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Private Hausbesitzer sollten Vorsorge gegen starke Regenfälle treffen.

Vorsorge

Hausbesitzer sollten sich gegen Starkregen wappnen – hier ein paar Tipps

Manchmal regnet es so stark, dass das Wasser nicht sofort ablaufen kann. Im schlimmsten Fall läuft es in Keller und tiefe Garagen. Experten raten zur Vorsorge.

Unwetter mit extrem viel Regen haben in den vergangenen Jahren auch in Nordrhein-Westfalen große Schäden angerichtet und sogar Menschenleben gefordert: 2014 ertranken in Münster zwei Männer in den Wassermassen.

Auch wenn die Sommer heißer und trockener werden: Der nächste Starkregen kommt bestimmt. Mehr als 500 Experten beraten am Mittwoch und Donnerstag bei einem Kongress in Gelsenkirchen vor allem, wie Kommunen am besten damit umgehen können. Immobilien-Eigentümer sind allerdings selbst in der Verantwortung, sich um das Thema zu kümmern, sagt die Verbraucherzentrale. Stadt oder Gemeinde haften nicht für Schäden, die durch Starkregen entstehen.

Was sollten private Immobilienbesitzer unternehmen?

Erstmal die Gefahr ernst nehmen. "Sturzflutartige Wassermassen können auch dort entstehen, wo keine Senke im Gelände ist und auch kein Gewässer verläuft", warnt das Kommunale Netzwerk Abwasser, in dem rund 60 NRW-Abwasserbetriebe mitarbeiten. "Hauseigentümer rechnen dann oft nicht mit der Gefahr und werden besonders von den Wassermassen überrascht."

Und wenn ein Haus in einem besonders gefährdeten Bereich steht?

Sich über die mögliche Überflutungsgefahr informieren. Wie hoch ist das Risiko am konkreten Ort? Helfen kann dabei eine Karte, die zeigt, wo etwa in einem Stadtgebiet besondere Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen bestehen. Rund 15 Kommunen in Nordrhein-Westfalen wie etwa Köln oder Dortmund haben solche "Starkregengefahrenkarten" bereits im Internet veröffentlicht. Andere wie Emsdetten oder Lünen bieten auf Anfrage Auszüge aus diesen Karten an.

Wie lässt sich denn nun vorsorgen?

Das Wasser kann direkt von außen oder indirekt über die Kanalisation in die Gebäude gelangen. Beim Schutz vor Oberflächenwasser schaut man zunächst, wie Wasser von außen auf das Grundstück gelangen könnte. Abgehalten werden kann es dann etwa durch Einfassungen, Wälle oder Schwellen, heißt es beim Netzwerk Abwasser. Das Gefälle von Oberflächen sollte von Gebäuden und Anlagen wegführen. Hauseingänge und Lichtschachtoberkanten sollten nach Möglichkeit erhöht sein. Auch wasserdichte Kellerfensterklappen sind ratsam. Wo es möglich ist, sollten auf dem Gelände Mulden geschaffen werden, in die das Flutwasser ablaufen kann. Auf wasserundurchlässige Flächenbefestigungen sollte verzichtet werden. Achtung: Schutzmaßnahmen dürfen nicht dazu führen, dass Regenwasser vom eigenen Grund und Boden zum Nachbarn geleitet wird.

Und was ist mit dem Wasser aus der Kanalisation?

Bei Starkregen wird auch die Kanalisation zeitweise komplett geflutet, heißt es auf einer Infoseite der Stadt Dinslaken. "Um dann zu verhindern, dass im Kanal rückgestautes Abwasser in den Keller läuft, müssen Hauseigentümer sich durch eine Rückstausicherung absichern." Sonst bestehe die Gefahr, dass Abwasser aus allen Öffnungen, die tiefer liegen als das Straßenniveau, in Kellerräume oder Souterrainwohnungen dringt. Eine solche Sicherung sollte regelmäßig durch einen Fachbetrieb gewartet werden.

Können Hauseigentümer sonst noch etwas tun?

Ja. Für den Fall, dass trotzdem Wasser in den Keller läuft, sollten Gegenstände nicht direkt auf dem Boden, sondern auf Regalen liegen. Elektrogeräte sollten auf einem Podest stehen. Überhaupt sollte in Räumen unterhalb der Straßenebene nichts Wertvolles gelagert werden. Heizöltanks müssen gegen Auftrieb gesichert sein, an Anschlüssen und Öffnungen darf kein Wasser eintreten. Das Netzwerk warnt eindringlich vor dem Austritt von Heizöl, das in das Mauerwerk eindringen kann. "Die Folge sind aufwendige Sanierungsmaßnahmen oder schlimmstenfalls der Abriss des Gebäudes."

Und wenn das Wasser schon im Haus ist?

Auf keinen Fall die Gefahr unterschätzen, sagen die Abwasserbetriebe. Ein Stromschlag kann tödlich sein. Falls Türen nicht mehr zu öffnen sind, droht Ertrinken. Gefährlich können auch Chemikalien sein, die ins Wasser gelangt sind.

Wo können Immobilienbesitzer weitere Infos bekommen?

Zum einen bei ihren Abwasserbetrieben. "Sie haben einen gesetzlichen Beratungsauftrag", sagt Marco Schlüter. Er ist Starkregenexperte und Leiter des kommunalen Netzwerks Abwasser beim Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) in Gelsenkirchen. Informationen gibt es auch bei der Verbraucherzentrale NRW, die ein Verbrauchertelefon "Abwasser" geschaltet hat und eine persönliche und kostenfreie Beratung anbietet. Schließlich informieren auch Versicherungen, die gegen Elementarschäden versichern. "Man sollte klären, wie man da aufgestellt ist."

dpa

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