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Wer etwas über das vermeintliche Können eines Autofahrers wissen wollte, konnte bislang anonym jedes Kennzeichen bei fahrerbewertung.de eingeben. Damit ist nun Schluss – zum Glück für die Dortmunder.

Gericht verbietet Internetseite

Keine schlechten Noten mehr für Dortmunds Autofahrer

DORTMUND - Über 33.000-mal wurden Dortmunder Autofahrer auf der Internetplattform "fahrerbewertung.de" zumeist schlecht bewertet - und jeder konnte es lesen. Doch damit ist dank eines Gerichtsurteils nun Schluss. Was vielleicht auch gut ist für das Renommee von ganz Dortmund.

Kein Zweifel: Der Kollege ist ein Verkehrsrowdy. Wenige Augenblicke, nachdem er sein Autokennzeichen beim Internetportal „fahrerbewertung.de“ eingetippt hat, erscheint eine knallrote Ampel und eine Benotung auf dem Monitor: „Ungenügend, Durchschnittswert 6,0“.

Ein Schock, doch keineswegs ein Einzelfall: Allein für Dortmunder Nummernschilder gibt es über 33 000 Beurteilungen auf der Plattform. Denn bislang konnte jeder Internetnutzer ein beliebiges Kennzeichen und somit den Autobesitzer anonym bewerten oder dessen vermeintliche Qualitäten abfragen.

Doch damit ist nun Schluss. Das Oberverwaltungsgericht Münster erklärte das Portal in seiner jetzigen Form am Donnerstag für gesetzeswidrig . Zum Glück für die Dortmunder, ist man geneigt zu sagen.

Dortmunder gehören laut Bewertungen zu den schlechtesten Autofahrern Deutschlands

Laut fahrerbewertung.de befindet sich der Kollege mit seinen Fähigkeiten nämlich in guter Gesellschaft; fast scheint es, als sei auf Dortmunds Straßen ein Heer von Sonntagsfahrern unterwegs. 4,5 lautet die Durchschnittsnote für Autos mit dem Kennzeichen DO, was einen katastrophalen 718. Platz auf der deutschen Rangliste bedeutet. In gerade mal 20 Kreisen und kreisfreien Städten wird demnach noch schlechter gefahren, in 717 indes besser.

Vor allem bei der Geschwindigkeit schlagen die Dortmunder laut „fahrerbewertung.de“ regelmäßig über die Stränge, Lobpreisungen für zuvorkommendes Fahren sind eine Seltenheit. Und wer in Dortmund am Steuer eines Subaru sitzt, ist – glaubt man der Plattform – ein ungemein sicherer Autofahrer. Citroen-Besitzer hingegen bekommen das schlechteste Zeugnis ausgestellt: Note 5,3, setzen.

Polizei: „Vielleicht stammen viele Bewertungen ja von Schalkern“

„Aus Sicht der Polizei ist eine solche Statistik überhaupt nicht repräsentativ“, macht Polizeisprecher Gunnar Wortmann den hiesigen Fahrzeugführern aber wieder Hoffnung, „es gibt keine Hinweise darauf, dass die Dortmunder schlechter Auto fahren als die Menschen in vergleichbaren Großstädten.“ Probleme bereite zwar die Raserszene am Wall, aber die werde regelmäßig überprüft und existiere in anderen Großstädten zudem in ähnlicher Form.

Und warum schneiden die Dortmunder bei fahrerbewertung.de trotzdem dermaßen miserabel ab? Wortmann hat da eine ganz eigene Vermutung: „Vielleicht stammen viele Bewertungen ja von Schalkern.“

Oberpfälzisches Dorf schneidet am besten ab

Dank des Gerichtsurteils dürfen sich die Dortmunder nun auf jeden Fall wieder erhobenen Hauptes ans Steuer setzen und müssen nicht mehr neidisch aufs oberpfälzische Tirschenreuth blicken. Die dortigen Autofahrer, behauptet fahrerbewertung.de, sind mit einer Durchschnittsnote von 2,1 nämlich die besten Deutschlands.

Doch Hand aufs Herz: Was sind die beschaulichen Straßen einer 9000-Seelen-Gemeinde im Vergleich zum Dortmunder Wall im Berufsverkehr?

Auf der Plattform „fahrerbewertung.de“ konnte jeder Internetnutzer anonym ein beliebiges Kennzeichen eingeben und es mit gut, neutral oder schlecht bewerten. Außerdem war es möglich, die Bewertungen sämtlicher Kennzeichen abzufragen. Die Münsteraner Richter sahen darin einen Verstoß gegen den Datenschutz.

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