Geldstrafe für BVB-Fan

Das Vermummungsverbot gilt auch auf dem Weg zum Fußballspiel

Vermummen verboten: Ein Bundesliga-Fußballspiel ist eine öffentliche Veranstaltung. In Dortmund brauchte es zwei Instanzen, um dies gerichtlich festzustellen. Ein BVB-Fan wurde nun bestraft.

Der 32-jährige BVB-Fan aus Sölde war am 25. November 2017 zusammen mit mehreren Dutzend anderen BVB-Anhängern durch das Kreuzviertel zum Signal-Iduna-Park gezogen. Sein Ziel: das Derby gegen den FC Schalke 04. Dass das Spiel trotz 4:0-Führung noch 4:4-Unentschieden enden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand.

In dem Pulk entschied sich der BVB-Anhänger dazu, seine Kapuze tief ins Gesicht zu ziehen und gleichzeitig seinen schwarzen Schal über der unteren Hälfte des Gesichts zu tragen. "Ich habe mich vermummt", gab der Angeklagte am Dienstag ganz offen zu. "Ich habe das in erster Linie zum Selbstschutz gemacht. Man wird heutzutage sehr schnell von der Polizei verfolgt, obwohl man gar nichts getan hat."

Fan-Marsch vor dem Derby

Das Problem des Fans war nur: Die Polizei entschied sich nach Durchsicht der Videoaufnahmen, die routinemäßig bei solchen Einsätzen gefertigt werden, gerade wegen der Vermummung dazu, gegen den 32-Jährigen zu ermitteln. Der Fall landete schließlich bei der Staatsanwaltschaft, die beim Amtsgericht eine schriftliche Verurteilung zu 400 Euro Geldstrafe beantragte.

Der zuständige Amtsrichter sah sich jedoch außer Stande, den Fan zu bestrafen. Auch in der Verhandlung am 4. Juli stellte er sich auf den Standpunkt: Ein Fußballspiel im Signal-Iduna-Park ist keine öffentliche Veranstaltung im Sinne des Gesetzes. Es könne nämlich tatsächlich nicht jeder ins Stadion kommen, wenn er denn eine Eintrittskarte habe.

In der Hausordnung sei eindeutig niedergeschrieben, dass Zuschauern, die erkennbar dem links- oder rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen seien, der Eintritt verwehrt werde. Nach Ansicht des Amtsrichters widerspreche das dem Charakter der Öffentlichkeit.

Amtsgericht hatte noch freigesprochen

Nachdem das Amtsgericht also einen Freispruch verkündet und die Staatsanwaltschaft dagegen Berufung eingelegt hatte, lag der Ball am Dienstag bei Richter Ludwig Brockmeier und seiner Strafkammer. Und der bewertete den Fall ganz anders. "Der Kollege am Amtsgericht steht mit seiner Rechtsauffassung ziemlich alleine da", sagte Brockmeier gleich zu Verhandlungsbeginn. Es sei doch wohl sonnenklar, dass ein Fußballspiel nicht mit einer privaten Veranstaltung wie einer Geburtstags- oder Hochzeitsfeier gleichzusetzen sei.

"Man muss nicht mal ein Semester Jura studiert haben, um zu dem Schluss zu kommen, dass das Vermummungsverbot genau für solche Fälle geschaffen wurde", sagte der Richter weiter. Würde der Freispruch Bestand haben, könnten ja demnächst alle gewaltbereiten Fans vermummt zum Spiel laufen, weil sie ja nicht zu einer öffentlichen Veranstaltung gehen würden.

Am Ende wurde der BVB-Fan zu einer Geldstrafe von 300 Euro (20 Tagessätze) verurteilt. Die Strafe akzeptierte er noch im Gerichtssaal.

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