18. Geburtstag an Neujahr

Das macht Dortmunds Millennium-Baby heute

DORTMUND - Er war Dortmunds erstes Baby des neuen Jahrtausends: Maurice AndréLesnewski wurde am 1.1.2000 um 2.21 Uhr im Klinikum geboren. Solch ein Geburtsdatum könne viel Glück bedeuten, sagte sein Vater damals. Davon könnte Maurice zu seinem 18. Geburtstag etwas gebrauchen.

Um Punkt 2.21 Uhr werden Bianca und André Lesnewski in der Neujahrsnacht eine Rakete steigen lassen. Wie jedes Jahr. Um 2.21 Uhr wurde vor 18 Jahren ihr Sohn Maurice geboren. Als erstes Millennium-Baby Dortmunds. Dieses Mal schießt die Rakete das erste Jahrtausend-Kind der Stadt in die Volljährigkeit.

Obwohl er in Dortmund der Schnellste war und per Kaiserschnitt auf diese Welt geholt wurde, war es für Maurice ein Stolperstart ins Leben. Seine Mutter war damals 17 und lebte im Vincenzheim, sein Vater gerade mal 18, beide selbst noch Kinder. Maurice wurde mehr auf der Schatten- als auf der Sonnenseite des Lebens groß. Für ihn "eine normale Kindheit".

Mit 17 zuhause ausgezogen

Während die Sonne in das Fenster des kleinen Wohnzimmers scheint, sitzt Maurice auf dem grauen Stoffsofa und sinniert: "Das Leben beginnt. Und wird ein bisschen ernster. Die Kindheit bleibt ein Stück hängen." Sie hängt vor allem in der kleinen Wohnung auf der zweiten Etage eines sechsstöckigen Hauses in Wickede.

Maurice wohnt nicht mehr hier. "Ich wollte mit 17 von zuhause weg und habe angefangen, mein eigenes Leben zu führen." - "Das liegt wohl in den Genen", sagt Mutter Bianca.

Seit März lebt er mithilfe des Jugendamtes in einer eigenen Wohnung in der Nordstadt. Eine Trainingswohnung zum Erwachsenwerden. Da muss er raus, wenn er 18 ist. Und wie es aussieht, wird er erst mal zum Vater ziehen, der fünf Minuten entfernt wohnt. Maurice ist ihm wie vom Buckel gehüpft, wurde schon wiederholt für seinen jüngeren Bruder gehalten.

Mit Problemen geht Maurice zur Mama

Maurices Eltern haben seit drei Jahren getrennte Wohnungen, sind aber eine Familie, zu der inzwischen auch die gemeinsamen Söhne Justin (13), Joanoel (7) und Luiz (2) gehören. Der fünfte Sohn kommt im Februar. Die harmonisch wirkende Familie kann in den beengten Verhältnissen wohl nicht mit-, aber auch nicht ohne einander.

Das Besondere in seinem Leben, sagt Maurice, sei "der Zusammenhalt der Familie. Trotz aller Schwierigkeiten." "Family" steht in Holzbuchstaben mitten in dem mehrteiligen Bilderrahmen, der über dem Sofa hängt. Er hat ihn mal seiner Mutter zum Geburtstag geschenkt. "Ich bin gerne hier", sagt er, "komme gern vorbei, auch wenn es nur 20 Minuten sind." Mamas Wort zähle. "Ich werde mit 30 noch mit meinen Problemen zu Mama gehen."

Auch wenn Maurice laut Mutter Bianca "ein pflegeleichtes Kind" war - vor allem zuletzt säumten Probleme seinen Lebensweg. Im vergangenen April hat er nach elf Jahren die Schule geschmissen. Eigentlich sei er dort "ganz erfolgreich" gewesen, sagt seine Mutter, "er hat viele Auszeichnungen und Urkunden erhalten und auch Mathe-Wettbewerbe gewonnen."

Maurice rappt als "44 Joker"

Zwischenzeitlich war er in mehreren Arbeitsmaßnahmen. Für sein Hobby Fußball - Verteidiger mit starkem rechten Fuß bei der DJK Eintracht Dorstfeld - blieb keine Zeit mehr. Die nimmt er sich für sein zweites Hobby: Musik. Maurice rappt seit einem halben Jahr. Mit eigenen Texten und Liedern. "44 Joker" nennt er sich, hat auf Youtube zwei Tracks hochgeladen.

Auf dem Sofa wirkt er unter seiner Kappe schüchtern, geradezu zart und verletzlich. Wenn er rappt, zeigt er ein anderes, ein selbstbewusstes Ich. Kostprobe: "Ich hole mir meinen Teil, ich gehe raus und zeige den Leuten, dass ich es drauf habe?" Der Rap ist ein Ventil für ihn: "Das hilft im Alltag, wenn ich was erlebt habe, wenn was stressig wird."

Ziel: eine Ausbildung als Koch oder Restaurantfachmann

Sein Ziel ist gesetzt: 2018 will er eine Ausbildung anfangen. In der Gastronomie. "Als Restaurantfachmann oder Koch." Er habe schon Praktika absolviert und als Aushilfe gearbeitet. "Für mich ist die Arbeitszeit kein Problem. Ich weiß, was auf mich zukommt." Das werde er durchziehen, sagt er, als müsse er sich selbst davon überzeugen, "und dann Geld sparen, sparen, sparen."

Maurice ist glühender BVB-Fan. "Borussia Dortmund ist der einzig wahre Verein auf Erden", schwärmt er, "da gab es auch noch nie einen besseren." Doch nicht nur der Fußball verbindet ihn mit seiner Stadt."Einmal Dortmund, immer Dortmund", sagt er, "für mich wird es wahrscheinlich keine andere Stadt geben. Das ist mein Zuhause."

Es wird nicht bei einer Rakete bleiben

"Maurice ist ein netter junger Mann geworden", sagt seine Mutter nicht ohne Stolz, "er würde sein letztes Hemd für seine Freunde geben." "Ich bin ganz der Meinung meiner Frau", unterstreicht der Vater. Und auch darüber sind sich Maurices Eltern einig: Wenn sie am 1.1.2018 um 2.21 Uhr traditionell die Rakete starten, "wird es nicht bei einer bleiben."

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