11. Gaudium im Mengeder Volksgarten

Allerlei kurioses Volk im mittelalterlichen Dorf

Mengede - Gesinde und edle Leut, Handwerker und Händler, Schankwirte und Versorger, Musikanten und Gaukler. Das Mengeder Gaudium: 600 mittelalterliche Leut bespielen den Mengeder Volksgarten als große Bühne. Die Organisaton ist ehrenamtlich, der Eintritt frei - das Spektakel im weiten Umkreis einzigartig.

Der Auftakt zum 11. Mengeder Mittelalterlich Gaudium hätte kaum besser sein können: Hochsommerliche Wärme liegt in den Straßen, über dem Gelände wabern Rauchschwaden, Trommelwirbel und Dudelsackklänge erklingen von der Bühne. Schon zur Mittagszeit zieht es am Donnerstag tausende Besucher auf das Festgelände im Volksgarten. Die Kennzeichen der Autos auf den Parkplätzen verraten: Viele Mittelalterfans kommen von auswärts. Sie schätzen das viertägige Spektakel.

"Das ist eine super Veranstaltung", sagt Reiner Barth. "Sie ist kostenlos und es wird viel geboten." Das Gaudium ist vor allem eines: familiär. Die rund 600 Lagerer, Handwerker, Händler und Versorger feiern Wiedersehen. Sie kennen sich seit Jahren. Und wie sie auf die jungen und alten Besucher zugehen, ist jeder in der großen "Familie Gaudium" willkommen. Vor allem Eltern mit Kindern prägen das Bild auf den acht Meter breiten Straßen des Dorfes.

Drei Tonnen Bierzelt-Garnituren

Vor dem Lager der Dortmunder Stadtwache steht Joachim Lindenhofer und näht. "Ich habe die Dortmunder bei einem Fest in Frankreich kennengelernt", sagt er. Nun ist er im zweiten Jahr von Wien nach Mengede gekommen. "Es macht einfach nur Spaß und ich habe gleich noch einen Kollegen mitgebracht."

Schankwirt Holger ("der") Kühne betreibt die große Taverne. Er ist an jedem Wochenende auf Mittelaltermärkten und Bierbörsen. "Auf keinem anderen Markt bekomme ich so viel Fläche wie hier. Und das ist gut. Die Gäste brauchen Platz." Der große Stand mit 24 Zapfstellen, die Stehtische und Bierzeltgarnituren: Der Sohn eines Stellmachers hat alles selber gebaut. Mit zwei großen LKW und einem Sprinter mit Anhänger hat er die Taverne vom sächsischen Wurzen her transportiert. Drei Tonnen wiegen allein die massiven Bierzeltgarnituren aus Baumhälften und -scheiben. Im Service der Taverne arbeiten Studenten und junge Lehrer aus Dortmund.

Seine Lustigkeit hält Hof

Ein paar Meter weiter spielt die Gruppe Fafnir auf. Mitten im Publikum. "Die gehören zum Gaudium wie das Gras hier auf der Wiese", sagt Gaudium-Cheforganisator Detlef Huß. Rund 100 ehrenamtliche Helfer sorgen mit ihm und Ehefrau Erika für einen reibungslosen Ablauf.

"Seine Lustigkeit" Sepp Egner ist schon von Weitem zu hören. "Zieh Weib", ruft der Hofnarr aus Neuburg an der Donau aus einem Leiterwagen. Die Narrenkappe auf dem Kopf und die Gitarre auf den Schoß, treibt er seinen Schalk. Gemeinsam mit Ehefrau Kerstin begeistert er mit Stand-up-Comedy und Kindertheater. Bei Umzug ist er kaum größer als die Trommel, die er trägt. "Hier komme ich nach Hause", sagt er.

Mäuseroulette für Jung und Alt

Vor dem Lager der Gruppe Elffeast sitzt Hanns-Jürgen Westhoff. "Ich bin hier der Lageropa", sagt der 64-Jährige. "Wenn etwas kaputt geht, ich repariere es." Oder er schneidert Wikingertaschen - an diesem Mittag für ein Smartphone.

Am Ende der Straße ist ein Tisch mit Sonnenschirm dicht umlagert. Walter Rath zieht junge und alte Besucher mit dem "Mäuseroulette" in seinen Bann. Seit Jahren ist er dabei. "Die ganze Nacht lag ich im Bette und betete ?Oh Herr, schick Zuschauer bitte.'" Sein Gebet wurde erhört.

Gebratenes aus dem "Spätzlegebirge"

Bei den Versorgern ist Bio, Vollwert und vegane Kost im Trend. Stefanie, Nadine und Thom bieten frisch zubereitete Spätzler an - wahlweise mit Käse, Wildschweingulasch oder gebratenem Speck. "Wir kommen aus dem Spätzlegebirge mit den sieben Spätzlezwergen", sagt Stefanie. Die Magdeburgerin lacht. Die Zutaten? "Hartweizengries, Sojamilch und Zauberkräuter - mehr verrat ich nicht."

Viele Besucher suchen in der Mittagszeit einen schattigen Platz unter den Bäumen oder Zeltdächern. Bei Met, mittelalterlichem Bier, vor allem aber kühlem Mineralwasser lauschen sie der Moderation von Geschichtenweber Daniel Roling-Tandaniel. Zu jedem Auftritt der Solokünstler, Duette und Gruppen erzählt er kleine mittelalterliche Anekdoten.

Pestzug beendet den Abend

Das Programm ist minutiös bis in die späten Abendstunden. Beim Tavernenspiel treten alle Musiker noch einmal auf. Von der Bühne ziehen sie die Besucher in den Tavernenbereich, um Platz zu machen für die Feuershow. Doch mit dem Spektakel vom "Stamm Khamsim" ist noch nicht Schluss.

Teilnehmer aus verschiedenen Lagern haben einen Pestzug inszeniert. Laut rufen sie nach einem Arzt, weil ein "Kind aus Castrop-Rauxel" von der Pest befallen ist. In der hereinbrechenden Nacht bespielen das gesamte Festgelände mit dem schwarzen Tod - einem dunklen Kapitel des Mittelalters.

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