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„Nichts für sensible Gemüter“: Beschimpf-ungen von Autofahrern musste auch Frank Rohde schon ertragen.

Gefahren und Beschimpfungen

Bauarbeiten auf der Autobahn: "Nichts für sensible Gemüter"

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REGION - Als ihn der Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos streifte, wurde Frank Rohde schmerzhaft bewusst, wie gefährlich sein Beruf sein kann. Der 41-jährige Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW war gerade an der A43 vor dem Herner Kreuz mit Grünschnittarbeiten beschäftigt, als es brenzlig wurde. „Ein paar Zentimeter näher und ich hätte ernsthaft verletzt werden können“, sagt Rohde, der bei der Autobahnmeisterei in Dorsten als Straßenwärter tätig ist.

Das Risiko, tödlich zu verunglücken, ist für Beschäftigte der Straßen- und Autobahnmeistereien dreizehnmal höher als in anderen gewerblichen Berufen – so die Statistik. Erst am 26. Oktober war ein Mann beim Rückbau einer Baustelle auf der A 3 von einem Lkw erfasst und getötet worden, berichtet der Landesbetrieb. 19 Beschäftigte von Straßen.NRW seien seit 1993 bei Unfällen durch Fremdverschulden ums Leben gekommen. „Die Unfallzahlen sinken zum Glück“, betont Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen.NRW, bei einem Pressetermin auf dem Gelände der Autobahnmeisterei Dorsten. „Aber das heißt nicht, dass die Arbeit ungefährlicher geworden ist.“

Zur größeren Sicherheit trügen vielmehr eine wirksamere Baustellensicherung, besser ausgestattete Arbeitsfahrzeuge und eine aufwendige Schutzausrüstung bei. So sind Absperrtafeln und langsam fahrende Arbeitsgeräte heute mit CB-Warnfunk ausgestattet. Lkw-Fahrer können auf diese Weise akustisch auf eine nahende Baustelle aufmerksam gemacht werden. Warnschwellen vor den Einsatzorten der Straßenmeistereien rütteln auch noch den letzten Autofahrer wach. Und damit die Mitarbeiter gerade in der dunklen Jahreszeit nicht übersehen werden, werden sie jetzt mit LED-beleuchteten Warnwesten ausgestattet.

„Wenn du hinfällst, hast du verloren“

„Unsere Mitarbeiter arbeiten für die Verkehrssicherheit und damit zum Wohl aller Autofahrer“, gibt Straßen.NRW-Chefin Elfriede Sauerwein-Braksiek zu bedenken. „Sie haben Respekt verdient.“ Das sagt sie nicht ohne Grund. Denn die Kollegen und Kolleginnen würden in den Baustellen offen angefeindet, weil Verkehrsteilnehmer sie für Verzögerungen und Behinderungen verantwortlich machten. Davon kann auch Frank Rohde ein Lied singen. Seit 1997 ist der Dorstener als Straßenwärter auf heimischen Autobahnen tätig. Er berichtet von Beschimpfungen sowie fliegenden Dosen und Flaschen. „Für sensible Gemüter ist das nichts“, meint er. „Aber wir stehen darüber.“

Mehr Lastwagen unterwegs

Angesichts des Verschleißes des Straßennetzes gibt es immer mehr Baustellen auf NRW-Autobahnen. Auch der Anteil des Lkw-Verkehrs nimmt zu. Das sind nach Angaben von Straßen.NRW Faktoren, die die Arbeit der Straßen- und Autobahnmeistereien belasten. Um den Berufsverkehr nicht noch mehr zu stören, werde zunehmend nachts gearbeitet. Das betreffe mittlerweile 45 Prozent aller Baustellen (2009: 32 Prozent). Doch Nachtbaustellen bergen ein besonderes Risiko für die Mitarbeiter, erläutert Elfriede Sauerwein-Braksiek. „Die Sicht ist schlecht und die Geschwindigkeit mancher Autofahrer irre hoch.“ Die Straßen.NRW-Direktorin appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, in den Baustellen das Tempo zu reduzieren und Abstand zu halten.

Frank Rohde geht trotz allem nicht mit einem schlechten oder gar ängstlichen Gefühl zur Arbeit. Er ist ein erfahrener Straßenwärter. „Aber das, was man tut, darf man niemals zur Routine werden lassen“, betont er. Und einige Tipps gibt er gerne an Berufseinsteiger weiter. Ein ganz wichtiger lautet, niemals über die Autobahn zu rennen. „Wenn du hinfällst, hast du verloren“, sagt der 41-Jährige.

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