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Burkhard Benecken, Rechtsanwalt in Marl. 241018, Foto: Thomas Fiekens

Gericht Moabit

Marler Anwalt Benecken als Verteidiger im Abou-Chaker-Prozess

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MARL / BERLIN - Wenn kommende Woche der Prozess gegen Arafat Abou Chaker in Berlin beginnt, wird auch der Marler Anwalt Burkhard Benecken dabei sein. Er vertritt den 42-Jährigen vor dem Kriminalgericht Moabit.

Im Grunde ist es einfach: Ein Angeklagter muss sich vor Gericht verantworten, dabei darf er darauf vertrauen, dass ihm ein Verteidiger zur Seite steht und in unserem Land die Grundsätze des Rechtsstaates für alle gelten. Die Unschuldsvermutung gehört zum Beispiel dazu. Ganz einfach ist das Ganze dann vielleicht aber nicht, wenn man Arafat Abou Chaker heißt – und als eines der bekanntesten Gesichter im derzeit politisch topaktuellen Themenkreis Kriminalität arabischstämmiger Großfamilien gilt. Die Sache mit dem Anwalt, immerhin, hat geklappt. Der Marler Strafverteidiger Burkhard Benecken vertritt Abou Chaker zusammen mit seinem Berliner Kollegen Martin Rubbert. Am Freitag, 9. November, 9.15 Uhr, beginnt in Berlin ein Strafprozess gegen den 42-Jährigen vor dem Kriminalgericht Moabit.

Mit der Unschuldsvermutung ist es aber schon jetzt nicht weit her. Mitglieder der Familie Abou Chaker sind als hochkriminelle Intensivtäter aufgefallen, die mit diversen Straftaten ihren Ruf untermauern. Sie werden in Verbindung gebracht mit Organisierter Kriminalität, offener Gewalt und verdeckten Drohungen. Mit Vorwürfen überzogen wird in Print-, TV- und Internetberichten auch Arafat Abou Chaker, Ex-Vertrauter und Geschäftspartner des Rap-Sängers „Bushido“. Nur: Der 42-Jährige ist deutscher Staatsbürger, hat nicht eine Vorstrafe.

"Rechtsstaatlich bedenklich"

„Es gibt ohne jede Frage kriminelle Strukturen, gegen die Ermittlungsbehörden vorgehen müssen. Aber die Politik gibt in letzter Zeit eine extreme Richtung vor. Ob Omeirat, Alzein oder Abou Chaker – ich halte es mittlerweile für rechtsstaatlich bedenklich, wenn arabische Familiennamen für einen Generalverdacht ausreichen“, sagt Anwalt Benecken. „Erst am vergangenen Wochenende hat es in Marl eine groß angelegte Razzia in Shisha- und Sportbars gegeben. Was ist dabei herausgekommen? Man hat 40 Kilo unversteuerten Tabak gefunden, von dem jedes Kilo etwa 45 Euro Steuern kostet. Wir reden überschlägig über knapp 2000 Euro – und über Leute, die einfach nur ihren Job machen und deren Lokale eine Konzession von der Stadt haben. Zwei Betroffene waren schon bei mir, sie fühlen sich mit Kriminellen in einen Topf geworfen.“

Im anstehenden Verfahren gegen Arafat Abou Chaker geht es indes nicht um ein paar Kilo Shisha-Tabak. Wie das Amtsgericht Tiergarten in Berlin gestern auf Anfrage bestätigte, ist mit Blick auf den zu erwartenden Andrang von Medien und Besuchern eine Sicherheitsverfügung u.a. mit strengen Kontrollen erlassen worden, um den geordneten Prozessablauf sicherzustellen. Arafat Abou Chaker soll im März bei einer Auseinandersetzung mit einem Hausmeister in einer Berliner Physiopraxis dem Mann den Tod angedroht, mit zwei Fingern in dessen Augen gestochen und ihm mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen haben. Der Verfahrensausgang ist offen, auch wenn die Boulevardpresse dem Angeklagten schon mit einem Strafmaß von fünf Jahren Haft droht.

"Jeder hat Recht auf Anwalt"

Körperverletzung ist kein Kavaliersdelikt, zur Prozessstrategie sagt Benecken – nachvollziehbar – kein Wort. Er macht aber deutlich: „Auch für diesen Mandanten gilt bis zu Freispruch oder Verurteilung die Unschuldsvermutung.“ Hat Benecken keine Sorge vor einer Vereinnahmung in diesem Verfahren? „Mir ist klar, dass ich in eine Ecke gestellt werde: Wie kann der so einen verteidigen? Aber auch wenn es den Leuten schwerfällt, das nachzuvollziehen: Jeder hat das Recht auf einen Anwalt, egal, was er gemacht haben soll.“

Und wie sieht es andererseits mit Arafat Abou Chaker und dessen Familie aus? „Ich gehe mit dem Prozess so professionell um wie mit jedem anderen. Der Grundsatz lautet bei allen Mandanten: Nie leere Versprechungen machen. Ich habe im Kontakt mit sogenannten Großfamilien die Erfahrung gemacht, dass sie das Ganze ebenfalls sehr professionell sehen und gut einschätzen können.“

Über einen dieser Kontakte ist das Mandat in Berlin zustande gekommen. Burkhard Benecken hatte Anfang des Jahres vor dem Landgericht Bochum einen Cousin von Arafat Abou Chaker im Strafverfahren gegen Rapper „Hamad 45“ vertreten, als dieser aus Rache für eine angebliche Beleidigung im Internet mit einer scharfen Waffe an einer Autowerkstatt in Oer-Erkenschwick um sich geschossen hatte.

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