Verein aus." Wie es aber letztlich dazu kam, dass die 0,3-Liter-Flaschen nun im Kühlschrank des Vereinsheims auf Abnehmer warten, bedarf einer etwas längeren Erklärung.

Am Anfang standen Gespräche mit Christopher von Wantoch, der an der Bayrischen Straße einen Rewe-Markt betreibt und bereits Erfahrung mit außergewöhnlichen Speisen und Getränken besitzt: Unter dem Namen "Evinger Grubengold" verkauft er unter anderem Bier, Spirituosen und Pralinen. Die Frage, was man speziell für den VfL machen könne, stand im Raum - und von Wantoch musste nicht lange überlegen: "Fußball und Bier, das passt wie die Faust aufs Auge." Als die Google-Suche dann auch noch ergab, dass erstaunlicherweise noch kein anderer Verein auf diese Idee gekommen ist, stand fest: Ein Pils soll es sein!

Brauer sagt prompt zu

Ein Unternehmen, das auch Bier in kleineren Mengen produziert, war dank von Wantochs Beziehungen schnell gefunden: die Vormann-Privatbrauerei in Hagen-Dahl. "Kein Problem", lautete die Antwort des Braumeisters, der zugleich eine zügige Lieferung noch vor Weihnachten in Aussicht stellte. Und das hätte auch geklappt, wäre es bei der Druckerei nicht zu Verzögerungen gekommen.

Die zeichnete neben dem von Carsten Wiggers entworfenen Logo mit dem Untertitel "Gretelweg aus Leidenschaft" auch für das rückseitige Etikett verantwortlich. Um das hatte sich Experte von Wantoch gekümmert, denn wie bei Weltmarken muss auch eine Pilsflasche in kleinster Auflage über Standards wie den EAN-Strichcode, Inhaltsstoffe oder den Alkoholgehalt verfügen. Letztgenannter kann sich mit 5,1 Prozent übrigens durchaus sehen lassen.

Ein frisches Pils

Etwas verwirrend kommt hingegen das Mindesthaltbarkeitsdatum daher, denn das erscheint mit dem 1. Mai doch relativ früh datiert zu sein. "Es handelt sich um ein frisches Bier, das nicht filtriert wird", erklärt von Wantoch, "deshalb ist es nicht so lange haltbar wie andere Pilssorten."

So dauerte es also etwas länger, bis von Wantoch 40 Kisten VfL-Pils in Hagen abholen konnte, von denen 20 am Sportplatz Gretelweg und 20 im Evinger Rewe-Markt verkauft werden.

Flasche als Souvenir

Nicht zuletzt aufgrund der Gourmet-Flasche, wie das Behältnis in Fachkreisen tatsächlich genannt wird, ist das VfL-Pils mit 2 Euro inklusive Pfand etwas teurer als das Bier, das der Verein seit jeher verkauft. Dass ein großer Teil der Flaschen aber nicht zurückgegeben wird, da ist sich Kassierer Filipecki sicher: "Viele werden Interesse an dem Etikett haben und die Flasche mitnehmen."

Zunächst möchten die VfL-Verantwortlichen jedoch abwarten, wie das Bier am Sonntag bei den Fußballfans ankommt. "Wenn es gut angenommen wird, machen wir weiter", sagt Wegner; und wenn irgendwann die fünfte oder sechste Fuhre bei der Vormann-Brauerei abgeholt werde, müsse man über eine Patentierung des Markennamens nachdenken, kommt es scherzhaft aus der Runde.

Vorsorge für den Notfall

Und selbst dem schlechtesten Fall kann von Wantoch noch etwas Gutes abgewinnen: "Wenn alle Stricke reißen und bis zum Ablaufdatum am 1. Mai noch nicht das ganze VfL-Pils verkauft sein sollte, dann treffen wir uns am 30. April hier und trinken sämtliche Reste."

Diese Aussage wird allgemein mit zufriedenem Kopfnicken quittiert.

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