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Über Aus- und Weiterbildung sprachen André Kleingarn und Lars God (Stolzenhoff) mit Anke Traber, Sandra Breidenbach und Stefan Bunse (Arbeitsagentur, v.l.).

Gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Arbeitsagentur wirbt für Weiterbildung Geringqualifizierter

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KREIS RE - Die Arbeitslosenquote im Kreis liegt aktuell bei 8,7 Prozent – und damit um 0,2 Punkte höher als im Dezember. Insgesamt sind im Kreis 28.448 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 887 mehr als im Dezember – aber 3274 oder 10,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

„Über 3000 weniger: Das ist schon eine Nummer“, sagt Anke Traber, Leiterin der Arbeitsagentur Recklinghausen mit Blick auf die erfreuliche Entwicklung in 2018. Von der haben gerade auch die Langzeitarbeitslosen profitiert. Deren Zahl ist im Januar nahezu unverändert geblieben – aber mit rund 14.600 viel zu hoch. „Das beschäftigt uns sehr“, so Traber. Zumal der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Jobsuchenden im Durchschnitt des vergangenen Jahres im Vest bei 54,2 Prozent lag – „und damit so hoch wie sonst nirgendwo in Deutschland“.

Fortgeschrittenes Alter, fehlende Ausbildung, psycho-soziale Probleme: In der Sprache der Arbeitsmarkt-Profis sind das „Vermittlungshemmnisse“. Langzeitarbeitslose, die im Vest zumeist vom Jobcenter betreut werden, haben oft mehrere davon. Sie trotzdem mit den ja händeringend Fachkräfte suchenden Betrieben zusammenzubringen, sieht Traber als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Hohe Erwartungen verknüpft sie in diesem Zusammenhang mit dem sozialen Arbeitsmarkt, der Hartz-IV-Empfängern den Übergang in eine reguläre Beschäftigung ermöglichen soll.

"Präventiv tätig werden"

Ein anderer Ansatz: „Präventiv tätig werden, dafür sorgen, dass gering qualifizierte Beschäftigte gar nicht erst arbeitslos werden. Denn ohne Ausbildung würde ihnen sonst später die Langzeitarbeitslosigkeit drohen“, sagt Stefan Bunse, Leiter der Agentur-Geschäftsstelle Castrop-Rauxel und Datteln.

Ein Instrument ist hier „WeGebAU“. Die Abkürzung steht für die „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“. Stolzenhoff – ein stark wachsendes Catering-Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten für Fleischwaren, hauseigener Konditorei sowie Patisserie in Lünen – gibt im Rahmen dieses Programms gerade drei ungelernten Männern die Chance, über eine Teilqualifizierung eine Ausbildung zum Berufskraft- bzw. Servicefahrer zu machen. Die Männer verdienen dabei als Helfer mehr, als sie es als normale Lehrlinge tun würden – und können ihre Ausbildung über einen längeren Zeitraum in einzelnen Modulen machen. Die Arbeitsagentur beteiligt sich bei „WeGebAU“ sowohl an den Weiterbildungs- als auch Lohnkosten.

„Früher liefen Aus- und Weiterbildung bei uns eher nebenher“, sagt Lars God, Betriebsratsvorsitzender bei Stolzenhoff. Doch weil es so schwierig sei, Fachkräfte zu bekommen und zu halten, setze man jetzt ganz stark auf die Qualifizierung.

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