Gefälschte BVB-Plakate

Bekennervideo liefert kaum neue Anhaltspunkte

DORTMUND - Vor anderthalb Wochen, 11. Mai, hingen am Heimspielsamstag des BVB lauter vermeintliche BVB-Plakate in der Dortmunder Innenstadt: Sie zeigten Stars wie Mario Götze, die klar Stellung gegen die rechtsextreme Szene in Dorstfeld bezogen – bloß waren die Plakate gefälscht. Einige Tage später kursierte im Internet ein Video, das Unbekannte beim Aufhängen der Plakate in Werbevitrinen und an Wänden zeigt.

Die Polizei Dortmund habe die Prüfung des Videos abgeschlossen, sagte auf Anfrage jetzt Sprecher Gunnar Wortmann. Wirklich weiter hilft das bei den Ermittlungen offenbar nicht. Denn die Männer in Warnwesten, die in dem Film zu sehen sind, wie sie Plakate aufhängen, sind nicht zu erkennen. Und mithin für die Polizei kaum zu identifizieren. Zwar haben sich die Künstlerkollektive „Rocco und seine Brüder“ aus Berlin und „Modus“ als Urheber des Videos bekannt – wer dahinter steht, ist aber nicht bekannt. An konkrete Personen heranzukommen, sei auch für die Polizei „nicht so einfach“, sagt Wortmann.

Die Künstlerkollektive haben dem Spiegel eine Bekennermail geschickt, in der sie sich erklären. Man habe auf den Rechtsradikalismus, der ein großes Problem in Dortmund sei, hinweisen wollen: „Wir sind schockiert, wie frei sich der Rechtsradikalismus in der Stadt bewegen kann“, zitiert die Spiegel-Redaktion aus dem Schreiben. In dem Video zur Plakataktion sind Ausschnitte zu sehen, die die von Nazis bewohnten Häuser in Dorstfeld sowie Aufmärsche von Rechtsextremen zeigen.

Klage wird aufrecht erhalten

Der BVB sei nicht Ziel ihrer Kritik gewesen, schreiben die Urheber in ihrer Mail; der BVB sei nur „wenn auch unfreiwillig, unser Sprachrohr“ gewesen. Dass Nazis in Dortmund offen ihre Gesinnung zeigen könnten, während die Polizei nun gegen das illegale Anbringen der Plakate ermittelt, sei „symptomatisch für die Stadt“, zitiert der Spiegel aus der Mail.

Dass die Polizei mehr als den üblichen Aufwand in die Ermittlungen steckt, darf indes bezweifelt werden. Das Unternehmen Wall, dessen Werbevitrinen die Guerilla-Plakatierer zweckentfremdet hatten, erhält seine Anzeige zwar aufrecht. Man wolle deutlich machen, dass das Öffnen der Vitrinen Unrecht war, sagt Wall-Pressesprecherin Frauke Bank. Erhebliche Schäden gab es allerdings nicht. Bei der Polizei seien „keine relevanten Zeugenhinweise“ auf die Plakatierer eingegangen, sagt Sprecher Gunnar Wortmann. Womöglich auch, weil viele Dortmunder die klare Botschaft gegen Rechts auf den gefälschten Plakaten gut fanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - jetzt ermittelt die Polizei
30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - jetzt ermittelt die Polizei
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Live-Ticker: Hier ist was los auf den Fußballplätzen im Vest Recklinghausen
Live-Ticker: Hier ist was los auf den Fußballplätzen im Vest Recklinghausen
Jäger warnt vor mehreren Wildschweinen in Suderwich: Tiere können gefährlich werden
Jäger warnt vor mehreren Wildschweinen in Suderwich: Tiere können gefährlich werden
Einbrecher verwüsten Vereinsanlage - das ist beim SV Titania in Oer-Erkenschwick passiert
Einbrecher verwüsten Vereinsanlage - das ist beim SV Titania in Oer-Erkenschwick passiert

Kommentare